Der Bundestag verschärft die Regeln für Kleinkredite und sogenannte „Buy now, pay later“-Angebote deutlich. Mit dem neuen Gesetz reagiert die Politik auf wachsende Sorgen vor einer zunehmenden Überschuldung vor allem junger Verbraucher. Künftig sollen selbst kleine Ratenkäufe und scheinbar harmlose Sofortfinanzierungen strenger kontrolliert werden.
Hintergrund ist die starke Verbreitung von Zahlungsdiensten wie Klarna oder PayPal, die Online-Käufe mit späterer Zahlung ermöglichen. Was für viele Kunden bequem wirkt, entwickelt sich nach Einschätzung von Verbraucherschützern zunehmend zu einem finanziellen Risiko.
Bislang galten viele Kleinkredite unter 200 Euro oder kurzfristige „Kaufe jetzt, zahle später“-Modelle rechtlich als vergleichsweise unproblematisch. Genau das soll sich nun ändern:
Künftig müssen Anbieter deutlich strengere Kreditwürdigkeitsprüfungen durchführen — selbst bei kleinen Beträgen oder zinsfreien Finanzierungen.
Das neue Gesetz setzt eine EU-Verbraucherkreditrichtlinie um und verpflichtet Kreditanbieter künftig dazu, genauer zu prüfen, ob Verbraucher einen Kredit tatsächlich zurückzahlen können. Kredite sollen nur noch vergeben werden dürfen, wenn eine Rückzahlung als wahrscheinlich gilt.
Besonders wichtig:
Bei diesen Prüfungen dürfen sensible persönliche Daten künftig ausdrücklich nicht verwendet werden. Dazu gehören etwa:
- Gesundheitsdaten,
- Informationen aus sozialen Netzwerken
- oder andere besonders private Angaben.
Die Reform gilt als Reaktion auf eine Entwicklung, die Verbraucherschützer seit Jahren kritisch beobachten:
Viele Menschen verlieren bei mehreren parallelen Ratenkäufen schnell den Überblick über offene Forderungen.
Vor allem junge Verbraucher gelten als besonders gefährdet. Nach Angaben der BaFin hat fast ein Viertel der unter 30-Jährigen beim Online-Shopping mit „Buy now, pay later“-Angeboten bereits einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren.
Das Problem:
Viele kleine Finanzierungen wirken zunächst harmlos. Werden jedoch gleichzeitig mehrere Einkäufe über verschiedene Anbieter finanziert, entsteht schnell eine gefährliche Schuldenkette.
Hinzu kommt:
Die Zinsen bei einigen Ratenzahlungsmodellen sind teilweise extrem hoch. Verbraucherschützer sprechen von Zinssätzen zwischen 10 und 15 Prozent — obwohl die Angebote oft als besonders unkompliziert oder modern vermarktet werden.
Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt deshalb die Reform ausdrücklich. Verbandschefin Ramona Pop erklärte, viele Kleinkredite wirkten auf den ersten Blick harmlos, könnten aber schnell zur Überschuldung führen, wenn Verbraucher den Überblick verlieren.
Neben „Buy now, pay later“-Modellen nimmt das Gesetz auch Dispokredite stärker ins Visier. Banken sollen künftig genauer prüfen müssen, ob Kunden ihren Dispo innerhalb angemessener Zeit zurückführen können.
Kritiker der bisherigen Praxis werfen Zahlungsdienstleistern schon lange vor, Konsum bewusst möglichst einfach und emotional zu gestalten. Mit wenigen Klicks lassen sich heute selbst größere Käufe finanzieren — oft ohne dass Verbraucher das Gefühl haben, überhaupt einen Kredit aufzunehmen.
Genau darin sehen Experten eine der größten Gefahren:
Die psychologische Hemmschwelle für Schulden sinkt zunehmend.
Das neue Gesetz soll deshalb nicht nur den Verbraucherschutz stärken, sondern auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass selbst kleine Online-Finanzierungen echte Kredite mit realen Risiken sind.