Aus Anlegersicht macht der Jahresbericht des HI-Basisfonds EUR Staatsanleihen 1–10 insgesamt einen soliden, konservativen und transparent aufgebauten Eindruck. Der Fonds wurde erst am 30.06.2025 aufgelegt und weist für das kurze Rumpfgeschäftsjahr bis 30.11.2025 bereits ein beachtliches Volumen von 135,6 Mio. Euro aus. Das spricht für eine gute Anfangsakzeptanz am Markt und verbessert tendenziell die operative Stabilität des Produkts.
Der Fonds verfolgt eine klar verständliche Strategie: investiert wird schwerpunktmäßig in EUR-denominierte Staatsanleihen der Eurozone, ergänzt um staatsnahe Emittenten, Gebietskörperschaften und supranationale Schuldner. Damit richtet sich das Produkt eindeutig an Anleger, die Kapitalerhalt, laufende Zinserträge und vergleichsweise geringe Kreditrisiken suchen, nicht aber an Investoren mit hoher Renditeerwartung oder Aktienmarkt-Ambition.
Positiv fällt die breite Diversifikation auf. Zwar liegt der Schwerpunkt auf öffentlichen Anleihen, doch ist das Portfolio über viele Emittentenländer verteilt: unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Niederlande, Österreich, Portugal, Irland sowie EU-Anleihen. Dadurch wird das Ausfallrisiko einzelner Schuldner begrenzt. Gleichzeitig ist der Fonds nicht ausschließlich auf Kernstaaten fokussiert, sondern nutzt bewusst auch Renditechancen aus Peripherieländern wie Italien, Spanien oder Portugal. Das verbessert die Verzinsung, erhöht aber moderat das Spread-Risiko.
Die Portfoliostruktur wirkt zum Stichtag gut ausbalanciert. Rund 94,97 % des Vermögens sind in Anleihen investiert, nur gut 5 % liegen in Liquidität und Geldmarkt. Die durchschnittliche Restlaufzeit von 4,90 Jahren positioniert den Fonds im klassischen mittleren Laufzeitenband und passt zum Produktnamen „1–10“. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds ist zwar weniger zinssensitiv als ein Langläuferfonds, reagiert aber dennoch spürbar auf Zinsbewegungen. Die ausgewiesene durchschnittliche Rendite von 2,57 % bei einem durchschnittlichen Kupon von 2,18 % ist für einen Euro-Staatsanleihefonds ordentlich und zeigt, dass das Fondsmanagement das höhere Zinsniveau des Marktumfelds nutzen konnte.
Die Wertentwicklung der beiden Anteilklassen im kurzen Berichtszeitraum ist mit +0,81 % (I) bzw. +0,85 % (X) positiv, aber naturgemäß unspektakulär. Genau das ist bei einem defensiven Staatsanleihefonds allerdings eher als Bestätigung des Konzepts zu sehen als als Schwäche. Der Fonds soll nicht durch starke Kursgewinne glänzen, sondern ein stabiler Baustein in einem konservativen oder gemischten Portfolio sein. Dass bereits im ersten kurzen Geschäftsjahr eine positive Performance erzielt wurde, ist insofern ein gutes Signal.
Besonders attraktiv ist die Kostenstruktur, vor allem in der X-Anteilklasse. Die Gesamtkostenquote liegt bei nur 0,06 %, bei der I-Klasse bei 0,14 %. Das ist im Marktvergleich für aktiv gemanagte Rentenfonds sehr niedrig. Für Anleger ist das ein klarer Pluspunkt, denn bei Anleihefonds mit moderaten Bruttorenditen sind Kosten ein zentraler Renditetreiber. Die X-Klasse ist daher aus ökonomischer Sicht deutlich interessanter, sofern sie verfügbar ist und keine vertrieblichen Einschränkungen bestehen. Die I-Klasse hat zudem einen Ausgabeaufschlag von 1 % und eine Mindestanlagesumme von 100.000 Euro, während die X-Klasse laut Bericht keinen Ausgabeaufschlag und keine Mindestanlagesumme hat.
Erfreulich ist auch, dass der Fonds ausschüttend ist. Die Gesamtausschüttung belief sich auf 0,28 Euro je Anteil in der I-Klasse und 0,30 Euro je Anteil in der X-Klasse. Für Anleger, die regelmäßige Erträge bevorzugen, ist das attraktiv. Es zeigt zugleich, dass der Fonds nicht nur auf Buchgewinne setzt, sondern laufende Zinserträge effektiv an die Investoren weitergibt.
Auf der Risikoseite ist vor allem das Zinsänderungsrisiko der zentrale Punkt. Steigende Marktzinsen würden auf die Kurse der im Fonds gehaltenen Anleihen drücken. Mit knapp fünf Jahren Durchschnittslaufzeit ist der Fonds hier nicht extrem, aber durchaus merklich exponiert. Hinzu kommt ein gewisses Bonitäts- und Spread-Risiko, weil der Fonds nicht nur Bundesanleihen hält, sondern auch Titel aus Ländern mit höheren Risikoaufschlägen wie Italien oder Spanien. Diese Positionierung ist aus Renditesicht sinnvoll, kann aber in Stressphasen zu stärkeren Schwankungen führen als ein reiner Kernstaatenfonds.
Auffällig ist zudem, dass der Fonds keine nachhaltigen Merkmale im Sinne von Artikel 8 oder 9 SFDR fördert und auch die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren derzeit nicht berücksichtigt. Für rein rendite- und risikoorientierte Anleger ist das kein zwingender Nachteil. Für Investoren mit ESG-Fokus ist es jedoch ein klarer Minuspunkt.
Ein weiterer Punkt aus Anlegersicht: Der Fonds ist noch sehr jung. Ein halbes Jahr Historie reicht nicht aus, um die Qualität des Managements über unterschiedliche Marktphasen belastbar zu beurteilen. Die bisherige Entwicklung ist ordentlich, aber noch kein Langfristnachweis. Wer investiert, setzt damit auch auf das Vertrauen, dass das Management den defensiven Charakter und die Kostenführerschaft künftig beibehält.
Fazit:
Der HI-Basisfonds EUR Staatsanleihen 1–10 ist aus Anlegersicht ein überzeugender defensiver Rentenfonds für Investoren, die im Euroraum bleiben möchten und einen soliden, breit gestreuten Staatsanleihebaustein mit niedrigen Kosten suchen. Die Startphase war gelungen: positives Ergebnis, ordentliche Portfoliorendite, gutes Fondsvolumen und sehr günstige laufende Kosten. Der Fonds eignet sich vor allem für sicherheitsorientierte Anleger, für die Vermögensstabilität, Ausschüttungen und planbare Zinseinnahmen wichtiger sind als hohe Kurschancen. Weniger passend ist er für Anleger, die starke Wertsteigerungen, ESG-Fokus oder eine lange Performancehistorie erwarten.