Es gibt diese Spiele, nach denen beide Mannschaften behaupten können, zufrieden zu sein – und sich trotzdem fragen, ob nicht deutlich mehr möglich gewesen wäre.
Das 1:1 zwischen Ägypten und dem Iran gehört genau in diese Kategorie.
Die Pharaonen erwischten den perfekten Start. Saber brachte seine Mannschaft früh in Führung und ließ die ägyptischen Fans bereits von Platz eins in der Gruppe träumen. Doch diese Hoffnung hielt nicht lange. Der Iran antwortete fast im Gegenzug und zeigte einmal mehr, warum diese Mannschaft in diesem Turnier so schwer zu schlagen ist. Zur Pause war das Remis deshalb nicht nur leistungsgerecht, sondern fast zwangsläufig.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild deutlich.
Ägypten hatte mehr Ballbesitz, bestimmte über weite Strecken das Tempo und kontrollierte das Mittelfeld. Nur eines fehlte: der entscheidende Pass. Die ganz großen Torchancen blieben aus, weil der Iran genau das tat, was er in solchen Situationen hervorragend beherrscht – verteidigen. Kompakt, diszipliniert und mit der Geduld einer Mannschaft, die genau wusste, dass ein Punkt Gold wert sein könnte.
Und dann kam die Schlussphase.
Plötzlich wagte sich der Iran doch noch aus der Deckung. Für einen kurzen Moment glaubte man sogar an den Lucky Punch. Doch der vermeintliche Siegtreffer wurde völlig zurecht wieder einkassiert. Ärgerlich für den Iran, aber regeltechnisch ohne Diskussion.
Während auf dem einen Platz um jeden Meter gekämpft wurde, entschied sich die Gruppenkonstellation einige Hundert Kilometer entfernt. Belgien ließ Neuseeland beim 5:1 keine Chance und schob sich damit noch an beiden Mannschaften vorbei auf Platz eins.
So schnell kann sich ein WM-Abend drehen.
Für Ägypten ist das allerdings kein Drama. Rang zwei bedeutet weiterhin das Ticket für die K.-o.-Runde – und mit Australien wartet nun ein Gegner, der unangenehm, aber keineswegs unbezwingbar ist. Die Nordafrikaner dürfen also weiter vom großen Wurf träumen, müssen offensiv allerdings wieder deutlich zielstrebiger auftreten.
Der Iran hingegen erlebt einen Abend zwischen Hoffnung und Unsicherheit. Drei Punkte reichen zunächst nur zu Rang drei. Ob das für den Einzug als einer der besten Gruppendritten genügt, entscheidet sich erst mit den Ergebnissen der anderen Gruppen. Mehr Nervenkitzel geht kaum.
Vielleicht ist genau das das Schönste an einer Weltmeisterschaft.
Nicht jede Geschichte endet mit Jubel oder Tränen. Manche enden zunächst mit Warten. Für den Iran beginnt jetzt genau diese Phase – zwischen Hoffen, Rechnen und dem ständigen Blick auf die Tabellen der anderen Gruppen.
Und manchmal sind genau diese Stunden nervenaufreibender als jedes Spiel über 90 Minuten.