Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein gemischtes Bild. Positiv fällt zunächst das kräftige Wachstum des Fondsvermögens auf: Es stieg von rund 299,9 Mio. EUR auf 496,3 Mio. EUR. Der Hauptgrund war jedoch nicht die Performance, sondern ein sehr hoher Netto-Mittelzufluss von 198,4 Mio. EUR. Das spricht für Anlegervertrauen und gute Platzierungskraft, relativiert aber die operative Wertentwicklung.
Die Rendite blieb im Berichtsjahr eher enttäuschend. Die Anteilklassen erzielten nur +1,38 % bei P, +1,77 % bei I und +0,78 % bei R. Besonders im Vergleich zu einem aktienlastigen Portfolio mit rund 69,8 % Aktienquote erscheint diese Entwicklung schwach. Die höhere Kostenbelastung der Anteilklasse R ist dabei deutlich sichtbar: Sie hat mit 1,55 % Gesamtkostenquote die höchsten laufenden Kosten und zugleich die niedrigste Wertentwicklung. Die institutionelle Anteilklasse I ist mit 0,59 % Kostenquote klar günstiger und erzielte auch die beste Performance.
Strategisch wurde der Fonds offensiver ausgerichtet. Die Aktienquote stieg von 59,8 % auf 69,8 %, während Anleihen von 28,7 % auf 24,1 % reduziert wurden. Gleichzeitig sank die Liquiditätsquote. Das Portfolio ist konzentriert und enthält viele Qualitäts- und Large-Cap-Titel wie Microsoft, Allianz, Siemens, ASML, SAP, LVMH, Amazon und Visa. Auffällig ist jedoch die hohe US-Gewichtung innerhalb der Aktienanlagen mit knapp 25 % des Fondsvermögens, obwohl der Fonds seinen Schwerpunkt eigentlich in Europa sieht.
Die Ertragsseite wirkt solide: Dividenden, Zinsen und realisierte Gewinne führten zu einem positiven realisierten Ergebnis von 16,3 Mio. EUR. Belastend war jedoch das nicht realisierte Ergebnis von rund -10,0 Mio. EUR, sodass das Jahresergebnis insgesamt nur 6,3 Mio. EUR betrug. Das zeigt: Ein Teil der Portfolioverluste ist noch nicht realisiert, bleibt aber als Bewertungsrisiko im Fonds.
Risikoseitig sollten Anleger beachten, dass der Fonds trotz Anleiheanteil kein defensives Produkt ist. Die hohe Aktienquote, das konzentrierte Portfolio, Fremdwährungspositionen in USD und CHF sowie der Einsatz von Derivaten erhöhen die Schwankungsanfälligkeit. Die Derivatepositionen sind zwar mit 0,09 % des Fondsvermögens bilanziell klein, das zugrunde liegende Exposure von rund 32,2 Mio. EUR ist aber relevant.
Die Ausschüttungen sind für einkommensorientierte Anleger interessant: Die Anteilklasse P schüttet 2,75 EUR je Anteil, die I-Klasse 27,50 EUR je Anteil und die R-Klasse 1,90 EUR je Anteil aus. Allerdings stammen Teile der Ausschüttung rechnerisch auch aus dem Sondervermögen, was Anleger nicht mit einer rein erwirtschafteten laufenden Rendite verwechseln sollten.
Insgesamt präsentiert sich der HVB Select Alpha als aktiv gemanagter Mischfonds mit deutlichem Aktienfokus, hoher Anlegernachfrage und solider Qualitätsausrichtung. Die schwache Performance 2025 im Verhältnis zur Aktienquote ist jedoch ein Warnsignal. Für Anleger ist vor allem die Wahl der Anteilklasse entscheidend: Die institutionelle Klasse I ist kosten- und renditeseitig am attraktivsten, während die R-Klasse wegen hoher Kosten deutlich kritischer zu bewerten ist.