Es gibt torlose Unentschieden, bei denen man sich nach 90 Minuten fragt, warum man überhaupt eingeschaltet hat.
Und dann gibt es dieses 0:0.
Nein, Tore gab es keine. Langweilig war es trotzdem nicht. Denn Kolumbien zeigte über weite Strecken genau den Fußball, den man sich bei einer Weltmeisterschaft wünscht: mutig, offensiv und mit der klaren Absicht, das Spiel zu gewinnen. Dass am Ende dennoch kein Treffer auf der Anzeigetafel stand, lag nicht an fehlenden Chancen – sondern an fehlender Konsequenz.
Die Cafeteros hätten dieses Spiel schon vor der Pause entscheiden können. Chance um Chance wurde herausgespielt, Portugal kam kaum hinterher und wirkte ungewohnt passiv. Als der Ball schließlich im Netz lag, jubelte ganz Kolumbien – allerdings nur für wenige Sekunden. Der Treffer wurde wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung aberkannt. Eine jener Entscheidungen, bei denen der VAR zwar regeltechnisch richtig liegt, aber jeder Fußballromantiker leise seufzt.
Dennoch änderte das nichts an der Kräfteverteilung auf dem Platz.
Kolumbien war die klar bessere Mannschaft. Die Südamerikaner kombinierten gefällig, pressten früh und ließen Portugal kaum zur Entfaltung kommen. Einzig die Chancenverwertung blieb das große Manko. Wer so fahrlässig mit seinen Möglichkeiten umgeht, macht sich das Leben in einer K.-o.-Runde unnötig schwer.
Portugal dagegen wird sich fragen müssen, wo die Leichtigkeit geblieben ist.
Natürlich reichte der Punkt zum zweiten Platz, doch spielerisch war das über weite Strecken zu wenig. Die Seleção wirkte erstaunlich ideenlos, im Mittelfeld fehlte der Rhythmus und im Angriff die Durchschlagskraft. Wirklich gefährlich wurde es nur selten.
Und dann ist da natürlich noch Cristiano Ronaldo.
Der Superstar sollte bei seiner vielleicht letzten Weltmeisterschaft eigentlich den Unterschied machen. Stattdessen tauchte CR7 erneut über weite Strecken ab. Schon gegen die Demokratische Republik Kongo blieb er blass, gegen Kolumbien setzte sich dieser Eindruck fort. Ja, seine bloße Präsenz bindet Gegenspieler. Aber irgendwann muss auch der größte Name des Weltfußballs wieder Spiele prägen – und nicht nur auf dem Mannschaftsfoto stehen.
Für Kolumbien ist das Remis dagegen ein Erfolg. Der Gruppensieg geht vollkommen verdient an die Südamerikaner. Wer in einer so ausgeglichenen Gruppe derart dominant auftritt, hat sich Platz eins redlich verdient. Jetzt wartet Ghana – ein unangenehmer Gegner, aber einer, gegen den Kolumbien mit dieser Spielweise durchaus als Favorit gelten darf.
Portugal bekommt es dagegen mit Kroatien zu tun. Und wenn Luka Modrić und seine Mitspieler die Leistung gegen Ghana bestätigen, wird die Seleção deutlich mehr zeigen müssen als an diesem Abend.
Manchmal sagt ein 0:0 mehr aus als ein spektakuläres 4:3.
Dieses Spiel hat gezeigt, wer aktuell Fußball spielt – und wer vor allem versucht, keine Fehler zu machen. Kolumbien belohnte sich mit dem Gruppensieg. Portugal muss hoffen, dass der Schalter in der K.-o.-Phase noch rechtzeitig umgelegt wird.