Der Jahresbericht des Fonds „RP Immobilienanlagen & Infrastruktur“ zeigt aus Anlegersicht ein insgesamt solides, defensiv positioniertes Portfolio mit Fokus auf Immobilien- und Infrastrukturinvestments. Trotz des weiterhin schwierigen Marktumfelds im Immobiliensektor konnte der Fonds 2025 eine positive Wertentwicklung von +3,43 % erzielen.
Positiv hervorzuheben: Robuste Struktur und breite Diversifikation
Der Fonds verfolgt einen Multi-Asset-Ansatz mit vier Säulen:
Immobilien
Infrastruktur
Absolute-Return-Strategien
liquide alternative Investments
Dabei liegt der Schwerpunkt weiterhin klar auf indirekten Immobilienanlagen mit einem Anteil von mindestens 51 %. Besonders bemerkenswert ist, dass das Fondsmanagement bewusst problematische Marktsegmente wie Büro- und offene Wohnimmobilienfonds gemieden hat.
Aus Investorensicht spricht dies für ein aktives Risikomanagement und eine vorsichtige Positionierung in einem weiterhin angespannten Immobilienmarkt.
Zusätzlich wirkt die breite Streuung stabilisierend:
Infrastrukturquote: ca. 35 %
Absolute-Return-Bausteine: ca. 18 %
hohe internationale Diversifikation
mehrere ETF- und Zielfonds-Lösungen
Gerade die Infrastrukturinvestments – insbesondere globale Infrastrukturkonzerne und europäische Versorger – profitierten von attraktiven Bewertungen, stabilen Cashflows und sinkenden Zinsen.
Solide Performance trotz schwierigem Umfeld
Die Anteilklasse T entwickelte sich über die letzten Jahre relativ stabil:
Jahr Anteilwert T
2022 99,40 €
2023 101,62 €
2024 106,70 €
2025 110,36 €
Damit zeigt sich ein kontinuierlicher Vermögensaufbau trotz der Immobilienkrise seit 2022.
Besonders positiv:
Der Fonds erwirtschaftete den Großteil seines Ergebnisses nicht durch spekulative Verkäufe, sondern durch Bewertungssteigerungen der gehaltenen Anlagen. Das deutet auf eine nachhaltigere Wertentwicklung hin.
Kritische Punkte aus Anlegersicht
Trotz der positiven Stabilität gibt es mehrere Aspekte, die Anleger kritisch betrachten sollten:
1. Hohe Kostenquote
Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei rund 1,95 %.
Für einen überwiegend aus ETFs und Zielfonds bestehenden Dachfonds ist dies vergleichsweise hoch. Zusätzlich entstehen indirekte Kosten auf Ebene der Zielfonds.
Das schmälert langfristig die Nettorendite deutlich.
2. Begrenztes Wachstumspotenzial
Die Jahresrendite von +3,43 % ist zwar stabil, liegt aber unter klassischen globalen Aktienmärkten oder wachstumsorientierten Infrastrukturstrategien.
Der Fonds eignet sich daher eher für:
konservative Anleger,
Vermögenserhalt,
Diversifikation,
laufende Stabilisierung eines Portfolios.
Weniger geeignet erscheint er für Anleger mit hohem Renditeanspruch.
3. Liquiditäts- und Strukturthema bei Zertifikaten
Rund 20 % des Fondsvermögens entfallen auf zwei strukturierte Zertifikate auf Immobilien-Dachfonds.
Zwar betont das Management die vollständige Besicherung dieser Produkte, dennoch erhöht dies:
die Komplexität,
die Abhängigkeit vom Emittenten,
die Transparenzanforderungen für Anleger.
Für Privatanleger sind solche Strukturen oft schwer nachvollziehbar.
Risikobewertung: Defensiv, aber nicht risikofrei
Positiv ist:
geringe Hebelwirkung,
niedriger VaR,
breite Streuung,
kaum problematische Immobiliensegmente,
stabile Liquidität.
Gleichzeitig bleiben relevante Risiken bestehen:
weitere Schwäche des Immobilienmarktes,
Zinsänderungsrisiken,
Währungsrisiken (USD-Anteil),
mögliche Bewertungsrisiken bei Spezialfonds und Zertifikaten.
Die Risikosteuerung wirkt jedoch professionell und konservativ organisiert.
Fazit für Anleger
Der RP Immobilienanlagen & Infrastruktur präsentiert sich als defensiver Sachwertfonds mit Fokus auf Stabilität statt maximaler Rendite.
Stärken:
breite Diversifikation,
robuste Infrastrukturquote,
vorsichtige Immobilienauswahl,
professionelles Risikomanagement,
stabile Wertentwicklung trotz schwieriger Märkte.
Schwächen:
relativ hohe Kosten,
begrenztes Renditepotenzial,
komplexe Zertifikatsstrukturen,
leichte Mittelabflüsse durch Anleger.
Für sicherheitsorientierte Anleger mit langfristigem Anlagehorizont kann der Fonds eine sinnvolle Beimischung sein – insbesondere zur Diversifikation gegenüber klassischen Aktienportfolios. Für renditeorientierte Investoren dürfte das Chance-Risiko-Verhältnis dagegen eher moderat erscheinen.