Online-Dating galt lange als digitale Revolution der Partnersuche. Millionen Menschen weltweit nutzen Apps und Plattformen, um Beziehungen, Freundschaften oder Affären zu finden. Doch mit der wachsenden Popularität wachsen auch die Probleme:
Fake-Profile, KI-generierte Fotos, sogenannte Catfishing-Betrügereien und emotionale Täuschungen sorgen zunehmend für Misstrauen unter Nutzern. Neue Dating-Start-ups versuchen deshalb nun, mit strengeren Kontrollen und persönlicher Prüfung gegenzusteuern. Eine dieser Plattformen ist der „Geek Meet Club“ aus Großbritannien. Gegründet wurde die Seite von Dennie Smith, einer selbsternannten Militärgeschichts-Enthusiastin aus London. Die Idee entstand laut Bericht während eines Ausflugs mit anderen Geschichtsinteressierten in einem nachgebauten Schützengraben aus dem Ersten Weltkrieg. Dort wurde ihr klar, dass klassische Dating-Apps bestimmte Zielgruppen kaum erreichen — und gleichzeitig immer stärker von Fake-Profilen und Betrügern überschwemmt werden. Smith setzt deshalb auf persönliche Kontrolle. Nach eigenen Angaben lehnt sie monatlich zahlreiche Bewerber ab, um ihre rund 3.300 Mitglieder besser zu schützen. Teilweise seien die Fälschungen offensichtlich gewesen — etwa ein angebliches Profil mit einem Foto des ehemaligen britischen Premierministers Boris Johnson.
Das Konzept ihrer Plattform unterscheidet sich bewusst von klassischen Dating-Apps:
Im Mittelpunkt stehen reale Treffen, gemeinsame Veranstaltungen und persönliche Kontakte statt endloser Chats. Geplant sind unter anderem:
- Quiz-Abende,
- Events,
- Cosplay-Treffen
- und Sci-Fi-Veranstaltungen.
Die Gründerin empfiehlt ihren Mitgliedern ausdrücklich, sich möglichst schnell persönlich zu treffen, um Fake-Profile frühzeitig zu erkennen.
Auch andere Anbieter setzen zunehmend auf Sicherheitsmechanismen. Die Plattform „Cherry Dating“ versucht mithilfe technischer Verifikation gegen Betrug vorzugehen. Nutzer müssen dort Selfies mit Ausweisdokumenten wie Reisepass oder Führerschein abgleichen lassen, um ihre Identität zu bestätigen.
Hintergrund ist die wachsende Zahl sogenannter Catfishing-Fälle. Dabei geben sich Menschen online bewusst als andere Personen aus — häufig mit:
- alten Fotos,
- manipulierten Bildern,
- falschen Angaben
- oder komplett erfundenen Identitäten.
Teilweise gehe es dabei lediglich um Selbstdarstellung. In anderen Fällen stecken jedoch gezielte Betrugsmaschen dahinter, etwa:
- emotionale Manipulation,
- Geldforderungen,
- Identitätsdiebstahl
- oder Romance-Scams.
Besonders problematisch wird die Entwicklung durch künstliche Intelligenz. Laut einer Umfrage des Unternehmens Sumsub gaben 54 Prozent der befragten britischen Dating-App-Nutzer an, KI zu verwenden, um ihre Profile attraktiver erscheinen zu lassen.
Dabei kommen unter anderem:
- KI-generierte Profiltexte,
- verschönerte Bilder,
- automatische Chat-Antworten
- oder komplett künstlich erzeugte Fotos zum Einsatz.
Dating-Coach Jocelyn Penque sieht darin sowohl Chancen als auch Risiken. KI könne Menschen helfen, sich besser auszudrücken. Gleichzeitig warnt sie davor, dass Online-Dating zunehmend von künstlicher Selbstdarstellung geprägt werde.
Ihr Rat:
Persönliche Treffen sollten möglichst früh stattfinden, um herauszufinden, ob die digitale Darstellung tatsächlich der Realität entspricht.
Denn das Misstrauen gegenüber Dating-Plattformen wächst offenbar deutlich. Einer von der Plattform Cherry Dating beauftragten Untersuchung zufolge glauben 47 Prozent der Befragten in Großbritannien, dass keine Dating-App ihre Bedürfnisse wirklich erfüllt. 40 Prozent sagen sogar, Dating-Apps hätten ihre Motivation verringert, überhaupt noch jemanden kennenzulernen.
Die Branche steht damit vor einem grundlegenden Problem:
Je stärker künstliche Intelligenz, Fake-Profile und digitale Manipulationen zunehmen, desto schwieriger wird es für Nutzer, echte Kontakte von inszenierten Identitäten zu unterscheiden.
Viele neue Anbieter setzen deshalb wieder verstärkt auf:
- kleinere Communitys,
- gemeinsame Interessen,
- reale Veranstaltungen
- und strengere Verifizierungsverfahren.
Die Hoffnung dahinter:
Weniger Masse — dafür mehr Vertrauen.