Die Rückkehr des Wolfs bleibt in Sachsen ein emotional und politisch umstrittenes Thema. Im ersten Halbjahr 2026 haben Wölfe nach Angaben der Fachstelle Wolf des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie fast 200 Schafe angegriffen. Insgesamt wurden 168 Tiere getötet, 18 weitere verletzt und zehn Schafe gelten als vermisst. Für viele Schafhalter bedeuten die Angriffe nicht nur wirtschaftliche Verluste, sondern auch eine erhebliche psychische Belastung.
Vor dem Hintergrund gelockerter gesetzlicher Regelungen zum Wolfsmanagement hoffen viele Weidetierhalter nun auf schnellere Möglichkeiten, Problemwölfe zu entnehmen.
Knapp 200 betroffene Tiere innerhalb von sechs Monaten
Nach den aktuellen Zahlen summieren sich die Schäden im ersten Halbjahr auf insgesamt 196 betroffene Schafe.
Davon:
- 168 Tiere wurden getötet,
- 18 verletzt,
- 10 gelten als vermisst.
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren in Sachsen 431 Schafe durch bestätigte Wolfsrisse ums Leben gekommen. Die aktuellen Zahlen zeigen zwar noch keinen neuen Jahresrekord, verdeutlichen aber, dass Wolfsangriffe weiterhin ein großes Problem für viele Weidetierhalter darstellen.
Schafhalter berichten von wachsendem Frust
Der Sächsische Schaf- und Ziegenzuchtverband spricht von einer zunehmend angespannten Stimmung unter den Tierhaltern.
Besonders belastend seien Wolfsangriffe kurz vor der sogenannten Ablammung, also unmittelbar vor der Geburt der Jungtiere. Wird in dieser Phase eine tragende Mutter getötet oder schwer verletzt, sterben häufig auch die ungeborenen Lämmer.
Für die Halter bedeutet dies nicht nur den Verlust mehrerer Tiere auf einmal, sondern oftmals auch den Ausfall künftiger Nachzucht und erhebliche wirtschaftliche Einbußen.
Hinzu kommt die psychische Belastung, wenn Tierhalter ihre Herden nach einem Wolfsangriff schwer verletzt oder verendet vorfinden.
Viele kleine Betriebe betroffen
Nach Angaben des Verbandes gibt es in Sachsen mehr als 450 Schafhalter.
Die überwiegende Mehrheit bewirtschaftet kleinere Herden und betreibt die Schafhaltung häufig im Nebenerwerb oder als Teil der Landschaftspflege.
Gerade kleinere Betriebe verfügen oftmals nur über begrenzte finanzielle und personelle Möglichkeiten, aufwendige Herdenschutzmaßnahmen umzusetzen oder beschädigte Zäune ständig zu kontrollieren.
Herdenschutz bleibt Voraussetzung
Obwohl die rechtlichen Möglichkeiten zum Abschuss einzelner Wölfe inzwischen erweitert wurden, bleibt der Herdenschutz weiterhin eine zentrale Voraussetzung.
Ein Wolf darf nur dann rechtssicher entnommen werden, wenn mehrere Bedingungen erfüllt sind:
- Ein Nutztier muss nachweislich von einem Wolf gerissen oder verletzt worden sein.
- Der Wolf muss vorhandene Herdenschutzmaßnahmen überwunden haben.
- Der Vorfall wird von der Fachstelle Wolf begutachtet und bestätigt.
Erst danach kann eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss eines sogenannten Problemwolfs erteilt werden.
Neue Rechtslage nach EU-Entscheidung
Die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich in diesem Jahr deutlich verändert.
Nachdem die Europäische Union den Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ abgesenkt hatte, schufen Bundestag und Bundesrat im Frühjahr die Voraussetzungen für ein vereinfachtes Wolfsmanagement.
Sachsen reagierte darauf mit einer Anpassung seiner Herdenschutzregelungen.
Ziel ist es, Problemwölfe nach bestätigten Nutztierrissen schneller entnehmen zu können, ohne dabei gegen europäisches oder nationales Naturschutzrecht zu verstoßen.
Konflikt zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung
Die Rückkehr des Wolfs sorgt seit Jahren für kontroverse Diskussionen.
Naturschutzverbände verweisen darauf, dass der Wolf ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems sei und nach seiner fast vollständigen Ausrottung in Deutschland wieder dauerhaft heimisch geworden ist.
Landwirte und Weidetierhalter hingegen fordern wirksamere Schutzmaßnahmen und schnellere Eingriffe bei auffälligen Tieren. Sie argumentieren, dass wiederholte Wolfsangriffe nicht nur wirtschaftliche Schäden verursachen, sondern auch die Zukunft der Weidetierhaltung gefährden könnten.
Insbesondere Schafhalter übernehmen eine wichtige Rolle bei der Landschaftspflege und dem Erhalt artenreicher Wiesen und Deiche.
Fazit
Die Zahl der Wolfsrisse bleibt in Sachsen auf hohem Niveau. Bereits im ersten Halbjahr 2026 wurden nahezu 200 Schafe getötet, verletzt oder vermisst. Besonders kleinere Schafhalter sehen sich dadurch erheblichen wirtschaftlichen und emotionalen Belastungen ausgesetzt.
Mit den neuen gesetzlichen Regelungen sollen Problemwölfe künftig schneller entnommen werden können. Gleichzeitig bleibt der Herdenschutz weiterhin die zentrale Voraussetzung für entsprechende Maßnahmen. Der Konflikt zwischen dem Schutz einer streng überwachten Wildtierart und den Interessen der Weidetierhalter dürfte Sachsen daher auch in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.