Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 beim LBBW Rohstoffe 2 LS ein gemischtes Bild: Der Fonds hat im Berichtsjahr zwar eine positive Wertentwicklung erzielt, erfüllt aber das, was viele Anleger unter einem „Rohstofffonds“ erwarten würden, nur eingeschränkt.
Der erste wichtige Punkt ist genau dieser: Der Fondsname suggeriert Rohstoffexposure, das Portfolio war zum 31.12.2025 aber überwiegend ein kurzlaufendes Rentenportfolio. Rund 85,8 % des Fondsvermögens steckten in Anleihen, nur 1,18 % waren als Derivateposition direkt in Rohstoffswaps investiert. Hinzu kamen 12,16 % Bankguthaben. Praktisch bedeutet das: Der Fonds war 2025 weniger ein offensiver Rohstofffonds als vielmehr ein defensiv strukturiertes Anleiheportfolio mit ergänzender Rohstoffkomponente. Für Anleger ist das nicht zwingend schlecht, aber es ist wichtig für die Erwartungshaltung.
Die Rendite war positiv, aber nicht besonders hoch.
Die institutionelle Anteilklasse I erzielte +3,03 %, die Retail-Klasse R +2,56 % nach BVI-Methode. Der Unterschied erklärt sich vor allem durch die höheren laufenden Kosten der R-Klasse. In einem Jahr, in dem Rohstoffe phasenweise deutlich bewegter waren, wirkt diese Rendite eher defensiv als chancenorientiert. Wer gezielt starke Rohstoffpartizipation gesucht hat, dürfte eher enttäuscht sein. Wer dagegen Stabilität und geringe Schwankung schätzt, kann das Ergebnis als ordentlich einstufen.
Positiv hervorzuheben ist die hohe Qualität des Rentenportfolios.
Der Bestand besteht schwerpunktmäßig aus Covered Bonds, Staatsanleihen und Senior Financial Bonds, also Segmenten mit vergleichsweise guter Bonität. 71,5 % des Rentenvermögens hatten ein Aaa-Rating, weitere 11,1 % ein AA-Rating und 17,4 % ein A-Rating. Zudem lagen 97,3 % der Laufzeiten unter drei Jahren. Das reduziert Zinsänderungsrisiken deutlich. Entsprechend niedrig fielen auch die ausgewiesenen Risikokennzahlen für Adressenausfallrisiko, Liquiditätsrisiko und Zinsrisiko aus. Für vorsichtige Anleger ist das ein klarer Pluspunkt.
Das eigentliche Hauptrisiko lag 2025 im Rohstoffsegment selbst.
Das ausgewiesene Rohstoffkursrisiko wurde mit einem VaR von 3,54 % als hoch eingestuft. Das ist bemerkenswert, weil der sichtbare Rohstoffbestand in der Vermögensaufstellung klein erscheint. Der Grund liegt im Derivateeinsatz: Das zugrunde liegende Exposure aus Derivaten betrug 2,58 Mio. Euro, also mehr als das gesamte Fondsvermögen, und der durchschnittliche Leverage lag bei 218,62 %. Das heißt: Auch wenn der Fonds bilanziell defensiv aussieht, kann über Swaps ein deutlich höheres wirtschaftliches Exposure entstehen. Für Anleger ist das ein zentraler Punkt: Die Struktur ist konservativer als ein reiner Rohstofffonds, aber derivativ komplexer als ein klassischer Kurzläufer-Rentenfonds.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Ertragsqualität.
Das realisierte Ergebnis war in beiden Anteilklassen negativ. Positiv war das Jahresergebnis nur, weil es erhebliche nicht realisierte Gewinne bzw. Bewertungsänderungen gab. Das ist nicht ungewöhnlich, zeigt aber, dass der Ertrag 2025 nicht primär aus stabil vereinnahmten laufenden Überschüssen kam. Noch wichtiger: Die Ausschüttungen wurden teilweise durch Zuführung aus dem Sondervermögen ermöglicht. Das bedeutet vereinfacht, dass nicht allein erwirtschaftete laufende Erträge ausgeschüttet wurden, sondern teilweise Substanz herangezogen wurde. Für ausschüttungsorientierte Anleger ist das kein ideales Signal.
Die Kosten sprechen klar für die I-Klasse und gegen die R-Klasse.
Die Gesamtkostenquote betrug bei der I-Klasse 1,05 %, bei der R-Klasse 1,52 %. Für ein Produkt mit eher moderater Jahresrendite ist das spürbar. Gerade in der R-Klasse zehren die Kosten einen erheblichen Teil des Bruttoertrags auf. Hinzu kommt, dass bei der R-Klasse ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % vorgesehen ist. Für Privatanleger ist das ein echter Nachteil, sofern kein rabattierter Erwerb möglich ist.
Auch die Mittelbewegungen verdienen Beachtung.
Während die I-Klasse 2025 deutliche Nettozuflüsse verzeichnete, gab es in der R-Klasse erhebliche Nettoabflüsse. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, etwa Anlegerverhalten, Vertriebsstruktur oder die Attraktivität der Anteilklasse. Es zeigt aber: Besonders im Publikumssegment war die Nachfrage 2025 schwach.
Positiv ist dagegen die Diversifikation im Anleiheportfolio.
Der Fonds hielt zum Jahresende 21 Rententitel, der größte Einzeltitel machte nur 5,1 % des Fondsvermögens aus. Die 10 größten Rentenpositionen kamen zusammen auf 50,2 %. Das ist konzentriert, aber nicht problematisch. Die regionale Verteilung mit Schwerpunkt auf Deutschland und den Niederlanden sowie weiteren Positionen in Kanada, Belgien, Neuseeland, Dänemark, Spanien und Österreich wirkt solide und nachvollziehbar.
Mein Fazit aus Anlegersicht:
Der Fonds ist kein klassischer Rohstofffonds mit hoher direkter Partizipation an Rohstoffpreissteigerungen, sondern eher ein defensiver Multi-Asset-Baustein, der Rohstoffexposure über Derivate mit einem hochwertigen, kurzlaufenden Anleiheportfolio kombiniert. Das kann für Anleger sinnvoll sein, die Diversifikation, geringe Ausfallrisiken und moderate Schwankungen suchen. Für Anleger, die mit dem Fonds gezielt auf Rohstoffhausse, Inflationsschutz oder kräftige Rohstofftrends setzen wollen, ist die Konstruktion dagegen wohl zu defensiv und zu indirekt.
Geeignet erscheint der Fonds daher eher für Anleger, die
Rohstoffe nur als Beimischung wollen,
ein eher defensives Risikoprofil haben,
und die Funktionsweise derivativer Strategien akzeptieren.
Weniger geeignet ist er für Anleger, die
eine klare, transparente Rohstoffquote erwarten,
starke Partizipation an Öl-, Metall- oder Energiepreisen suchen,
oder auf niedrige Kosten achten, insbesondere in der R-Klasse.
Unterm Strich ist der Fonds solide gemanagt und risikoseitig ordentlich kontrolliert, aber inhaltlich erklärungsbedürftig: Der Name weckt mehr Rohstofffantasie, als das Portfolio tatsächlich liefert. Für Bestandsanleger ist das Produkt eher ein stabiler Spezialbaustein, für Neuanleger nur dann attraktiv, wenn genau diese defensive Konstruktion gewünscht ist.