Verbraucher sollten derzeit besonders vorsichtig sein, wenn sie nach Verlusten beim Online-Trading von einer angeblichen Kanzlei namens „Legistone Limited“ kontaktiert werden. Nach Einschätzung von Experten handelt es sich um einen sogenannten Recovery-Scam – eine Betrugsmasche, bei der bereits geschädigten Anlegern die Rückholung verlorener Gelder versprochen wird. Tatsächlich sollen die Betroffenen zu weiteren Zahlungen bewegt werden.
Im Mittelpunkt stehen mehrere Internetseiten mit ähnlich klingenden Domainnamen, darunter varxelin.legitone.cc, xalveronaliq.leegistonee.cc und quentavexor.legistooun.cc. Bereits die ungewöhnlichen und leicht verfremdeten Domainnamen gelten als erstes Warnsignal. Sie sollen offenbar Seriosität vortäuschen, obwohl keine nachvollziehbare Verbindung zu einer tatsächlich existierenden Anwaltskanzlei besteht.
Betrugsmasche richtet sich gezielt an bereits Geschädigte
Bei einem Recovery-Scam sprechen die Täter gezielt Menschen an, die zuvor Opfer eines Anlage- oder Tradingbetrugs geworden sind. Den Betroffenen wird versprochen, verloren geglaubte Gelder mithilfe juristischer Maßnahmen, internationaler Ermittlungen oder technischer Analysen – etwa von Blockchain-Transaktionen – zurückzuholen.
Nach den vorliegenden Informationen dienen diese Versprechen jedoch vor allem dazu, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und weitere Gebühren oder angebliche Bearbeitungskosten zu verlangen. Eine tatsächliche Rückholung der investierten Gelder findet in der Regel nicht statt.
Zweifel an der Existenz des Unternehmens
Eine Überprüfung der Angaben wirft erhebliche Zweifel an der Seriosität des Anbieters auf.
Die genannten Internetseiten wurden erst im Juni beziehungsweise Juli 2026 registriert. Für ein Unternehmen, das sich als erfahrene internationale Kanzlei präsentiert, ist eine derart kurze Online-Präsenz ungewöhnlich.
Hinzu kommt, dass sich im britischen Unternehmensregister keine entsprechende Gesellschaft mit dem Namen Legistone Limited finden lässt. Auch die angegebenen Standorte in London und Manchester konnten nach den vorliegenden Informationen nicht als tatsächliche Geschäftssitze bestätigt werden.
Diese Umstände sprechen dafür, dass es sich um eine frei erfundene Unternehmensidentität handelt.
Professioneller Auftritt soll Vertrauen schaffen
Die Internetseiten vermitteln auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck. Es wird mit juristischer Expertise, internationalen Kooperationen und modernen Ermittlungsverfahren geworben. Begriffe wie Blockchain-Analyse, digitale Spurensicherung oder internationale Zusammenarbeit sollen Professionalität vermitteln.
Nach den geschilderten Erfahrungen vieler Betroffener folgt jedoch häufig ein anderes Muster: Nach einer ersten Zahlung verlangen die Betreiber weitere Gebühren, beispielsweise für angebliche Steuern, Gerichtskosten oder behördliche Freigaben. Immer neue Forderungen verzögern die versprochene Auszahlung, die letztlich ausbleibt.
Zahlungen laufen über reale Bankkonten
Für die Durchführung solcher Betrugsmodelle werden regelmäßig reale Bankkonten genutzt. Diese werden entweder direkt von den Tätern kontrolliert oder über Dritte zur Verfügung gestellt.
Gerade diese Zahlungswege spielen bei der späteren strafrechtlichen und zivilrechtlichen Aufarbeitung eine wichtige Rolle. Ermittlungsbehörden versuchen regelmäßig, die Empfänger der Überweisungen zu identifizieren und Zahlungsströme nachzuvollziehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können daraus auch zivilrechtliche Ansprüche gegen Kontoinhaber oder andere Beteiligte entstehen.
Vorsicht auch bei angeblichen Teilrückzahlungen
Besonders tückisch ist eine weitere Vorgehensweise, die bei Recovery-Scams immer wieder beobachtet wird. In einzelnen Fällen erhalten Geschädigte zunächst kleinere Geldbeträge zurück, um Vertrauen aufzubauen und sie zu weiteren Zahlungen zu bewegen.
Anschließend werden jedoch erneut Gebühren oder zusätzliche Kosten verlangt, sodass der finanzielle Schaden weiter wächst. Experten raten deshalb dazu, auch scheinbar erfolgreiche Rückzahlungen kritisch zu hinterfragen und sich nicht zu weiteren Überweisungen verleiten zu lassen.
Betroffene sollten schnell handeln
Wer Kontakt zu den genannten Internetseiten hatte oder bereits Zahlungen geleistet hat, sollte keine weiteren Überweisungen veranlassen.
Empfohlen wird, sämtliche Zahlungsbelege, Kontoauszüge, E-Mails, Chatverläufe und sonstige Kommunikationsdaten zu sichern. Darüber hinaus sollte der Vorfall möglichst zeitnah bei der Polizei angezeigt werden. Je früher Zahlungsströme nachvollzogen werden können, desto größer sind unter Umständen die Chancen, weitere Schäden zu begrenzen oder Vermögenswerte zu sichern.
Typische Warnzeichen eines Recovery-Scams
Der Fall zeigt zahlreiche Merkmale, die für diese Form des Internetbetrugs typisch sind. Dazu gehören neu registrierte Internetseiten, nicht überprüfbare Unternehmensangaben, angebliche internationale Ermittlungen, hohe Erfolgsversprechen sowie immer neue Gebührenforderungen vor einer angeblichen Auszahlung.
Verbraucherschützer und Ermittlungsbehörden raten grundsätzlich zu besonderer Vorsicht, wenn nach einem bereits erlittenen Anlagebetrug unerwartet Hilfe bei der Rückholung verlorener Gelder angeboten wird. Seriöse Rechtsanwälte oder Behörden verlangen in der Regel keine fortlaufenden Zahlungen unter dem Versprechen einer unmittelbar bevorstehenden Rückerstattung. Wer Zweifel an der Echtheit eines solchen Angebots hat, sollte dessen Angaben sorgfältig überprüfen und sich gegebenenfalls unabhängig beraten lassen.