Erneuerbare Energien gelten für viele Privatanleger als langfristig attraktive Investition. Der jetzt veröffentlichte Jahresabschluss der Windpark Erftstadt GmbH & Co. KG zeigt jedoch, dass selbst bei etablierten Infrastrukturprojekten Anlaufverluste und Finanzierungsrisiken zum Geschäftsmodell gehören. Für Anleger bietet der Bericht sowohl positive Signale als auch Punkte, die genau beobachtet werden sollten.
Windpark erst seit März 2025 am Netz
Ein wesentlicher Grund für das negative Jahresergebnis liegt im verspäteten Start des Windparks. Die acht Windenergieanlagen gingen erst im März 2025 in Betrieb. Dadurch blieb die Stromproduktion mit 36,9 Gigawattstunden deutlich hinter der ursprünglichen Planung von 56,2 Gigawattstunden zurück. Auch die Gesamtleistung fiel rund 35 Prozent geringer aus als erwartet.
Die Folge war ein Jahresfehlbetrag von rund 602.000 Euro, obwohl bereits Umsatzerlöse aus der Stromeinspeisung von rund 3,7 Millionen Euro erzielt wurden.
Hohe Investitionen – hohe Verschuldung
Mit einem Anlagevermögen von mehr als 45,5 Millionen Euro verfügt die Gesellschaft inzwischen über einen fertig errichteten Windpark. Finanziert wurde dieser jedoch überwiegend durch langfristige Bankdarlehen.
Zum Bilanzstichtag beliefen sich die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten auf rund 37,2 Millionen Euro. Dem steht eine Eigenkapitalquote von lediglich 17 Prozent gegenüber. Zwar ist eine hohe Fremdfinanzierung bei Windparkprojekten nicht ungewöhnlich, sie erhöht jedoch die Abhängigkeit von stabilen Stromerträgen und einer dauerhaft planmäßigen Tilgung.
Bürger beteiligen sich mit Nachrangdarlehen
Besonders interessant ist der Bericht für Privatanleger. Rund 170 Bürger stellten der Gesellschaft im Jahr 2025 insgesamt zwei Millionen Euro in Form qualifizierter Nachrangdarlehen zur Verfügung. Die erste Zinszahlung soll nach Angaben des Unternehmens Anfang 2026 erfolgen.
Gerade Nachrangdarlehen verdienen jedoch besondere Aufmerksamkeit. Im Insolvenzfall werden deren Inhaber erst nach den übrigen Gläubigern berücksichtigt. Das bedeutet, dass Anleger im Extremfall einen erheblichen Teil ihres investierten Kapitals verlieren können. Dieses Risiko besteht unabhängig davon, ob das Projekt langfristig wirtschaftlich erfolgreich ist.
Positive Perspektiven durch garantierte EEG-Vergütung
Auf der anderen Seite verfügt das Projekt über einen wesentlichen Stabilitätsfaktor. Die Vergütung des eingespeisten Stroms erfolgt nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dadurch bestehen für einen Zeitraum von 20 Jahren gesetzlich abgesicherte Einnahmen, wodurch das Risiko stark schwankender Strompreise erheblich reduziert wird.
Für 2026 erwartet die Gesellschaft eine Stromproduktion von 57,6 Gigawattstunden und wieder einen positiven Jahresüberschuss von rund 82.000 Euro. Grundlage dieser Prognose ist der nun vollständige Betrieb aller Windenergieanlagen.
Wo Anleger genau hinschauen sollten
Aus Anlegersicht ergeben sich dennoch einige Punkte, die künftig genau beobachtet werden sollten.
Der wirtschaftliche Erfolg hängt wesentlich davon ab,
- ob die prognostizierten Winderträge tatsächlich erreicht werden,
- ob die technische Verfügbarkeit der Anlagen dauerhaft hoch bleibt,
- wie sich die Finanzierungskosten entwickeln,
- und ob die geplanten Überschüsse künftig tatsächlich erzielt werden.
Der Lagebericht nennt selbst wechselnde Windverhältnisse als größtes unternehmerisches Risiko. Auch technische Ausfälle können sich unmittelbar auf die Stromproduktion und damit auf die Einnahmen auswirken.
Positiv: uneingeschränkter Bestätigungsvermerk
Ein wichtiger Vertrauensfaktor ist der uneingeschränkte Bestätigungsvermerk der Abschlussprüfer. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Jahresabschluss und Lagebericht den gesetzlichen Vorschriften entsprechen und ein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermitteln. Beanstandungen wurden nicht erhoben.
Fazit
Der Jahresabschluss zeigt ein typisches Bild eines großen Infrastrukturprojekts in der Anlaufphase. Die verspätete Inbetriebnahme führte zwar zu einem deutlichen Jahresverlust, gleichzeitig verfügt die Gesellschaft nun über einen fertig errichteten Windpark mit langfristig gesicherten Einspeisevergütungen nach dem EEG.
Für Anleger bleibt das Investment dennoch nicht risikolos. Die hohe Fremdfinanzierung, die Nachrangstellung der Bürgerdarlehen und die Abhängigkeit von Windaufkommen und technischer Verfügbarkeit machen deutlich, dass auch Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien unternehmerischen Risiken unterliegen. Entscheidend wird sein, ob die Gesellschaft ihre Prognosen für die kommenden Jahre erfüllt und die erwarteten positiven Cashflows nachhaltig erwirtschaften kann.