Neun Punkte aus drei Spielen. Drei Siege. Gruppensieger. Auftrag erfüllt.
Argentinien hat die Gruppenphase ohne Makel beendet und mit dem 3:1 gegen Jordanien einmal mehr gezeigt, warum die Albiceleste zu den ganz heißen Anwärtern auf den WM-Titel zählt. Es war kein Abend für große Dramen – zumindest nicht bis kurz nach der Pause.
Denn zunächst lief alles nach Drehbuch.
Argentinien dominierte Ball und Gegner, kontrollierte das Tempo und ließ Jordanien kaum zur Entfaltung kommen. Die Südamerikaner spielten mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die genau weiß, wann sie beschleunigen und wann sie den Ball einfach laufen lassen muss. Zur Halbzeit schien die Partie bereits entschieden.
Doch Weltmeisterschaften wären langweilig, wenn sie immer nach Drehbuch verliefen.
Mit dem Anschlusstreffer von Al Tamari keimte plötzlich Hoffnung auf jordanischer Seite auf. Für einige Minuten wurde aus einem kontrollierten Spaziergang ein richtiges Fußballspiel. Jordanien warf alles nach vorne, kämpfte um jeden Ball und zwang Argentinien tatsächlich dazu, noch einmal konzentriert zu verteidigen.
Dann trat Lionel Messi zum Freistoß an.
Es gibt diese Momente, in denen das Stadion schon vor dem Schuss ahnt, was gleich passiert. Messi legte sich den Ball zurecht, nahm Anlauf – und machte das, was Messi eben seit fast zwei Jahrzehnten macht: Er traf. Präzise, elegant und eiskalt.
Spätestens mit diesem Tor war jede jordanische Hoffnung beendet.
Es war einmal mehr der Unterschied zwischen einer guten Mannschaft und einer großen Mannschaft. Während Jordanien kurz Morgenluft witterte, antwortete Argentinien nicht mit Hektik, sondern mit Weltklasse.
Messi selbst muss bei diesem Turnier bislang gar nicht jedes Spiel im Alleingang entscheiden. Genau das macht Argentinien so gefährlich. Die Mannschaft wirkt ausgeglichener als bei vielen früheren Turnieren. Es gibt Struktur, Tempo und genügend Qualität auf nahezu jeder Position. Und wenn doch einmal ein besonderer Moment gebraucht wird, steht da immer noch die Nummer zehn.
Jordanien verabschiedet sich trotz der Niederlage nicht ohne Applaus. Die Mannschaft zeigte Moral, steckte nie auf und brachte den Favoriten zumindest für kurze Zeit ins Wanken. Mehr war gegen diese Argentinier an diesem Abend allerdings kaum möglich.
Für die Albiceleste beginnt die Weltmeisterschaft jetzt erst richtig. Die Gruppenphase wurde souverän gemeistert, größere Schwächephasen waren kaum zu erkennen. Doch jeder weiß: Die K.-o.-Runde verzeiht keine Fehler mehr.
Eines hat Argentinien dennoch eindrucksvoll bewiesen: Wer Weltmeister werden will, muss nicht jedes Spiel spektakulär gewinnen. Man muss zur richtigen Zeit die Kontrolle übernehmen – und einen Lionel Messi haben, der mit einem einzigen Freistoß jede Diskussion beendet.