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Keller im Sommer richtig lüften: Warum offene Fenster Schimmel sogar fördern können

IzabellArt (CC0), Pixabay

Wer im Sommer seinem Keller etwas „frische Luft“ gönnen möchte, kann damit unbeabsichtigt genau das Gegenteil erreichen. Statt den Raum trockener zu machen, kann ausgiebiges Lüften bei hohen Außentemperaturen zusätzliche Feuchtigkeit in den Keller bringen. Im schlimmsten Fall entstehen feuchte Wände und Schimmel.

Der Grund dafür liegt in einem einfachen physikalischen Zusammenhang: Warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Strömt warme und feuchte Sommerluft durch ein geöffnetes Fenster in einen vergleichsweise kühlen Keller, kühlt sie dort ab. Dadurch steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Unter ungünstigen Bedingungen kondensiert das enthaltene Wasser schließlich an kalten Oberflächen wie Wänden, Fußböden oder Decken.

Was eigentlich zum Trocknen gedacht war, macht den Keller damit immer feuchter.

An heißen Tagen sollten Kellerfenster geschlossen bleiben

Besonders problematisch ist es deshalb, Kellerfenster während heißer Sommertage dauerhaft geöffnet oder gekippt zu lassen. Die warme Außenluft gelangt über Stunden in die kühlen Räume und führt ständig neue Feuchtigkeit mit sich.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt deshalb, nur dann zu lüften, wenn die Außenluft kühler als die Kellerluft ist.

Im Sommer bietet sich dafür häufig der frühe Morgen an. Auch nachts kann Lüften sinnvoll sein, sofern die Außentemperaturen tatsächlich entsprechend abgesunken sind.

Dabei sollte nicht stundenlang gelüftet werden. Besser ist ein gezieltes Stoßlüften.

Ein Hygrometer hilft bei der Kontrolle

Ob ein Keller tatsächlich zu feucht ist, lässt sich mit einem Hygrometer kontrollieren. Das kleine Messgerät zeigt die relative Luftfeuchtigkeit an und macht Veränderungen sichtbar, die ohne Messung häufig gar nicht bemerkt werden.

Das ist besonders wichtig, weil Feuchtigkeitsschäden zunächst unauffällig bleiben können. Ein muffiger Geruch, feuchte Stellen oder sichtbarer Schimmel treten möglicherweise erst auf, wenn das Problem bereits längere Zeit besteht.

Wer regelmäßig kontrolliert, kann dagegen früher reagieren.

Kartons und Möbel nicht unmittelbar an Außenwände stellen

Auch die Lagerung spielt eine wichtige Rolle. Kartons, Schränke, Regale und andere Gegenstände sollten nicht unmittelbar an kalten Außenwänden stehen.

Zwischen Wand und Gegenständen sollte ausreichend Platz bleiben, damit Luft zirkulieren kann. Auch zum Kellerboden sollte insbesondere bei feuchtigkeitsempfindlichen Gegenständen möglichst Abstand gehalten werden.

Denn gerade hinter dicht an einer Wand stehenden Möbeln kann sich ein ungünstiges Mikroklima entwickeln. Feuchtigkeit bleibt dort länger bestehen und Schimmel kann zunächst unbemerkt wachsen.

Wäsche kann die Feuchtigkeit zusätzlich erhöhen

Problematisch kann außerdem das Trocknen nasser Wäsche in einem unbeheizten Keller sein. Beim Trocknen gelangt das Wasser aus den Textilien in die Raumluft.

Kann diese Feuchtigkeit nicht ausreichend abgeführt werden, steigt die Luftfeuchtigkeit weiter an. In einem ohnehin kühlen oder feuchten Keller verschärft das möglicherweise bestehende Probleme.

Nasse Wäsche sollte deshalb möglichst nicht in einem unbeheizten Keller getrocknet werden.

Dauerhaft feuchter Keller kann auf einen Gebäudeschaden hinweisen

Nicht jede hohe Luftfeuchtigkeit ist allerdings auf falsches Lüften zurückzuführen. Bleibt ein Keller trotz richtigen Lüftungsverhaltens dauerhaft feucht, sollte nach anderen Ursachen gesucht werden.

Denkbar sind beispielsweise bauliche Mängel, von außen eindringende Feuchtigkeit oder beschädigte beziehungsweise undichte Leitungen.

In solchen Fällen reicht es nicht aus, lediglich häufiger oder zu anderen Zeiten zu lüften. Die Ursache der Feuchtigkeit muss gefunden und beseitigt werden.

Das gilt insbesondere, wenn bereits Schimmel sichtbar ist oder sich feuchte Stellen an Wänden und Böden zeigen.

Bei schwüler Dauerhitze kann ein Luftentfeuchter helfen

Schwieriger wird die Situation während längerer Hitzeperioden. Bleiben die Temperaturen selbst nachts hoch und ist gleichzeitig die Außenluft sehr feucht, gibt es kaum noch einen geeigneten Zeitpunkt zum Lüften.

Dann kann ein elektrischer Luftentfeuchter sinnvoll sein.

Allerdings benötigen solche Geräte Strom und können bei längerem Betrieb entsprechende Kosten verursachen. Deshalb sollte beim Kauf auf die Energieeffizienz geachtet und das Gerät möglichst nur eingesetzt werden, wenn eine Entfeuchtung tatsächlich notwendig ist.

Bei Häusern mit einer Photovoltaikanlage kann ein Teil des benötigten Stroms während sonnenreicher Stunden selbst erzeugt werden. Auch ein Balkonkraftwerk beziehungsweise Steckersolargerät kann einen Teil des Verbrauchs abdecken.

Eine weitere Möglichkeit kann eine Brauchwasser-Wärmepumpe sein. Sie entzieht im Umluftbetrieb der Raumluft ebenfalls Feuchtigkeit und kann dadurch den Aufstellraum entfeuchten.

Die wichtigsten Regeln für den Keller im Sommer

Entscheidend ist vor allem, den vermeintlich naheliegenden Fehler zu vermeiden: Im Hochsommer bedeutet ein geöffnetes Kellerfenster nicht automatisch trockenere Räume.

Bei hohen Außentemperaturen sollten Kellerfenster geschlossen bleiben. Gelüftet wird möglichst dann, wenn es draußen kühler ist als im Keller. Kurzes Stoßlüften ist dabei dem dauerhaften Öffnen oder Kippen der Fenster vorzuziehen.

Zusätzlich sollte die Luftfeuchtigkeit kontrolliert, für ausreichende Luftzirkulation hinter Möbeln und gelagerten Gegenständen gesorgt und auf das Trocknen nasser Wäsche im unbeheizten Keller möglichst verzichtet werden.

Denn gerade beim Sommerkeller gilt eine zunächst widersprüchlich klingende Regel: Zu viel Lüften zur falschen Zeit kann mehr Feuchtigkeit verursachen als beseitigen.

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