Die Entwicklung bei Ladendiebstählen sorgt im Einzelhandel für wachsende Beunruhigung. Der Handelsverband in Sachsen-Anhalt und Thüringen beobachtet nach eigenen Angaben nicht nur eine zunehmende Zahl von Fällen. Auch die Vorgehensweise der Täter habe sich verändert.
Landesgeschäftsführer Knut Bernsen sagte dem MDR, Ladendiebe würden immer professioneller und organisierter auftreten. Für die Händler bedeutet das eine doppelte Belastung: Einerseits entstehen erhebliche wirtschaftliche Schäden, andererseits müssen Unternehmen stärker darauf achten, ihre Beschäftigten vor gefährlichen Situationen zu schützen.
Mitarbeiter sollen sich nicht in Gefahr bringen
Besonders wichtig ist dem Handelsverband deshalb die Sicherheit der Mitarbeiter. Beschäftigte sollten sich bei einem Diebstahl nicht unnötig selbst gefährden. Denn aus einer zunächst alltäglich erscheinenden Situation im Geschäft kann sich eine Konfrontation entwickeln.
Damit verändert sich auch der Umgang des Einzelhandels mit Ladendiebstahl. Es geht längst nicht mehr ausschließlich darum, einzelne gestohlene Waren zurückzubekommen. Händler müssen zugleich abwägen, wann ein Eingreifen ihrer Mitarbeiter überhaupt vertretbar ist.
Der Schutz von Menschen hat dabei Vorrang vor dem Wert der gestohlenen Ware.
Handelsverband und Polizeigewerkschaft verlangen Konsequenzen
Der Handelsverband fordert gemeinsam mit der Gewerkschaft der Polizei ein entschlosseneres Vorgehen des Gesetzgebers. Dabei geht es insbesondere um organisierte beziehungsweise bandenmäßig begangene Diebstähle.
Die Forderung macht deutlich, dass der Einzelhandel zwischen unterschiedlichen Erscheinungsformen des Ladendiebstahls unterscheidet. Neben einzelnen Gelegenheitsdiebstählen stehen Fälle, bei denen Täter gezielt, arbeitsteilig und wiederholt vorgehen.
Gerade diese Form der Kriminalität bereitet dem Verband Sorgen. Wenn Waren systematisch gestohlen werden, geht es nicht mehr lediglich um einen einzelnen Verlust für einen Händler, sondern um ein Geschäftsmodell der Täter.
Milliardenverlust für den deutschen Einzelhandel
Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. Im vergangenen Jahr stiegen die Verluste des Einzelhandels durch Diebstähle bundesweit auf 4,3 Milliarden Euro.
Für Händler können solche Verluste insbesondere dann problematisch werden, wenn ohnehin hohe Personal-, Energie-, Miet- und Beschaffungskosten zu tragen sind. Während große Handelsunternehmen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen möglicherweise leichter finanzieren können, können zusätzliche Verluste kleinere Geschäfte stärker treffen.
Zugleich verursachen Ladendiebstähle Kosten, die über den unmittelbaren Warenverlust hinausgehen. Unternehmen müssen über Sicherheitskonzepte, Überwachung und den Schutz ihrer Beschäftigten nachdenken.
Zwischen Diebstahlprävention und Mitarbeiterschutz
Damit steht der Einzelhandel vor einem schwierigen Spagat. Geschäfte wollen Diebstähle verhindern und Täter möglichst identifizieren. Gleichzeitig dürfen Beschäftigte nicht dazu gedrängt werden, sich selbst in gefährliche Situationen zu begeben.
Die Warnung des Handelsverbandes aus Sachsen-Anhalt und Thüringen ist deshalb auch ein Appell, das Problem nicht allein auf die Mitarbeiter an der Ladenkasse oder auf der Verkaufsfläche abzuwälzen.
Aus Sicht des Verbandes braucht es vielmehr wirksame staatliche Maßnahmen – insbesondere dort, wo hinter Ladendiebstählen organisierte Strukturen stehen.
Die bundesweite Schadenssumme von 4,3 Milliarden Euro zeigt, welche Dimension das Problem inzwischen erreicht hat. Für den Handel geht es dabei nicht nur um gestohlene Waren, sondern zunehmend auch um die Frage, wie Geschäfte und ihre Beschäftigten mit professionell agierenden Tätern umgehen können, ohne die Sicherheit des Personals aufs Spiel zu setzen.