Die Deutsche Bundesbank hat im Jahr 2025 erneut einen hohen Verlust verzeichnet. Nach Angaben der Notenbank belief sich das Minus auf rund 8,6 Milliarden Euro. Damit handelt es sich um den zweithöchsten Fehlbetrag in der Geschichte der Bundesbank. Für den Bundeshaushalt hat das spürbare Folgen: Eine Gewinnüberweisung an den Bund fällt bereits im sechsten Jahr in Folge aus.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte bei der Vorstellung der Zahlen in Frankfurt jedoch, dass die Belastungen der Notenbank nicht dauerhaft sein dürften. Die Verluste seien eine Folge der geldpolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre und der derzeitigen Zinsentwicklung.
Hintergrund des Minus ist vor allem die Zinspolitik im Euroraum. Während der Niedrigzinsphase hatte das Eurosystem – zu dem neben der Bundesbank auch die Europäische Zentralbank gehört – in großem Umfang Staats- und Unternehmensanleihen gekauft, um die Wirtschaft zu stützen und die Inflation anzukurbeln. Diese Anleihen werfen jedoch häufig nur sehr niedrige Zinsen ab.
Mit dem starken Zinsanstieg seit 2022 hat sich die Situation verändert. Banken erhalten für ihre Einlagen bei der Zentralbank inzwischen wieder deutlich höhere Zinsen. Dadurch entstehen für die Notenbanken hohe Zinskosten, während die Erträge aus älteren, niedrig verzinsten Anleihebeständen vergleichsweise gering bleiben. Diese Differenz belastet die Bilanz erheblich.
Für die Bundesbank bedeutet das konkret: Sie muss hohe Zinsen auf Einlagen der Geschäftsbanken zahlen, verdient jedoch an vielen ihrer Wertpapierbestände weiterhin nur geringe Erträge. Das führt kurzfristig zu deutlichen Verlusten in der Gewinn- und Verlustrechnung.
Auch wenn ein Milliardenminus für Aufmerksamkeit sorgt, sehen Ökonomen darin keine unmittelbare Gefahr für die Stabilität der Notenbank. Zentralbanken können – anders als gewöhnliche Unternehmen – auch über längere Zeit Verluste ausweisen, ohne ihre Handlungsfähigkeit zu verlieren. Ihre wichtigste Aufgabe bleibt die Sicherung der Preisstabilität, nicht die Erwirtschaftung von Gewinnen.
Dennoch hat das Ergebnis politische Auswirkungen. In früheren Jahren hatte die Bundesbank regelmäßig Milliardengewinne an den Bundeshaushalt überwiesen, die als zusätzliche Einnahmen des Staates dienten. Seit mehreren Jahren bleibt dieser Geldfluss jedoch aus. Für den Bund bedeutet das, dass eine potenzielle Einnahmequelle im Haushalt weiterhin fehlt.
Nach Einschätzung der Bundesbank dürfte sich die Situation langfristig wieder verbessern. Sobald höher verzinste Wertpapiere in der Bilanz stärker ins Gewicht fallen und sich die Zinsstruktur verändert, könnten die Ergebnisse wieder positiver ausfallen. Bundesbankpräsident Nagel sprach daher von temporären Belastungen, die vor allem aus der geldpolitischen Phase der vergangenen Jahre resultieren.
Der Verlust von 8,6 Milliarden Euro zeigt jedoch auch, welche finanziellen Folgen die außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen nach der Finanzkrise, der Eurokrise und der Pandemie bis heute haben. Die Bilanz der Bundesbank bleibt damit ein Spiegel der geldpolitischen Entscheidungen im Euroraum – und ihrer langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen.