Dark Mode Light Mode

Volkswagen vor härterem Umbau: Blume nennt Lage „mehr als kritisch“

Putv (CC0), Pixabay

Volkswagen-Chef Oliver Blume bezeichnete die Situation des Konzerns in einem internen Interview als „mehr als kritisch“. Gleichzeitig betonte er, Volkswagen sei weiterhin handlungsfähig. Der Handlungsbedarf sei jedoch akut.

Bisherige Einsparungen reichen Blume nicht

Dabei hat Volkswagen bereits erheblich gespart. Nach Angaben Blumes wurden die Fabrikkosten in den deutschen Werken im vergangenen Jahr im Durchschnitt um rund 20 Prozent reduziert.

Dem Vorstand reicht das dennoch nicht.

Blume verweist auf eine operative Rendite von 3,8 Prozent. Diese sei unter den schwierigen Bedingungen zwar solide, reiche aber nicht aus, um dauerhaft genügend Geld für neue Technologien, neue Fahrzeuge und die Standorte des Konzerns zu erwirtschaften.

Damit wird deutlich: Es geht Volkswagen nicht allein darum, kurzfristig Kosten zu reduzieren. Der Konzern versucht gleichzeitig, finanziellen Spielraum für den technologischen Umbau der Automobilindustrie zu schaffen.

Belegschaft steht vor unruhigen Tagen

Die Aussagen kommen unmittelbar vor einer Serie außerordentlicher Betriebsversammlungen.

Den Auftakt soll am Dienstag das Stammwerk Wolfsburg machen. Bis Ende August sind insgesamt neun Betriebsversammlungen vorgesehen. Auch an weiteren deutschen Standorten soll der Vorstand mit den Beschäftigten über die Zukunft des Konzerns sprechen.

Die Wortwahl Blumes dürfte deshalb auch als Vorbereitung der Belegschaft auf weitere Einschnitte verstanden werden.

Konkrete Entscheidungen über Werksschließungen seien allerdings noch nicht getroffen worden.

Volkswagen kämpft um seine künftige Wettbewerbsfähigkeit

Hinter dem Sparkurs steht ein grundsätzliches Problem: Volkswagen muss gleichzeitig bestehende Strukturen finanzieren und Milliarden für neue Fahrzeugplattformen, Software und Elektromobilität aufbringen.

Blume spricht von dem umfassendsten Zukunftsprogramm in der Geschichte des Konzerns. Dabei geht es offenbar nicht nur um einzelne Sparmaßnahmen, sondern um die langfristige Struktur von Volkswagen.

Für die Beschäftigten ist das besonders brisant. Kostensenkungen dieser Größenordnung lassen sich langfristig kaum ausschließlich über kleinere Effizienzmaßnahmen erreichen. Entsprechend aufmerksam dürften die Arbeitnehmer verfolgen, welche konkreten Pläne der Vorstand auf den Betriebsversammlungen präsentiert.

Die entscheidende Frage: Wie tief wird der Umbau?

Blumes Warnung sollte allerdings nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden Zahlungs- oder Existenzkrise verwechselt werden. Der Konzernchef selbst bezeichnet Volkswagen weiterhin als handlungsfähig. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die derzeitige Profitabilität aus Sicht des Managements für die langfristigen Investitionsanforderungen nicht genügt.

Damit beginnt für Volkswagen eine entscheidende Phase: Wie viel kleiner und kostengünstiger muss der Konzern werden, um im internationalen Wettbewerb wieder ausreichend profitabel zu sein – und welche Folgen hat dieser Umbau für Beschäftigte und deutsche Werke?

Die anstehenden Betriebsversammlungen dürften erste Hinweise darauf liefern, wie weit Blume bei der Neuordnung tatsächlich gehen will.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Frühstartrente ab 2027: Verbraucherzentrale warnt vor neuer Verkaufswelle bei der Altersvorsorge für Kinder

Next Post

Flugreisen im Sommer 2026: Diese Rechte haben Passagiere bei Ausfällen und Verspätungen