Der Jahresabschluss 2024 der Windpark Würzburg GmbH & Co. KG vermittelt auf den ersten Blick ein sehr solides Bild. Die Gesellschaft hat ihre Verbindlichkeiten nahezu vollständig abgebaut, das Eigenkapital deutlich gestärkt und verfügt weiterhin über eine komfortable Vermögenslage. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass ein erheblicher Teil des Vermögens inzwischen aus Forderungen gegenüber den Gesellschaftern besteht. Aus Investorensicht ist das der wichtigste Punkt der Bilanz.
Eigenkapital steigt kräftig
Positiv hervorzuheben ist zunächst die Entwicklung des Eigenkapitals. Es erhöhte sich innerhalb eines Jahres von 2,78 Millionen Euro auf 3,47 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 690.000 Euro beziehungsweise knapp 25 Prozent.
Mit einer Eigenkapitalquote von rund 91 Prozent (Vorjahr: etwa 71 Prozent) verfügt die Gesellschaft über eine außergewöhnlich starke Kapitalbasis. Für einen Windparkbetreiber ist das ein hervorragender Wert und bedeutet, dass das Unternehmen kaum noch von Fremdkapital abhängig ist.
Verbindlichkeiten nahezu vollständig abgebaut
Besonders beeindruckend ist der Schuldenabbau. Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von 773.446 Euro auf lediglich 22.354 Euro zurück.
Damit reduzierte die Gesellschaft ihre Schulden um mehr als 97 Prozent. Gleichzeitig bestehen keine durch Stromerlöse besicherten Darlehen mehr. Im Vorjahr waren noch rund 761.000 Euro entsprechend abgesichert.
Aus Sicht eines Investors verbessert dies die finanzielle Stabilität erheblich. Sinkende Zinskosten und eine größere unternehmerische Flexibilität sind die Folge.
Anlagevermögen nimmt deutlich ab
Das Anlagevermögen verringerte sich von 970.000 Euro auf 349.000 Euro.
Dieser Rückgang von rund 64 Prozent dürfte überwiegend auf planmäßige Abschreibungen der Windenergieanlagen zurückzuführen sein. Im Anhang wird bestätigt, dass weiterhin nach der linearen Abschreibungsmethode bilanziert wird.
Da gleichzeitig keine größeren Investitionen ausgewiesen werden, nähert sich der bestehende Windpark bilanziell seinem Ende der Nutzungsdauer. Hinweise auf Ersatzinvestitionen oder Repowering-Projekte enthält der Abschluss nicht.
Forderungen gegenüber Gesellschaftern steigen stark
Der auffälligste Bilanzposten befindet sich auf der Aktivseite.
Die Forderungen gegenüber Gesellschaftern stiegen innerhalb eines Jahres von 1,69 Millionen Euro auf 2,54 Millionen Euro.
Damit entfallen inzwischen rund zwei Drittel der gesamten Bilanzsumme auf Forderungen gegen die eigenen Gesellschafter beziehungsweise verbundene Unternehmen.
Im Anhang wird erläutert, dass es sich um Verrechnungskonten handelt.
Bilanztechnisch sind diese Forderungen zwar Vermögen der Gesellschaft. Für Investoren stellt sich jedoch die Frage, wie schnell diese Mittel tatsächlich verfügbar wären und ob sie langfristig im Unternehmen verbleiben oder wieder zurückgeführt werden.
Je höher dieser Anteil ausfällt, desto geringer ist die unmittelbar verfügbare Liquidität.
Liquidität bleibt auf gutem Niveau
Die Bankguthaben gingen leicht von 803.000 Euro auf 686.000 Euro zurück.
Angesichts der praktisch nicht mehr vorhandenen Finanzverbindlichkeiten stellt dies jedoch weiterhin eine komfortable Liquiditätsausstattung dar.
Zusammen mit den Forderungen verfügt die Gesellschaft über ein Umlaufvermögen von knapp 3,47 Millionen Euro.
Rückstellungen leicht rückläufig
Die Rückstellungen sanken moderat von 341.814 Euro auf 324.042 Euro.
Hierunter dürften insbesondere Verpflichtungen für Rückbau, Wartung oder sonstige betriebliche Risiken fallen. Auffällige Veränderungen ergeben sich daraus nicht.
Laufende Verpflichtungen überschaubar
Neben den bilanzierten Verpflichtungen bestehen lediglich variable Pachtverträge bis 2033.
Für das Geschäftsjahr 2024 betrugen die Pachtzahlungen rund 69.700 Euro und bewegen sich damit auf einem überschaubaren Niveau.
Transparenz bleibt eingeschränkt
Wie bereits bei mehreren Windparkgesellschaften dieser Unternehmensgruppe veröffentlicht die Gesellschaft lediglich Bilanz und Anhang.
Eine Gewinn- und Verlustrechnung fehlt aufgrund der Erleichterungen für kleine Personenhandelsgesellschaften.
Damit bleibt unklar,
- wie hoch die Stromerlöse 2024 tatsächlich waren,
- welcher Jahresüberschuss erzielt wurde,
- wie hoch die laufenden Betriebskosten ausfielen.
Gerade für Investoren wäre diese Information für eine vollständige Bewertung der Ertragskraft hilfreich.
Fazit
Die Windpark Würzburg GmbH & Co. KG präsentiert sich bilanziell ausgesprochen stark. Der nahezu vollständige Abbau der Verbindlichkeiten und die sehr hohe Eigenkapitalquote sprechen für eine äußerst solide Finanzierung. Die Gesellschaft verfügt praktisch über keine Bankschulden mehr und weist eine komfortable Vermögensstruktur auf.
Der größte Kritikpunkt ist allerdings die hohe Konzentration des Vermögens auf Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern. Zwar handelt es sich bilanziell um werthaltige Vermögenswerte, aus Investorensicht binden sie jedoch erhebliche Mittel außerhalb des operativen Geschäfts. Zudem verhindert die fehlende Gewinn- und Verlustrechnung eine vollständige Einschätzung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
Investoreneinschätzung: 9,0 von 10 Punkten
Die Bilanz zählt zu den stärkeren Windpark-Abschlüssen der bislang betrachteten Gesellschaften. Fast keine Schulden, eine außergewöhnlich hohe Eigenkapitalquote und stabile Liquidität überzeugen. Punktabzug gibt es lediglich für die hohe Gesellschafterforderung sowie die eingeschränkte Transparenz bei den Erträgen.