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KI-Boom als Krisentreiber? Warum GoPro plötzlich um seine Existenz kämpft

Sandra-Gabriel (CC0), Pixabay

Noch vor wenigen Jahren galt GoPro als Synonym für Actionkameras. Ob Extremsportler, Urlauber oder Content Creator – die kleinen Kameras des US-Herstellers waren weltweit gefragt. Doch nun steckt das Unternehmen in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Sinkende Umsätze, hohe Verluste und steigende Produktionskosten setzen den einstigen Marktführer massiv unter Druck. Das Management warnt inzwischen selbst vor erheblichen Risiken für die Zukunft des Unternehmens.

Die aktuellen Geschäftszahlen zeichnen ein alarmierendes Bild. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26 Prozent ein. Gleichzeitig schrumpften die verfügbaren Finanzreserven auf lediglich rund 50 Millionen US-Dollar. Bereits das Geschäftsjahr 2025 verlief enttäuschend. Der Umsatz ging deutlich zurück, während ein Nettoverlust von mehr als 80 Millionen US-Dollar entstand. Für ein Unternehmen der Größe von GoPro ist dies eine erhebliche Belastung.

Besonders bemerkenswert ist die Ursache, die das Unternehmen für einen Teil seiner Probleme nennt. Der weltweite Boom rund um künstliche Intelligenz verändert derzeit die gesamte Halbleiterindustrie. Speicherhersteller konzentrieren ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf besonders profitable Hochleistungsspeicher für KI-Rechenzentren. Dadurch werden klassische Speicherchips für Konsumelektronik knapper und teurer.

GoPro berichtet von Preissteigerungen bei bestimmten Speicherkomponenten von bis zu 115 Prozent. Diese Entwicklung trifft das Unternehmen besonders hart. Anders als große Technologiekonzerne verfügt GoPro nicht über die Marktmacht, langfristige Lieferverträge zu besonders günstigen Konditionen auszuhandeln. Die steigenden Einkaufspreise wirken sich deshalb unmittelbar auf die Gewinnmargen aus.

Allerdings wäre es zu einfach, die Krise ausschließlich auf den KI-Boom zu schieben. Die Probleme von GoPro reichen deutlich weiter zurück. Der Markt für Actionkameras hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Moderne Smartphones bieten immer bessere Kameras, Stabilisierungssysteme und Videoqualität. Viele Verbraucher sehen deshalb keinen zwingenden Bedarf mehr für eine zusätzliche Spezialkamera.

Hinzu kommt, dass GoPro lange Zeit stark von einem einzigen Produktsegment abhängig war. Während andere Technologiekonzerne ihre Geschäftsmodelle diversifizierten, blieb GoPro weitgehend auf Actionkameras fokussiert. Neue Wachstumsfelder konnten bislang nicht in ausreichendem Umfang erschlossen werden.

Auch der Wettbewerb hat sich verschärft. Hersteller aus China bieten inzwischen leistungsfähige Alternativen zu deutlich niedrigeren Preisen an. Gleichzeitig investieren große Elektronikkonzerne verstärkt in Kameratechnologien und Videolösungen. Dadurch gerät GoPro zunehmend zwischen die Fronten eines hart umkämpften Marktes.

Das Management versucht inzwischen gegenzusteuern. Vermögenswerte werden verkauft, um zusätzliche Liquidität zu schaffen. Zudem wurde etwa ein Viertel der Belegschaft entlassen. Gleichzeitig prüft die Unternehmensführung strategische Alternativen, darunter einen möglichen Verkauf des Unternehmens oder einen Zusammenschluss mit anderen Marktteilnehmern.

Darüber hinaus sucht GoPro nach neuen Geschäftsfeldern. Besonders Anwendungen im Regierungsbereich, bei Sicherheitsbehörden oder in der Luftfahrtindustrie gelten als mögliche Zukunftsmärkte. Allerdings sind bislang keine größeren Aufträge bekannt geworden, die kurzfristig für eine nachhaltige Stabilisierung sorgen könnten.

Aus Anlegersicht stellt sich die Situation zwiespältig dar. Positiv ist, dass GoPro weiterhin über eine bekannte Marke, technologische Expertise und eine treue Kundengemeinschaft verfügt. Die Marke besitzt nach wie vor einen hohen Wiedererkennungswert und eine starke Stellung im Actionkamera-Segment.

Gleichzeitig sind die Risiken erheblich. Die anhaltenden Verluste, die sinkenden Umsätze und die begrenzten Finanzreserven erhöhen den Druck auf das Unternehmen. Sollte es nicht gelingen, neue Ertragsquellen zu erschließen oder die Kosten nachhaltig zu senken, könnte die finanzielle Lage weiter eskalieren.

Fazit:

Die Schwierigkeiten von GoPro sind nicht allein die Folge des KI-Booms, sondern das Ergebnis mehrerer struktureller Herausforderungen. Steigende Produktionskosten treffen auf einen schrumpfenden Markt, intensiven Wettbewerb und eine hohe Abhängigkeit vom Kerngeschäft. Die eingeleiteten Sparmaßnahmen verschaffen dem Unternehmen Zeit, lösen aber nicht automatisch die grundlegenden Probleme. Für Anleger bleibt GoPro damit ein Unternehmen mit erheblichem Turnaround-Potenzial, aber zugleich auch mit einem hohen Risiko weiterer Rückschläge.

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