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Rotkäppchen-Mumm warnt vor höherer Sektsteuer: „Das trifft die Mitte der Gesellschaft“

Fotografie_Reimann (CC0), Pixabay

Die Diskussion gewinnt an Bedeutung, weil der Bundestag Anfang September über den Haushalt 2027 beraten soll. Nach dem vorliegenden Bericht plant die Bundesregierung höhere Steuern auf alkoholische Getränke. Für Rotkäppchen-Mumm könnte insbesondere eine höhere Schaumweinsteuer Folgen haben.

Rotkäppchen-Chefin fürchtet sinkenden Absatz

Wiesner argumentiert, eine Steuererhöhung treffe weniger Käufer hochpreisiger Champagner als Verbraucher günstigerer Produkte. Nach ihren Angaben entfallen lediglich drei Prozent des Schaumweinvolumens auf hochpreisigen Champagner. Mehr als 80 Prozent des Volumens würden dagegen in einem Preisbereich unter 3,50 Euro pro Flasche verkauft.

Damit könnte eine auf den ersten Blick geringe Verteuerung bei günstigen Produkten prozentual deutlich stärker ins Gewicht fallen.

Die Managerin befürchtet außerdem einen wirtschaftlichen Gegeneffekt: Steigende Preise könnten zu geringeren Absatzmengen führen. Dadurch könnten nach ihrer Argumentation am Ende auch die erwarteten zusätzlichen Steuereinnahmen geringer ausfallen.

Unternehmen muss schon jetzt für 2027 planen

Für Rotkäppchen-Mumm kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Produktion lässt sich nicht kurzfristig an eine veränderte Nachfrage anpassen. Das Unternehmen muss frühzeitig entscheiden, welche Mengen an Trauben und Grundwein benötigt werden. Allein die Reifung von Sekt dauert laut Wiesner mindestens sechs Monate.

Deshalb bereitet sich das Unternehmen bereits auf unterschiedliche Absatzszenarien vor, obwohl die politische Entscheidung noch nicht gefallen ist.

Auch alkoholfreie Produkte spielen eine Rolle

Interessant ist, dass Rotkäppchen-Mumm nicht ausschließlich auf alkoholische Getränke setzt. Nach Angaben Wiesners bietet das Unternehmen bereits seit 2008 alkoholfreie Alternativen an und hat seitdem mehr als 120 Millionen Flaschen davon verkauft.

Eine höhere Alkoholsteuer würde alkoholfreien Sekt zwar nicht unmittelbar treffen. Wiesner argumentiert jedoch, dass Investitionen in alkoholfreie Produkte – etwa in Technologie, Produktionskapazitäten und Markenaufbau – aus einem wirtschaftlich erfolgreichen Kerngeschäft finanziert werden müssten.

Kritische Einordnung

Die Argumentation von Rotkäppchen-Mumm ist aus Unternehmenssicht nachvollziehbar, sollte aber als Interessenposition betrachtet werden. Eine Steuererhöhung würde einen wichtigen Teil des eigenen Geschäfts betreffen. Die Aussage, eine höhere Sektsteuer sei „sozial nicht gerecht“, ist deshalb zunächst die Bewertung der Unternehmenschefin und kein neutral festgestellter wirtschaftlicher Effekt.

Auf der anderen Seite zeigen die genannten Verkaufsstrukturen, warum Rotkäppchen besonders sensibel reagieren dürfte: Wenn tatsächlich mehr als 80 Prozent des entsprechenden Marktvolumens unter 3,50 Euro pro Flasche liegen, kann bereits eine vergleichsweise kleine absolute Preissteigerung in diesem Segment stärker wahrgenommen werden.

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