Vor 80 Jahren erreichten die ersten CARE-Pakete das vom Zweiten Weltkrieg schwer gezeichnete Österreich. Was für viele heute als historisches Symbol internationaler Hilfe gilt, war damals für Hunderttausende Menschen eine überlebenswichtige Unterstützung. Die Lebensmittel- und Hilfspakete halfen nicht nur gegen Hunger und Armut, sondern wurden für viele Familien zu einem Zeichen der Hoffnung in einer Zeit voller Not und Unsicherheit.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 lag Österreich wirtschaftlich und infrastrukturell am Boden. Bombardierungen hatten Städte und Wohnhäuser zerstört, zahlreiche Menschen waren obdachlos, Lebensmittel waren kaum verfügbar und Krankheiten breiteten sich aus. Besonders in den großen Städten herrschte eine dramatische Versorgungslage. Zeitzeugen berichten von Hunger, Kälte und einer Zukunft ohne Perspektive. Sogar Hungertote wurden damals dokumentiert.
Angesichts dieser katastrophalen Lage appellierte der damalige Staatskanzler Karl Renner an die alliierten Siegermächte, Österreich mit dringend benötigten Lebensmitteln zu versorgen. In den Vereinigten Staaten löste die Not in Europa eine beeindruckende Welle der Solidarität aus. Zahlreiche private Hilfsinitiativen sammelten Spenden, die schließlich in der neu gegründeten Hilfsorganisation CARE gebündelt wurden. Am 27. November 1945 entstand offiziell die Organisation „Cooperative for American Remittances to Europe“, kurz CARE.
Am 19. Juli 1946 trafen die ersten zehn CARE-Pakete in Wien ein. Sie waren ein persönliches Geschenk des damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman an Österreich und wurden von Bundespräsident Karl Renner entgegengenommen. Die Pakete enthielten dringend benötigte Lebensmittel wie Reis, Mehl, Zucker, Kaffee, Fleisch- und Gemüsekonserven, Trockenmilch, Eipulver, Margarine und Dörrobst. Später kamen auch Kleidung, Decken, Schulmaterialien und Werkzeuge hinzu. Ursprünglich waren die Pakete so zusammengestellt, dass sie einen amerikanischen Soldaten zehn Tage lang versorgen konnten.
Bis 1955 wurden rund eine Million CARE-Pakete nach Österreich geliefert. Nach Angaben der Hilfsorganisation erhielt durchschnittlich jeder siebte Österreicher Unterstützung durch diese Hilfsaktion. Die Bedeutung dieser Hilfe ging weit über den materiellen Wert hinaus. Historiker sprechen von einem entscheidenden Beitrag zum Wiederaufbau des Landes und zur Stabilisierung der Gesellschaft. Aus Dankbarkeit nominierte die österreichische Bundesregierung CARE bereits 1949 für den Friedensnobelpreis.
Besonders bewegend sind die Erinnerungen von Zeitzeugen. Die heute 86-jährige Herta Schindl, die als sudetendeutsches Flüchtlingskind nach Österreich kam, erinnert sich noch genau an das erste CARE-Paket ihrer Pflegefamilie. Die Freude und Erleichterung seien so groß gewesen, dass ihre Pflegeeltern beim Öffnen des Pakets in Tränen ausbrachen. Viele der enthaltenen Lebensmittel hatte sie zuvor noch nie gesehen. Für ihre Familie bedeutete die Lieferung weit mehr als nur Nahrung – sie war ein Zeichen dafür, dass Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks ihr Schicksal nicht vergessen hatten.
Auch heute engagiert sich CARE weltweit in Krisengebieten. Die Hilfspakete haben sich allerdings verändert. Statt Lebensmittel stehen inzwischen Hilfsgüter wie Planen, Wasseraufbereitungsmittel, Hygieneartikel oder Solarleuchten im Mittelpunkt. In vielen Regionen unterstützt die Organisation die Menschen zudem mit finanziellen Hilfen, damit sie Lebensmittel direkt vor Ort kaufen und gleichzeitig die lokale Wirtschaft stärken können.
Acht Jahrzehnte nach den ersten CARE-Paketen bleibt ihre Geschichte ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie internationale Solidarität Leben retten und Hoffnung schenken kann. Sie erinnert daran, dass humanitäre Hilfe nicht nur den unmittelbaren Bedarf lindert, sondern Menschen auch Zuversicht und die Kraft gibt, nach schweren Krisen wieder nach vorne zu blicken.