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Vom Glow-up zur Gefahr: Wie #looksmaxxing Jugendliche in toxische Online-Welten zieht

Engin_Akyurt (CC0), Pixabay

Ein paar Klicks auf Fitness-Tipps, Hautpflege oder „Glow-up“-Videos – und plötzlich dominiert ein Hashtag den Feed: #looksmaxxing. Was auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube zunächst wie harmlose Selbstoptimierung wirkt, kann schnell eine ganz andere Richtung nehmen. Experten warnen: Hinter dem Trend verbirgt sich teilweise ein ideologisches System, das bis in radikale Online-Subkulturen reicht.

Was steckt hinter „Looksmaxxing“?

Der Begriff „Looksmaxxing“ steht für die Maximierung des eigenen Aussehens – also alles, was dabei helfen soll, attraktiver zu wirken. Dazu gehören Hautpflege, Fitness oder Styling. In dieser Form ist daran nichts problematisch. Kritisch wird es jedoch, wenn der Trend mit extremen Schönheitsidealen und ideologischen Inhalten verknüpft wird.

Seinen Ursprung hat der Begriff nicht in der klassischen Beauty- oder Fitnessszene, sondern in der sogenannten Incel-Community. „Incel“ steht für „involuntary celibate“, also Männer, die nach eigener Darstellung unfreiwillig keinen Sex haben. In diesen Kreisen wird Attraktivität oft anhand rigider, selbst definierter Bewertungssysteme gemessen – mit teils entmenschlichenden Konsequenzen.

Verbindung zur „Manosphere“

Viele dieser Inhalte sind Teil der sogenannten „Manosphere“, einem losen Netzwerk antifeministischer Online-Communities. Ein prominentes Gesicht dieser Szene ist Andrew Tate, der mit frauenfeindlichen Aussagen international für Kritik sorgte und von Plattformen teilweise gesperrt wurde.

Forschende sehen in „Looksmaxxing“ dabei eine Art Einstiegsdroge: Ein zunächst harmloser Content-Bereich, der Nutzer schrittweise mit radikaleren Inhalten konfrontiert. Der Übergang ist oft fließend – und wird durch Algorithmen verstärkt.

Wenn Selbstoptimierung zur Selbstgefährdung wird

Während viele Videos bei Fitness- oder Pflegetipps bleiben, zeigen andere eine gefährliche Eskalation. Extreme Formen des Looksmaxxing propagieren Methoden, die medizinisch höchst bedenklich sind.

Ein Beispiel: das sogenannte „Bonesmashing“, bei dem Nutzer versuchen, durch gezielte Schläge auf das Gesicht die Knochenstruktur zu verändern. Mediziner warnen vor schweren Verletzungen und dauerhaften Deformationen. Auch vermeintlich harmlosere Trends wie „Mewing“ – eine spezielle Zungen- und Kieferhaltung – können laut Experten Zahnschäden verursachen.

In besonders drastischen Fällen berichten Influencer sogar von Steroidkonsum, Drogenmissbrauch oder Selbstverletzung im Namen der Selbstoptimierung. Die Grenze zwischen Körperpflege und Selbstzerstörung verschwimmt.

Psychische Risiken und Ideologie

Neben körperlichen Gefahren sind es vor allem die psychischen Folgen, die Experten Sorgen bereiten. In Teilen der Szene wird eine sogenannte „Blackpill“-Ideologie verbreitet – die Überzeugung, dass das eigene Aussehen das gesamte Lebensglück bestimmt und unveränderbar ist.

Die Folge: Selbstzweifel, sozialer Rückzug, bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken. Besonders problematisch ist dabei die Verbindung von Schönheitsdruck mit frauenfeindlichen Weltbildern, die Schuld für persönliche Probleme pauschal Frauen zuschreiben.

Wie erkennt man toxische Inhalte?

Nicht jeder Fitness- oder Beauty-Content ist problematisch. Entscheidend ist der Kontext. Warnsignale können sein:

  • Extreme oder unrealistische Schönheitsideale
  • Abwertende Sprache gegenüber bestimmten Gruppen
  • Inhalte, die Selbsthass oder Hoffnungslosigkeit fördern
  • Aufrufe zu riskanten oder schädlichen Methoden
  • Kombination von Hashtags wie #looksmaxxing mit frauenfeindlichen oder radikalen Begriffen

Studien zeigen zudem, wie schnell Algorithmen Nutzer tiefer in solche Inhalte führen können. Schon nach kurzer Zeit kann sich der Anteil problematischer Inhalte im Feed deutlich erhöhen.

Zwischen Selbstfürsorge und Radikalisierung

Der Trend zeigt, wie schmal der Grat zwischen gesunder Selbstoptimierung und gefährlicher Ideologie sein kann. Während viele Nutzer einfach besser aussehen oder sich wohler fühlen wollen, nutzen radikale Gruppen genau diesen Wunsch als Einstiegspunkt.

Für Eltern, Pädagogen und Nutzer selbst gilt daher: genau hinschauen, Inhalte hinterfragen und sich bewusst machen, wie schnell sich digitale Trends in problematische Richtungen entwickeln können.

Denn nicht jeder Glow-up ist harmlos – manche führen tiefer in eine Welt, die weit mehr verändert als nur das äußere Erscheinungsbild.

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