Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des All Stars 10×10 ein gemischtes Bild. Positiv ist zunächst, dass der Fonds klar aktienorientiert und global ausgerichtet ist, mit einem nachvollziehbaren Konzept: Zehn Strategien mit jeweils zehn Titeln sollen ein breit diversifiziertes Portfolio mit Fokus auf Zukunftsthemen ergeben. Tatsächlich ist das Portfolio mit rund 95,5 % in Aktien fast vollständig offensiv investiert. Ergänzt wird es nur durch kleine Positionen in Anleihen und Zertifikaten. Das passt zu einem Fonds für Anleger, die langfristig auf Aktienmärkte setzen und kurzfristige Schwankungen aushalten können.
Die Portfolioqualität wirkt auf den ersten Blick ordentlich. Im Bestand finden sich viele starke, international bekannte Qualitätsunternehmen wie Alphabet, Amazon, Apple, Microsoft, NVIDIA, Costco, Berkshire Hathaway, ASML, Nestlé oder Roche. Gleichzeitig ist der Fonds nicht nur auf US-Tech konzentriert, sondern auch in Japan, Europa, Taiwan und anderen Märkten investiert. Dennoch bleibt der USA-Anteil mit 55,1 % sehr hoch. Das bedeutet: Der Fonds profitiert stark von der Dominanz des US-Marktes, ist aber auch entsprechend anfällig, wenn gerade US-Wachstumswerte oder der Dollar unter Druck geraten.
Die Wertentwicklung fällt dagegen eher enttäuschend aus, gemessen daran, dass das Börsenjahr laut Bericht insgesamt positiv war und insbesondere KI-nahe Technologiewerte stark liefen. Die Anteilklassen R (+1,13 %), I (+2,22 %), G (+1,73 %), VAG (+1,48 %) und OL1 (+1,03 %) lagen nur knapp im Plus. Für einen Fonds mit fast voller Aktienquote ist das eher schwach. Der Fonds war also zwar grundsätzlich in den richtigen Zukunftsthemen investiert, konnte die Marktdynamik aber nur begrenzt in Anlegerertrag umsetzen.
Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die starke Entwicklung einzelner Gewinner offenbar durch deutliche Verluste anderer Positionen weitgehend aufgezehrt wurde. Die größten Gewinner waren Broadcom (+126,3 %), Amphenol (+76,5 %) und Alphabet (+72,8 %). Auf der Gegenseite standen aber Ørsted (-65,1 %), Novo Nordisk (-58,2 %) und Bunzl (-42,3 %). Das zeigt: Die Einzeltitelauswahl hatte zwar Treffer, aber auch erhebliche Fehlgriffe. Für Anleger ist das ein Hinweis, dass die Strategie nicht einfach nur „den Markt“ abbildet, sondern echte aktive Risiken eingeht.
Auffällig ist außerdem, dass das ordentliche Nettoergebnis des Gesamtfonds negativ war. Die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen reichten nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Der Fonds erzielte seine positiven Beiträge vor allem durch realisierte Gewinne aus Verkäufen, während die nicht realisierten Wertveränderungen deutlich negativ ausfielen. Das ist aus Investorensicht wichtig: Die Ertragskraft des Portfolios im laufenden Betrieb wirkt nicht besonders stark; der Fonds war im Berichtsjahr stärker auf Kursgewinne und Umschichtungen angewiesen als auf stabile innere Erträge.
Bei den Kosten ist das Bild differenziert. Die institutionelle Klasse I ist mit einer Gesamtkostenquote von 0,82 % noch recht vernünftig. Die privaten Anteilklassen sind aber deutlich teurer: R 1,91 %, G 1,31 %, OL1 1,75 %, VAG 1,71 %. Dazu kommt teils ein Ausgabeaufschlag von 5 %. Gerade wenn die Jahresrendite nur bei rund 1–2 % liegt, wirken solche Kosten aus Anlegersicht schwer. Für Privatanleger ist das ein klarer Nachteil: Ein spürbarer Teil der Bruttorendite wird durch Gebühren aufgezehrt.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Mittelentwicklung. Das Fondsvermögen sank von 92,6 Mio. EUR auf 81,2 Mio. EUR, wobei es zu deutlichen Nettoabflüssen kam. Besonders die große Anteilklasse I verzeichnete hohe Rücknahmen. Das muss nicht zwingend ein Qualitätsproblem sein, ist aber oft ein Signal, dass größere Anleger zurückhaltender geworden sind. Wenn Mittelabflüsse anhalten, kann das das Management zusätzlich belasten.
Sehr auffällig ist die Anteilklasse VV, die laut Bericht im Berichtsjahr -12,49 % verlor, während die übrigen Anteilklassen leicht positiv abschnitten. Da alle Anteilklassen auf demselben Fondsvermögen basieren und sich normalerweise vor allem durch Kostenstruktur und Ertragsverwendung unterscheiden, ist diese starke Abweichung ungewöhnlich. Hier würde ich als Anleger vor einer Investition unbedingt eine Klärung der Ursache verlangen. Solche Inkonsistenzen sind kein gutes Signal für die Transparenz oder zumindest erklärungsbedürftig.
Strategisch interessant ist die Änderung im Portfolio: Das Unterportfolio „Gewinner“ wurde aufgelöst und durch „Patente“ ersetzt. Das klingt originell und kann Mehrwert schaffen, ist aber auch ein Hinweis darauf, dass der Fonds aktiv thematische Schwerpunkte verändert. Für Anleger bedeutet das: Man investiert nicht in einen statischen Qualitätsfonds, sondern in ein aktiv gesteuertes Konzept mit relativ hoher Freiheit. Das eröffnet Chancen, erhöht aber auch das Risiko von Fehleinschätzungen.
Positiv zu bewerten ist, dass der Fonds praktisch ohne Derivatehebel arbeitet. Das ausgewiesene Derivate-Exposure lag zum Stichtag bei 0 %, die durchschnittliche Hebelwirkung bei 0,99. Das reduziert Komplexität und versteckte Zusatzrisiken. Auch der ausgewiesene potenzielle Risikobetrag wirkt für einen Aktienfonds nicht extrem. Trotzdem bleibt das Grundrisiko hoch, weil der Fonds fast vollständig in Aktien investiert ist und zusätzlich Währungsrisiken trägt.
Unterm Strich wirkt der Fonds aus Anlegersicht solide konstruiert, aber im Ergebnis nicht überzeugend genug, um sofort als besonders attraktiv hervorzustechen. Die globale Streuung, die Auswahl vieler hochwertiger Unternehmen und der begrenzte Derivateeinsatz sprechen für den Fonds. Dagegen stehen die nur schwache Rendite in einem eigentlich guten Aktienjahr, die teilweise hohen Kosten, die Mittelabflüsse und die ungewöhnliche Entwicklung der Anteilklasse VV.
Fazit aus Investorensicht:
Der All Stars 10×10 ist eher ein Fonds für Anleger, die an ein aktives, thematisch gesteuertes Aktienkonzept glauben und bewusst Abweichungen vom Markt akzeptieren. Für kostenbewusste Privatanleger ist er jedoch nur eingeschränkt attraktiv, weil die Rendite im Berichtsjahr in keinem guten Verhältnis zu Risiko und Gebühren stand. Besonders interessant wäre allenfalls die günstigere institutionelle Klasse I, während die teureren Retail-Klassen kritisch zu sehen sind. Vor einem Einstieg sollte man vor allem prüfen, warum der Fonds trotz starker Tech-Gewinner insgesamt so wenig Mehrwert erzeugt hat und weshalb die Anteilklasse VV so stark vom Rest abweicht.