WhatsApp steht vor einer der größten Veränderungen seit Jahren. Künftig sollen Nutzer den Messenger nicht mehr ausschließlich über ihre Mobilfunknummer identifizieren, sondern zusätzlich einen frei wählbaren Benutzernamen verwenden können. Seit Juli 2026 können erste Benutzernamen reserviert werden. Ziel der Neuerung ist es, die Privatsphäre der Nutzer zu stärken. Gleichzeitig warnen IT- und Sicherheitsexperten vor neuen Betrugsmaschen, die mit der Einführung einhergehen könnten.
Telefonnummer muss nicht mehr immer preisgegeben werden
Bislang war die Telefonnummer das zentrale Identitätsmerkmal bei WhatsApp. Wer mit einer Person chatten wollte, benötigte in der Regel deren Mobilnummer. Gerade bei Kontakten über Online-Marktplätze, soziale Netzwerke, Vereine oder berufliche Plattformen bedeutete dies häufig, dass persönliche Kontaktdaten an unbekannte Personen weitergegeben werden mussten.
Mit einem Benutzernamen könnte sich das künftig ändern. Nutzer können miteinander kommunizieren, ohne ihre Telefonnummer unmittelbar offenzulegen. Für viele Verbraucher ist das ein deutlicher Gewinn an Privatsphäre.
Sensible Daten besser schützen
Datenschutzexperten begrüßen den Schritt grundsätzlich. Telefonnummern gehören zu den sensiblen personenbezogenen Daten und werden häufig für unerwünschte Werbung, Phishing-Angriffe oder Betrugsversuche missbraucht.
Zudem sind Mobilfunknummern oftmals mit zahlreichen weiteren Diensten verknüpft – von Online-Banking über Zwei-Faktor-Authentifizierungen bis hin zu sozialen Netzwerken. Je seltener diese Daten öffentlich werden, desto geringer ist das Missbrauchsrisiko.
Benutzernamen schaffen neue Angriffsflächen
Doch die neue Funktion bringt auch Risiken mit sich. Ähnlich wie bei E-Mail-Adressen oder Nutzernamen in sozialen Netzwerken könnten begehrte Bezeichnungen schnell vergeben sein.
Cyberkriminelle könnten versuchen, Benutzernamen bekannter Unternehmen, Marken, Behörden oder prominenter Persönlichkeiten frühzeitig zu registrieren. Ziel wäre es, sich gegenüber Nutzern als seriöser Ansprechpartner auszugeben.
Ein Benutzername wie „Sparkasse-Service“, „Support_Amazon“ oder „Polizei_Info“ könnte auf den ersten Blick vertrauenswürdig wirken – tatsächlich muss sich dahinter jedoch keineswegs die echte Organisation verbergen.
Täuschend echte Profile möglich
Besonders im Bereich des sogenannten Social Engineering eröffnet die neue Funktion zusätzliche Möglichkeiten. Betrüger könnten bekannte Namen mit offiziellen Logos oder täuschend echten Profilbildern kombinieren und so versuchen, Vertrauen aufzubauen.
Mögliche Szenarien sind:
- angebliche Nachrichten von Banken oder Paketdiensten,
- gefälschte Kundenservice-Konten,
- vermeintliche Gewinnbenachrichtigungen,
- Zahlungsaufforderungen,
- oder Nachrichten im Namen von Freunden und Familienmitgliedern.
Ein seriös klingender Benutzername allein ist daher künftig kein Beleg für die Echtheit eines Kontos.
Gefahr durch Name-Squatting
Experten sehen außerdem das Risiko des sogenannten Name-Squattings. Dabei registrieren Nutzer frühzeitig besonders attraktive oder bekannte Benutzernamen, ohne diese selbst dauerhaft nutzen zu wollen.
Anschließend könnten sie versuchen,
- die Namen teuer weiterzuverkaufen,
- Unternehmen zur Zahlung zu bewegen,
- oder die Bekanntheit der Bezeichnung für Betrugsversuche auszunutzen.
Ein ähnliches Phänomen ist bereits seit vielen Jahren bei Internet-Domains und Nutzernamen in sozialen Netzwerken bekannt.
Unternehmen sollten früh handeln
Für Unternehmen, Selbstständige, Vereine und Personen des öffentlichen Lebens empfiehlt es sich deshalb, den eigenen Benutzernamen möglichst frühzeitig zu sichern. Dadurch lässt sich verhindern, dass Dritte unter einem identischen oder leicht abgewandelten Namen auftreten.
Auch Markeninhaber dürften künftig verstärkt darauf achten, ihre Unternehmensbezeichnungen auf WhatsApp zu schützen.
Datenschutzeinstellungen überprüfen
Mit Einführung der Benutzernamen sollten Nutzer zudem ihre Privatsphäre-Einstellungen überprüfen. Empfehlenswert ist insbesondere ein Blick auf folgende Punkte:
- Wer darf das Profilbild sehen?
- Wer kann Statusmeldungen einsehen?
- Wer darf den Nutzer zu Gruppen hinzufügen?
- Ist die Telefonnummer weiterhin für alle Kontakte sichtbar?
- Welche Informationen lassen sich über den Benutzernamen öffentlich abrufen?
Je weniger persönliche Daten öffentlich zugänglich sind, desto schwieriger wird es für Betrüger, glaubwürdige Fake-Profile aufzubauen.
Vorsicht bleibt wichtig
Auch nach Einführung der Benutzernamen gilt: Unbekannte Kontakte sollten niemals allein aufgrund eines vertraut klingenden Namens oder eines professionell wirkenden Profils als authentisch angesehen werden.
Wer zu Zahlungen aufgefordert wird, persönliche Daten preisgeben soll oder ungewöhnliche Nachrichten erhält, sollte die Identität des Absenders stets über einen zweiten Kommunikationsweg überprüfen.
Fazit
Die Einführung von Benutzernamen stellt einen wichtigen Schritt für den Datenschutz bei WhatsApp dar. Nutzer erhalten künftig mehr Kontrolle darüber, wann und gegenüber wem sie ihre Mobilfunknummer offenlegen.
Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen im Kampf gegen Identitätsmissbrauch und Online-Betrug. Ein vertrauenswürdig wirkender Benutzername ersetzt keine sorgfältige Prüfung der Identität eines Kontakts. Verbraucher, Unternehmen und Organisationen sollten die neue Funktion deshalb frühzeitig nutzen, ihre Benutzernamen sichern und weiterhin wachsam gegenüber unbekannten Nachrichten bleiben.
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