Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des HI-Climate Transition Multi-Faktor Aktien Euroland-Fonds ein insgesamt solides, professionell gesteuertes Aktienprodukt mit nachhaltiger Ausrichtung, aber auch einen wichtigen Schwachpunkt: Der Fonds hat im Berichtsjahr zwar stark zugelegt, den Vergleichsindex jedoch leicht verfehlt.
Der Fonds erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 eine Wertentwicklung von 21,92 %, während der Euro Stoxx Performance Index 22,89 % erreichte. Für Anleger ist das der zentrale Befund: Die Strategie hat absolut gesehen ein sehr gutes Aktienjahr genutzt, aber ihr zentrales Versprechen eines Mehrwerts durch Titelselektion in diesem Zeitraum nicht ganz eingelöst. Die Underperformance ist mit knapp einem Prozentpunkt zwar nicht dramatisch, aber sie ist relevant, weil ein aktiv gemanagter Multi-Faktor-Fonds sich letztlich am Mehrertrag nach Kosten messen lassen muss.
Positiv ist zunächst die deutliche Skalierung des Fonds. Das Fondsvermögen stieg von rund 266,6 Mio. EUR auf 363,6 Mio. EUR. Dieser Zuwachs kam nicht nur aus der guten Börsenentwicklung, sondern auch aus netten Mittelzuflüssen von 43,7 Mio. EUR. Das spricht dafür, dass der Fonds bei Investoren Vertrauen genießt. Auch der Anteilwert legte über die letzten Jahre sichtbar zu: von 53,44 EUR (2021/22) auf 74,73 EUR (2024/25). Das zeigt einen intakten langfristigen Aufwärtstrend, auch wenn aus dem Bericht allein keine vollständige Aussage über das Risiko im Verhältnis zur Rendite möglich ist.
Die Portfoliostruktur wirkt für einen Euroland-Aktienfonds nachvollziehbar und breit diversifiziert. Der Schwerpunkt liegt klar auf Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, also auf den dominierenden Kapitalmärkten der Eurozone. Branchenmäßig waren zuletzt Banken, Industriegüter/Dienstleistungen und Technologie am stärksten gewichtet. Gerade der höhere Bankenanteil fällt auf: Er stieg gegenüber dem Vorjahr merklich an. Das war im Berichtsjahr vermutlich renditeseitig hilfreich, erhöht aber auch die Sensitivität gegenüber Konjunktur, Zinsentwicklung und politischen Risiken im Euroraum.
Die Einzeltitelstruktur zeigt keinen übermäßigen Klumpencharakter, auch wenn einige große Positionen ins Gewicht fallen. Zu den größten Beteiligungen zählen unter anderem ASML, SAP, Siemens, Allianz, Schneider Electric und TotalEnergies. Das sind qualitativ starke und marktführende Unternehmen. Positiv ist, dass das Portfolio nicht in wenigen Namen konzentriert ist, sondern viele Positionen meist in einer Größenordnung um 0,5 bis 3 % hält. Das reduziert das Einzeltitelrisiko. Gleichzeitig ist erkennbar, dass der Fonds trotz ESG- und Climate-Transition-Anspruch nicht auf klassische Industrie- und Energiewerte verzichtet, sondern offenbar eher auf Selektion und Gewichtung setzt als auf strikte thematische Reinheit.
Ein weiterer Pluspunkt ist die sehr niedrige Gesamtkostenquote von 0,43 %. Für einen aktiv gemanagten, faktororientierten Nachhaltigkeitsfonds ist das günstig. Genau das macht die leichte Unterperformance gegenüber dem Index aus Anlegersicht etwas weniger problematisch: Die Kostenbelastung ist nicht hoch. Dennoch bleibt der Maßstab bestehen: Wenn ein Fonds aktiv gesteuert wird, erwarten Anleger mittelfristig einen Mehrwert – entweder durch Überrendite oder durch ein klar besseres Risikoprofil.
Ertragsseitig ist das Bild ebenfalls solide. Der Fonds erzielte ordentliche Nettoerträge von 9,74 Mio. EUR, dazu kamen realisierte Gewinne und ein deutlich positives nicht realisiertes Ergebnis, sodass das Geschäftsjahresergebnis insgesamt bei 64,0 Mio. EUR lag. Die Ausschüttung von 2,30 EUR je Anteil macht den Fonds auch für Anleger interessant, die neben Kurschancen einen laufenden Ertrag wünschen. Allerdings sollte man die Ausschüttung nicht isoliert betrachten; bei Aktienfonds ist die Gesamtrendite entscheidend.
Die Liquiditätsquote von rund 8 % Bankguthaben ist für einen Aktienfonds relativ spürbar. Das kann als Puffer sinnvoll sein, insbesondere bei Mittelbewegungen oder taktischer Steuerung. In einem stark steigenden Aktienmarkt kann eine höhere Kassequote jedoch Performance kosten. Möglich, dass dies ein Teil der Erklärung dafür ist, warum der Fonds hinter dem Index zurückblieb. Hinzu kommt ein kleiner Einsatz von Euro-Stoxx-50-Futures, offenbar zur Steuerung oder Absicherung; der Derivateeinsatz bleibt insgesamt aber moderat.
Beim Thema Nachhaltigkeit ist der Fonds als Artikel-8-Produkt positioniert. Er bewirbt ökologische und soziale Merkmale, orientiert sich an Climate-Transition-Ausschlüssen und will Klimakennzahlen gegenüber dem Euro Stoxx verbessern. Für Anleger ist das grundsätzlich attraktiv, vor allem wenn sie Nachhaltigkeit nicht nur als Marketingetikett, sondern als strukturierte Portfoliovorgabe sehen möchten. Wichtig ist jedoch ein kritischer Punkt im Prüfungsvermerk: Die SFDR-/Taxonomie-Angaben waren nicht Bestandteil des eigentlichen Prüfungsurteils. Das bedeutet nicht, dass sie falsch sind, aber Anleger sollten Nachhaltigkeitsaussagen grundsätzlich genauer prüfen als die klassischen Finanzzahlen.
Auf der Risikoseite ist der Fonds klar als vollwertiger Aktienfonds einzuordnen. Er trägt das übliche Kapitalmarkt-, Aktien-, Nachhaltigkeits- und operationelle Risiko. Zusätzlich nennt der Bericht zu Recht makroökonomische Unsicherheiten wie geopolitische Spannungen, Inflation und Zollthemen. Wer investiert, muss also bereit sein, deutliche Schwankungen auszuhalten. Der Fonds ist kein defensives Produkt, sondern ein breit gestreutes, aber klar aktienmarktabhängiges Investment.
Unterm Strich ist der Fonds aus Anlegersicht qualitativ ordentlich aufgestellt: gute Diversifikation, nachvollziehbare Faktorstrategie, niedrige Kosten, stabile Größenordnung, klare Nachhaltigkeitspositionierung und starke absolute Jahresrendite. Der entscheidende Haken bleibt jedoch: Im Berichtsjahr war die aktive Strategie dem Markt nicht überlegen. Für Bestandsanleger ist das noch kein Gegenargument, weil die Abweichung gering und die Struktur des Fonds überzeugend ist. Für neue Anleger lautet die nüchterne Einschätzung aber: Der Fonds wirkt eher wie eine gute, kosteneffiziente aktive Euroland-Lösung mit Nachhaltigkeitsfilter – nicht wie ein Fonds, der seine Benchmark derzeit klar schlägt.
Fazit für Anleger:
Ein solider, breit aufgestellter und vergleichsweise günstiger Euroland-Aktienfonds mit ESG-/Climate-Transition-Profil, der 2024/25 von der Markthausse profitiert hat. Kaufwürdig vor allem für Anleger, die Eurozonen-Aktien mit nachhaltiger Ausrichtung und moderatem Kostenprofil suchen. Wer jedoch primär auf klare Outperformance gegenüber dem Markt setzt, findet im aktuellen Bericht dafür noch keinen überzeugenden Beweis.