Die Zahl sexuell übertragbarer Krankheiten steigt in Europa deutlich an. Besonders bei Gonorrhoe – umgangssprachlich auch Tripper genannt – sowie bei Syphilis verzeichnet die europäische Gesundheitsbehörde ECDC einen massiven Anstieg der Infektionen.
Nach Angaben der Behörde wurden im Jahr 2024 europaweit mehr als 106.000 Gonorrhoe-Fälle registriert. Im Vergleich zu vor zehn Jahren entspricht das einem Anstieg von rund 300 Prozent. Auch bei Syphilis steigen die Zahlen seit Jahren deutlich an: Hier wurden zuletzt rund 45.000 Fälle gemeldet — mehr als doppelt so viele wie noch vor einem Jahrzehnt.
Besonders betroffen sind laut ECDC Männer, die Sex mit Männern haben. Die Behörde warnt jedoch davor, die Entwicklung nur auf einzelne Gruppen zu reduzieren. Sexuell übertragbare Krankheiten könnten grundsätzlich alle Menschen betreffen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben.
Die Experten sehen mehrere Gründe für die steigenden Zahlen:
- nachlassende Nutzung von Kondomen,
- verändertes Sexualverhalten,
- häufig wechselnde Partner,
- Dating-Apps
- sowie unzureichende Tests und Früherkennung.
Hinzu kommt, dass viele Infektionen zunächst kaum Beschwerden verursachen und deshalb oft unbemerkt bleiben. Dadurch können Erkrankte andere Personen unwissentlich anstecken.
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht der Gesundheitsbehörde die Zunahme sogenannter kongenitaler Syphilis-Fälle. Dabei übertragen infizierte Mütter die Krankheit während der Schwangerschaft oder Geburt auf ihre Babys. Zwar bewegen sich die Fallzahlen insgesamt weiterhin auf niedrigem Niveau, dennoch betrachten Experten diese Entwicklung als Warnsignal.
Die ECDC ruft deshalb verstärkt zu Prävention und Schutzmaßnahmen auf. Ein Sprecher der Behörde formulierte die Botschaft ungewöhnlich direkt:
„Verwendet Kondome.“
Kondome gelten weiterhin als einer der wirksamsten Schutzmechanismen gegen viele sexuell übertragbare Infektionen. Gleichzeitig empfehlen Fachleute:
- regelmäßige Tests,
- offene Kommunikation mit Partnern
- und frühzeitige medizinische Behandlung.
Denn unbehandelte Infektionen wie Syphilis oder Gonorrhoe können schwere gesundheitliche Folgen haben. Dazu gehören unter anderem:
- chronische Entzündungen,
- Unfruchtbarkeit,
- Nervenschäden
- oder Organschäden.
Zusätzliche Sorge bereitet Medizinern die zunehmende Antibiotikaresistenz bei Gonorrhoe-Erregern. Einige Varianten des Tripper-Erregers sprechen bereits schlechter auf bestimmte Medikamente an, was die Behandlung schwieriger machen könnte.
Die aktuellen Zahlen zeigen nach Einschätzung vieler Experten, dass sexuell übertragbare Krankheiten in Europa längst wieder zu einem größeren öffentlichen Gesundheitsthema geworden sind.