Der psychische Druck am Arbeitsplatz nimmt in Deutschland weiter zu. Immer mehr Beschäftigte müssen sich wegen akuter Belastungsreaktionen oder Anpassungsstörungen krankschreiben lassen. Das geht aus aktuellen Daten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) hervor.
Demnach entfielen im vergangenen Jahr 119 Krankentage je 100 Versicherte auf Diagnosen wie akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Im Jahr zuvor waren es noch 112 Tage, acht Jahre zuvor sogar mehr als 50 Tage weniger. Die Entwicklung zeigt einen deutlichen langfristigen Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten.
Dritthäufigster Grund für Krankschreibungen
Nach Angaben der KKH gehören akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Nur Atemwegsinfektionen und Rückenschmerzen führen bei Berufstätigen noch häufiger zu Krankschreibungen.
Belastungsreaktionen entstehen häufig nach außergewöhnlich belastenden Ereignissen oder anhaltendem Stress. Anpassungsstörungen können auftreten, wenn Menschen Schwierigkeiten haben, sich an einschneidende Veränderungen oder belastende Lebenssituationen anzupassen. Dazu zählen etwa Konflikte am Arbeitsplatz, hoher Leistungsdruck, familiäre Probleme oder einschneidende persönliche Ereignisse.
Psychische Belastungen nehmen zu
Die KKH sieht in den steigenden Fehlzeiten ein Zeichen dafür, dass psychische Belastungen im Berufsalltag zunehmen. Zeitdruck, Personalmangel, ständige Erreichbarkeit sowie die Unsicherheit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnten dazu beitragen, dass immer mehr Beschäftigte an ihre Belastungsgrenzen gelangen.
Hinzu kommen private Herausforderungen, die sich auf die psychische Gesundheit auswirken können. Berufliche und persönliche Belastungen verstärken sich dabei häufig gegenseitig.
Prävention gewinnt an Bedeutung
Angesichts der Entwicklung fordert die Krankenkasse, psychische Gesundheit stärker in den Mittelpunkt der betrieblichen Gesundheitsförderung zu rücken. Unternehmen seien gefragt, Stressfaktoren frühzeitig zu erkennen, realistische Arbeitsbelastungen zu schaffen und Beschäftigte bei psychischen Problemen besser zu unterstützen.
Experten weisen darauf hin, dass frühe Hilfsangebote, offene Gespräche über psychische Erkrankungen und niedrigschwellige Beratungsangebote dazu beitragen können, längere Krankheitsverläufe zu vermeiden.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass psychische Erkrankungen längst kein Randthema mehr sind. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem der wichtigsten Gesundheits- und Arbeitsmarktprobleme in Deutschland.