Wo war dieses Belgien eigentlich in den ersten beiden Gruppenspielen?
Diese Frage dürfte sich nicht nur Nationaltrainer Domenico Tedesco gestellt haben. Denn was die Roten Teufel gegen Neuseeland auf den Platz zauberten, hatte mit den vorherigen Auftritten nur noch wenig gemeinsam. Plötzlich stimmten Tempo, Spielfreude und Effizienz. Und plötzlich war Belgien wieder jene Mannschaft, die viele Experten vor dem Turnier auf der Rechnung hatten.
Das 5:1 war nicht einfach nur ein Sieg – es war eine Ansage.
Leandro Trossard eröffnete den Torreigen und spielte anschließend einen seiner besten Auftritte im Nationaltrikot. Kevin De Bruyne zog im Mittelfeld wie gewohnt die Fäden und belohnte sich endlich auch mit einem eigenen Treffer. Und als Romelu Lukaku und Alexis Saelemaekers von der Bank kamen, machten sie genau das, was man sich von hochklassigen Jokern wünscht: Sie entschieden das Spiel endgültig.
Plötzlich wirkte Belgien wieder wie eine Mannschaft mit echtem Titelpotenzial.
Fast noch erstaunlicher als die eigene Leistung war allerdings der Blick auf die Tabelle. Während Belgien seine Hausaufgaben eindrucksvoll erledigte, spielten sich Ägypten und der Iran gegenseitig die Punkte weg. Das Remis im Parallelspiel machte aus dem sicheren Achtelfinalisten plötzlich sogar den Gruppensieger. Manchmal muss man im Fußball eben nicht nur gewinnen – manchmal braucht man auch das richtige Ergebnis auf dem Nachbarplatz.
Und Neuseeland?
Die Kiwis verlassen diese Weltmeisterschaft zwar nach der Gruppenphase, aber ganz sicher nicht als Verlierer. Wer vor Turnierbeginn behauptet hätte, dass die Ozeanier in jedem Gruppenspiel treffen und bis zum letzten Spieltag realistische Chancen auf das Weiterkommen besitzen würden, wäre vermutlich belächelt worden.
Doch genau das ist passiert.
Neuseeland hat mutig gespielt, nie aufgegeben und sich gegen deutlich höher eingeschätzte Gegner teuer verkauft. Das Ehrentor gegen Belgien war deshalb mehr als bloße Ergebniskosmetik – es war der verdiente Lohn für ein Turnier, auf das die Mannschaft trotz des Ausscheidens stolz sein kann.
Belgien hingegen dürfte diese Gruppenphase als Weckruf verstanden haben. Die Qualität war immer vorhanden, nur gezeigt wurde sie viel zu selten. Gegen Neuseeland platzte endlich der Knoten.
Ob das der Beginn eines langen WM-Laufs ist? Das wird sich zeigen.
Fest steht: Wer Belgien nach den ersten beiden Spielen bereits abgeschrieben hatte, sollte seine Prognose noch einmal überdenken. Denn wenn De Bruyne, Trossard und Co. dauerhaft dieses Niveau erreichen, wird aus einem Geheimfavoriten ganz schnell wieder ein ernsthafter Titelkandidat.