Dark Mode Light Mode

Steyler Fair Invest – Equities: Solide Aktienrendite mit starkem ESG-Filter, aber spürbarer Kostenlast (v. a. Retail)

geralt (CC0), Pixabay

1) Einordnung des Fonds aus Anlegersicht

Der Fonds Steyler Fair Invest – Equities ist ein aktiv gemanagter Aktienfonds ohne feste Benchmark-Bindung, der mindestens 51 % in Aktien/Aktienfonds investiert und zugleich einen strengen Nachhaltigkeits- und Ethikrahmen umsetzt (mind. 80 % ESG-konforme Vermögenswerte/Emittenten; PAB-Ausschlusskriterien). Beraten wird das Management durch PEH Wertpapier AG; die ethische Prüfung wird u. a. durch Steyler Ethik Bank unterstützt.

Anleger-Kernbotschaft: Das Produkt zielt auf Vermögensaufbau/-optimierung mit Aktienfokus und hoher ESG-Disziplin – dafür akzeptiert man aktive Abweichungen von Indizes, Konzentrationsrisiken in Einzeltiteln sowie (je nach Anteilklasse) eine relevante Kostenquote.

2) Performance & Risiko: ordentlich, aber nicht „indexnah“

Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025

Anteilklasse I: +7,68 %

Anteilklasse R: +7,09 %

Volatilität (beide Klassen): 13,70 % (mittlere Schwankungsintensität für einen Aktienfonds).

Die Rendite ist positiv und plausibel für einen global(er) ausgerichteten Aktienmix, wirkt aber eher wie „solide“ als „überragend“. Da keine Benchmark vorgegeben ist, sollte man als Investor den Fonds weniger an einem einzelnen Index messen, sondern an:

eigener Zielrolle (Aktienbaustein mit ESG-Anspruch),

Schwankungsprofil,

Kosten-/Mehrwert-Nachweis des aktiven Managements.

3) Portfolio & Allokation: hohe Aktienquote, auffällig viel Liquidität

Fondsvermögen: 71,0 Mio. EUR (I: 33,3 Mio.; R: 37,7 Mio.)

Asset Allocation (Stichtag 31.10.2025):

Aktien EUR: 59,93 %

Aktien in Fremdwährung: 27,02 %

Kasse/Forderungen/Verbindlichkeiten: 10,24 %

Alternative Investments: 2,82 %

Interpretation: Rund ~87 % Aktienexposure plus ~10 % Liquidität ist für einen Aktienfonds defensiver als „voll investiert“. Das kann:

kurzfristig als Risikopuffer dienen,

aber in stark steigenden Märkten Rendite kosten („Cash-Drag“).

Sektorbild (ESG-Reporting): Schwerpunkt Industrie (18,6 %), Technologie (9,91 %), Gesundheit/Pharma (9,0 %), Banken (8,31 %).
Das ist kein reiner „Green-Tech“-Fonds, sondern breit über klassische Sektoren – mit ESG-Filter.

Top-Positionen (Stichtag, % Fondsvermögen):

Commerzbank AG 3,99 %

Prosus N.V. 3,38 %

EssilorLuxottica 3,13 %

Currys plc 2,26 %

Air Liquide 2,13 %

Anlegerblick: Die Top-5 sind zusammen knapp ~15 % – moderat konzentriert. Auffällig ist die relativ hohe Einzelgewichtung der Commerzbank AG; das erhöht die Abhängigkeit von Banken-/Zins- und Konjunkturzyklen.

4) Ertragslage & Ausschüttung: Unterschiede I vs. R

Beide Anteilklassen sind ausschüttend.

Ausschüttung pro Anteil:

I: 1,68 EUR

R: 1,64 EUR

Wichtig: In der Retail-Klasse (R) ist der ordentliche Nettoertrag negativ (-56 Tsd. EUR), obwohl die Gesamterträge positiv sind. Das ist ein klares Signal, dass laufende Kosten einen großen Teil der laufenden Erträge aufzehren – Ausschüttungsfähigkeit kommt dann stärker aus realisierten Gewinnen/Ergebnisbestandteilen als aus „reinen“ laufenden Erträgen.

5) Kosten & Anleger-Fit: institutionell deutlich attraktiver

Gesamtkostenquote (ohne Performancefee & Transaktionskosten):

I: 1,38 %

R: 1,93 %

Zusätzlich: Transaktionskosten 191 Tsd. EUR und Portfolioumschlagsrate ~60 % (aktives Umschichten; kann Mehrwert schaffen, erhöht aber indirekte Kosten).

Ausgabeaufschlag:

I: aktuell 0,00 % (max 5 %)

R: aktuell 4,00 % (max 5 %)

Anleger-Fazit zu Kosten:

Die I-Tranche wirkt aus Investorensicht klar effizienter, hat aber 100.000 EUR Mindestanlage.

Für Privatanleger in R ist die Hürde hoch: 4 % Ausgabeaufschlag plus 1,93 % laufende Kosten bedeuten, dass der Fonds spürbar liefern muss, um im Vergleich zu günstigeren ESG-Alternativen dauerhaft zu überzeugen.

6) Nachhaltigkeit/Regulatorik: strenger Rahmen, aber Daten-/Prüflogik beachten

Der Fonds ist als SFDR-Artikel-8-Produkt positioniert (bewirbt ökologische/soziale Merkmale; „keine nachhaltigen Investitionen als Ziel“, aber es werden dennoch Anteile nachhaltiger Investitionen ausgewiesen). Er hält die PAB-Ausschlüsse ein und wurde im Juli 2025 an European Securities and Markets Authority-Leitlinien zu ESG-Fondsnamen angepasst.

Positiv:

Ausschlusskriterien und Kontroversenscreening (u. a. UN Global Compact, OECD-Leitsätze) werden als durchgehend eingehalten berichtet, Datenbasis u. a. MSCI ESG Research / ISS ESG.

EU-Taxonomiequote (reporting-basiert): 8,33 % (Vorjahr 7,41 %).

Zu beachten (klassischer Anleger-Reality-Check):

Taxonomie- und ESG-Quoten hängen stark von Datenverfügbarkeit und Unternehmensreporting ab; eine externe Validierung der Indikatoren wurde ausdrücklich nicht durchgeführt.

Strenge Ausschlüsse können das Anlageuniversum einschränken – gut für Werteorientierung, potenziell nachteilig für Diversifikation/Tracking zu Weltindizes.

7) Risiken, die aus dem Bericht „investorrelevant“ herausstechen

Neben den Standardrisiken (Aktien- und Währungsrisiko) fallen besonders auf:

Geopolitik-/Rohstoff-/Volatilitätsrisiko: explizit hervorgehoben (Ukrainekrieg, Nahost, Handelskonflikte).

Währungsrisiko: ~27 % Aktien in Fremdwährung – ungesichert kann das Rendite verstärken oder bremsen.

Aktives Management ohne Benchmark: Performance kann deutlich vom Markt abweichen – positiv oder negativ.

Liquiditätsquote ~10 %: stabilisiert, kann aber Rendite kosten.

Kosten- und Vertriebsstruktur: insbesondere in R relevante Renditehürde.

8) Wesentliche Änderungen: ESG-Schärfung und „Kündigungsrecht“

Anpassung der ESG-Strategie (80 % statt 75 % ESG-Ausrichtung) im Kontext der European Securities and Markets Authority-Guidelines.

Einführung eines Kündigungsrechts der Gesellschaft aus wichtigem Grund (u. a. US-Person / EU-Sanktionsliste) – für die meisten Anleger praktisch unkritisch, aber rechtlich relevant.

Kosten-Deckelung: Entnahme insgesamt bis zu 2,0285 % p. a. des durchschnittlichen NAV möglich (oberer Rahmen; ersetzt nicht die tatsächliche laufende Kostenquote, zeigt aber den „Maximalkorridor“).

9) Gesamturteil aus Anlegersicht

Stärken

Klarer, vergleichsweise strenger ESG-/Ethikprozess (PAB-Ausschlüsse, Positiv- & Negativkriterien).

Positives Jahresergebnis und nachvollziehbares Risikoprofil (Volatilität ~13,7 %).

Gute Transparenz zu Kosten, Umschlag, ESG-Methodik und Portfoliostruktur.

Schwächen / Watchpoints

Retail-Kostenlast (R: 1,93 % + 4 % Ausgabeaufschlag) ist hoch und drückt die Chance, nach Kosten nachhaltig überdurchschnittlich abzuschneiden.

Ohne Benchmark ist die Bewertung des „Mehrwerts“ stärker abhängig von Vertrauen in Prozess und Manager.

Relativ hoher Cash-Anteil und aktives Umschichten können in bestimmten Marktphasen Rendite bremsen.

Für wen passt der Fonds?

Für Anleger, die aktives Aktienmanagement + Ethik/ESG-Strenge bewusst priorisieren und bereit sind, Abweichungen vom Index zu akzeptieren.

Kostenbewusste Anleger sollten – wenn möglich – eher die I-Tranche bevorzugen; bei der R-Tranche muss der ESG-/Management-Mehrwert die höhere Kostenhürde rechtfertigen.

Abschließend: Der Bericht ist testiert (Prüfungsurteil) durch KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wobei die als „Sonstige Informationen“ markierten Nachhaltigkeitsanhänge nicht Teil des Prüfungsurteils sind – ein wichtiger Detailpunkt für alle, die ESG-Kennzahlen als harte Entscheidungsbasis nutzen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Wärmepumpen und Legionellen: Wie groß ist das Risiko wirklich?

Next Post

Windpark Stollhamm 2024: Schulden stark reduziert – solide Basis mit nachlassender Ertragsdynamik