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Windpark Kraasa: Schulden sinken deutlich – doch Anleger sollten beim Eigenkapital genauer hinsehen

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Bei Windparkgesellschaften kann ein Blick auf die Bilanz schnell zu falschen Schlussfolgerungen führen. Hohe Verbindlichkeiten sind bei kapitalintensiven Energieprojekten nicht ungewöhnlich. Windenergieanlagen werden häufig langfristig finanziert, während die Kredite anschließend über viele Jahre aus den laufenden Einnahmen zurückgeführt werden.

Vor diesem Hintergrund enthält die Bilanz der Lungta Windpark Kraasa GmbH & Co. KG durchaus positive Signale.

Verbindlichkeiten sinken um rund 740.000 Euro

Besonders auffällig ist der Rückgang der Verbindlichkeiten. Ende 2023 standen noch 5,52 Millionen Euro in der Bilanz. Ende 2024 waren es rund 4,78 Millionen Euro.

Damit wurden die Verbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um rund 740.500 Euro beziehungsweise gut 13 Prozent reduziert.

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei den langfristigen Verpflichtungen. Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sanken von rund 5,07 Millionen auf 4,47 Millionen Euro.

Aus Anlegersicht ist das grundsätzlich positiv. Werden langfristige Finanzierungen planmäßig zurückgeführt, nimmt die Fremdkapitalbelastung des Projekts ab.

Bemerkenswert ist außerdem, dass laut Anhang Verbindlichkeiten von 4,47 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren haben. Der Windpark trägt damit weiterhin eine erhebliche langfristige Finanzierung.

Mehr als die Hälfte der Bilanz wird durch Eigenkapital getragen

Auf den ersten Blick solide wirkt die Eigenkapitalausstattung.

Bei einer Bilanzsumme von rund 10,47 Millionen Euro verfügt die Gesellschaft über ein Eigenkapital von rund 5,65 Millionen Euro.

Das entspricht einer bilanziellen Eigenkapitalquote von ungefähr 54 Prozent.

Für eine projektfinanzierte Windparkgesellschaft ist das zumindest eine Kennzahl, die Anleger positiv zur Kenntnis nehmen können.

Die Verbindlichkeiten machen im Vergleich dazu rund 46 Prozent der Bilanzsumme aus. Hinzu kommen vergleichsweise geringe Rückstellungen.

Aber: Eigenkapital sinkt um mehr als 700.000 Euro

Ganz unkritisch ist die Entwicklung dennoch nicht.

Das Eigenkapital lag Ende 2023 noch bei 6,37 Millionen Euro. Ein Jahr später sind es nur noch 5,65 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 718.000 Euro beziehungsweise gut elf Prozent.

Für Anleger stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Warum ist das Eigenkapital gesunken?

Aus den vorliegenden Angaben lässt sich das nicht abschließend beantworten. Die Bilanz weist weder einen Bilanzgewinn noch einen Bilanzverlust aus.

Ohne weitere Informationen zur Ergebnisverwendung und zu möglichen Entnahmen oder Ausschüttungen wäre es daher spekulativ, den Rückgang als wirtschaftliche Verschlechterung zu interpretieren.

Gerade für Anleger wäre eine Erklärung dieser Entwicklung interessant.

Anlagevermögen verliert rund 1,4 Millionen Euro an Buchwert

Auch auf der Aktivseite gibt es eine deutliche Veränderung.

Das Sachanlagevermögen sank von 11,49 Millionen Euro auf 10,10 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 1,39 Millionen Euro.

Das klingt zunächst erheblich, muss bei einem Windpark aber nicht ungewöhnlich sein.

Windenergieanlagen werden über ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Der Buchwert der Anlagen sinkt deshalb regelmäßig, selbst wenn sie technisch einwandfrei funktionieren und weiterhin Strom produzieren.

Der Anhang bestätigt, dass das Sachanlagevermögen planmäßig abgeschrieben wird.

Für Anleger ist deshalb weniger der sinkende Buchwert allein entscheidend als die Frage, ob der Windpark gleichzeitig ausreichend Erträge und Cashflows erwirtschaftet.

Genau diese Information fehlt in den vorliegenden Zahlen.

Das größte Informationsdefizit: Wie profitabel ist der Windpark?

Hier liegt aus Anlegersicht der entscheidende Schwachpunkt der veröffentlichten Informationen.

Aus der Bilanz lässt sich zwar erkennen, was die Gesellschaft besitzt und wie sie finanziert ist. Nicht ersichtlich ist jedoch, wie hoch die Umsatzerlöse waren, welchen operativen Gewinn der Windpark erzielt hat und wie sich die Stromproduktion entwickelt hat.

Damit fehlen zentrale Kennzahlen für eine wirtschaftliche Beurteilung.

Für einen Anleger wäre beispielsweise interessant:

Wie viel Strom wurde 2024 produziert? Welche Erlöse wurden erzielt? Wie hoch waren Betriebs-, Wartungs- und Finanzierungskosten? Welche Ausschüttungen erhielten die Kommanditisten?

Die vorliegenden Daten beantworten diese Fragen nicht.

Bankguthaben sinkt deutlich

Ein weiterer Punkt verdient Aufmerksamkeit: Die liquiden Mittel sind deutlich zurückgegangen.

Ende 2023 verfügte die Gesellschaft noch über 394.110 Euro an Bankguthaben und sonstigen liquiden Mitteln. Ende 2024 waren es nur noch 136.051 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 258.000 Euro beziehungsweise rund 65 Prozent.

Isoliert betrachtet könnte das beunruhigend wirken.

Allerdings wurden gleichzeitig erhebliche Verbindlichkeiten zurückgeführt. Ein Rückgang der Liquidität kann daher beispielsweise mit Tilgungen, Ausschüttungen, Investitionen oder laufenden Zahlungsverpflichtungen zusammenhängen.

Welche Ursache hier tatsächlich vorliegt, lässt sich aus dem veröffentlichten Abschluss nicht eindeutig erkennen.

Gleichzeitig steigen die Forderungen massiv

Interessant ist die gegenläufige Entwicklung bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen.

Diese erhöhten sich von lediglich 25.826 Euro auf 206.832 Euro.

Damit haben sie sich innerhalb eines Jahres nahezu verachtfacht.

Auch hier wäre aus Anlegersicht eine Erläuterung hilfreich. Entscheidend ist, gegen wen diese Forderungen bestehen und wann mit deren Zahlung zu rechnen ist.

Ein höherer Forderungsbestand muss keineswegs problematisch sein. Er kann beispielsweise durch noch nicht eingegangene Erlöse zum Bilanzstichtag entstehen.

Ohne nähere Aufschlüsselung bleibt dieser Bilanzposten jedoch erklärungsbedürftig.

Gesellschafterforderungen deutlich reduziert

Positiv fällt auf, dass auch die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern zurückgegangen sind.

Sie sanken von 143.650 Euro auf 76.650 Euro.

Damit wurden innerhalb eines Jahres rund 67.000 Euro dieser Verpflichtungen abgebaut.

Auch dies passt grundsätzlich zum Gesamtbild einer Gesellschaft, die ihre Verbindlichkeiten reduziert.

Keine Mitarbeiter – bei einer Windparkgesellschaft nicht ungewöhnlich

Die Gesellschaft beschäftigte im Jahresdurchschnitt keine Arbeitnehmer.

Bei einem klassischen Industrieunternehmen wäre das ungewöhnlich. Bei einer Windpark-Projektgesellschaft ist es dagegen nicht zwangsläufig auffällig.

Betriebsführung, Wartung, technische Dienstleistungen und kaufmännische Verwaltung können von externen Unternehmen oder verbundenen Gesellschaften übernommen werden.

Der Jahresabschluss enthält allerdings keine detaillierten Informationen darüber, wie diese Aufgaben organisiert sind und welche Kosten dafür entstehen.

Ein interessanter Punkt bei den Sicherheiten

Der Anhang weist einen Gesamtbetrag von 0 Euro für bilanzierte Verbindlichkeiten aus, die durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesichert sind.

Gleichzeitig bestehen langfristige Verbindlichkeiten von rund 4,47 Millionen Euro.

Das ist eine Angabe, die Anleger durchaus näher betrachten können. Aus dem veröffentlichten Text lässt sich allerdings nicht ableiten, welche konkrete Finanzierungsstruktur hinter diesen langfristigen Verpflichtungen steht.

Anleger sollten Schuldenabbau und Vermögensverzehr gemeinsam betrachten

Die Bilanz hat damit zwei Seiten.

Auf der positiven Seite steht ein erheblicher Schuldenabbau. Die langfristigen Verbindlichkeiten sinken, die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern gehen zurück und die Gesellschaft verfügt weiterhin über eine Eigenkapitalquote von rund 54 Prozent.

Auf der anderen Seite sinken Eigenkapital, Anlagevermögen und liquide Mittel deutlich.

Gerade bei einem Windpark müssen diese Entwicklungen allerdings im Zusammenhang betrachtet werden.

Ein sinkender Anlagenbuchwert kann durch normale Abschreibungen entstehen. Sinkende Finanzverbindlichkeiten können Ausdruck planmäßiger Tilgung sein. Sinkendes Eigenkapital wiederum könnte beispielsweise mit Ausschüttungen beziehungsweise Entnahmen zusammenhängen.

Ohne Gewinn- und Verlustrechnung und weitere Angaben lässt sich nicht feststellen, welche dieser Erklärungen tatsächlich zutrifft.

Entscheidend ist, was die Anlagen erwirtschaften

Für Anleger dürfte deshalb eine andere Kennzahl wesentlich wichtiger sein als der reine Buchwert des Windparks: der tatsächlich erwirtschaftete Cashflow.

Ein Windpark kann bilanziell jedes Jahr an Wert verlieren, weil die Anlagen abgeschrieben werden, während gleichzeitig erhebliche liquide Überschüsse erwirtschaftet werden.

Umgekehrt kann eine optisch solide Bilanz wirtschaftliche Schwierigkeiten verdecken, wenn Stromproduktion und Erlöse hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Genau deshalb reichen die veröffentlichten Bilanzzahlen für eine abschließende Anlegerbewertung nicht aus.

Fazit: Solider Schuldenabbau – aber einige offene Fragen

Der Jahresabschluss der Lungta Windpark Kraasa GmbH & Co. KG enthält keine offensichtlichen Hinweise auf eine akute finanzielle Schieflage. Im Gegenteil: Der Rückgang der Verbindlichkeiten um rund 740.000 Euro und eine Eigenkapitalquote von etwa 54 Prozent sind zunächst positive Signale.

Trotzdem sollten Anleger genauer hinschauen.

Das Eigenkapital ist um mehr als 700.000 Euro gesunken, die liquiden Mittel haben sich deutlich reduziert und die Forderungen sind stark gestiegen. Gleichzeitig fehlen in den vorliegenden Informationen wesentliche Angaben zur Ertragslage.

Die entscheidende Anlegerfrage lautet deshalb nicht: „Warum sinkt der Buchwert des Windparks?“

Sie lautet vielmehr: „Wie viel Geld erwirtschaftet der Windpark nach Betriebskosten, Zinsen und Tilgung – und welcher Teil davon kommt bei den Anlegern an?“

Erst mit diesen Informationen lässt sich beurteilen, ob der Schuldenabbau Ausdruck eines wirtschaftlich gut laufenden Windparks ist oder ob hinter den Bilanzveränderungen Entwicklungen stehen, die Anleger kritischer betrachten sollten.

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