Unterstützung bekommen die beiden Spitzenkandidaten Thomas Schulze und Claudia Wittig im Wahlkampf von Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Bei einer Veranstaltung in Dessau machte Wagenknecht deutlich, dass sie einen direkten Eintritt des BSW in eine Landesregierung ablehnt. Eine Partei, die erstmals in einen Landtag einziehe, sollte aus ihrer Sicht nicht sofort Regierungsverantwortung übernehmen.
Wagenknecht will keine „Brandmauern“
Politisch besonders brisant ist die Position des BSW zum Umgang mit anderen Parteien. Wagenknecht spricht sich für wechselnde Mehrheiten aus und lehnt das Konzept politischer „Brandmauern“ ab. Nach ihrer Darstellung empöre es viele Bürger, wenn sich Parteien zusammenschlössen, um die AfD von politischem Einfluss fernzuhalten.
Die Spitzenkandidaten Schulze und Wittig unterstützen diesen Kurs. Innerhalb des BSW Sachsen-Anhalt war diese Ausrichtung allerdings umstritten.
Der Konflikt hatte konkrete Folgen: Anfang August verließen 21 Mitglieder die Partei, darunter Kreisvorsitzende und ehemalige Vorstandsmitglieder. Sie warfen dem Landesverband vor, sich in Sprache und Themenwahl zunehmend Positionen der AfD anzunähern. Der BSW-Landesvorsitzende Schulze weist die Kritik zurück und erklärte seinerseits, ein Großteil der Ausgetretenen sei einem Parteiausschlussverfahren zuvorgekommen. Nach seinen Angaben traten anschließend 48 neue Mitglieder ein.
Seitenhieb auf das BSW in Thüringen
Hinter Wagenknechts Forderung nach einer Oppositionsrolle steht auch der innerparteiliche Streit über Thüringen. Dort regiert das BSW gemeinsam mit CDU und SPD – gegen Wagenknechts politischen Willen. Der BSW-Bundesvorstand verlangt laut dem vorliegenden Bericht inzwischen die Aufkündigung dieser Koalition und ein Ende der Unterstützung von Ministerpräsident Mario Voigt. Die Thüringer BSW-Fraktion lehnt diesen Kurs jedoch ab.
In Sachsen-Anhalt soll sich dieses Szenario offenbar nicht wiederholen. Wagenknecht betont, sie kenne Schulze und Wittig und wisse, dass beide die von ihr vertretene politische Linie unterstützten.
Das größere Problem: vier Prozent
Bevor über Regierungsbeteiligung oder Opposition entschieden werden kann, muss das BSW allerdings überhaupt in den Magdeburger Landtag einziehen.
Und genau das ist derzeit keineswegs sicher.
Die jüngste im Bericht genannte Infratest-dimap-Umfrage sieht das Bündnis bei vier Prozent. Ohne Direktmandate oder andere Besonderheiten des Wahlrechts wäre das zu wenig, um die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden. Bis zur Landtagswahl am 6. September 2026 soll Wagenknecht deshalb noch mehrfach gemeinsam mit den Spitzenkandidaten auftreten. Ihre Bekanntheit soll zusätzliche Wähler mobilisieren.
BSW bereitet bereits Anträge vor
Trotz der unsicheren Ausgangslage beschäftigt sich die Partei bereits mit der parlamentarischen Arbeit. Schulze und Wittig verfügen bislang über wenig politische Erfahrung. Nach eigenen Angaben erhalten sie Unterstützung von den bestehenden BSW-Landtagsfraktionen in Brandenburg und Sachsen.
Wittig erklärte, die Partei habe bereits mehrere Anträge vorbereitet. Dazu gehörten eine Bildungsreform, Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Für diese Vorhaben wolle das BSW nach der Wahl jeweils parlamentarische Partner suchen.
Opposition – aber mit politischem Gestaltungsanspruch
Damit verfolgt das BSW in Sachsen-Anhalt ein ungewöhnliches Modell: Die Partei schließt eine klassische Regierungskoalition von vornherein aus, will aber gleichzeitig Mehrheiten für eigene Vorhaben organisieren.
Das kann dem BSW größere politische Beweglichkeit ermöglichen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie stabil ein solches Modell in der parlamentarischen Praxis wäre und mit welchen Parteien Mehrheiten zustande kommen könnten. Besonders der Verzicht auf „Brandmauern“ dürfte nach der Wahl zu intensiven Debatten darüber führen, ob und bei welchen Sachfragen das BSW auch Mehrheiten gemeinsam mit der AfD akzeptieren würde.
Doch zunächst entscheidet sich eine wesentlich grundsätzlichere Frage: Schafft das BSW überhaupt den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde? Nach den im Bericht genannten vier Prozent ist der Einzug in den Landtag derzeit alles andere als sicher.