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HanseMerkur Strategie ausgewogen: Solider „Balanced“-Dachfonds, aber spürbare Benchmark-Lücke durch Allokation/Selektion und Kosten
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HanseMerkur Strategie ausgewogen: Solider „Balanced“-Dachfonds, aber spürbare Benchmark-Lücke durch Allokation/Selektion und Kosten

geralt (CC0), Pixabay

1) Kurzprofil: Was Sie als Investor kaufen

Der Fonds ist ein international ausgerichteter Multi-Asset-Dachfonds (mind. 51 % in Investmentanteilen), der innerhalb definierter Bandbreiten aktiv zwischen Assetklassen umschichtet und Zielfonds systematisch selektiert. Als Vergleichsmaßstab dient eine „ausgewogene“ Misch-Benchmark aus Aktien Europa/Global und Euro-Renten (40 % Euro Stoxx 50, 10 % MSCI World, 25 % Euro Corporates, 25 % Euro Sovereigns).

Implikation für Anleger: Sie investieren weniger in Einzeltitel-Risiken, dafür stärker in Manager-/Selektionsrisiko (welche Zielfonds, welche Quoten) und in die Kostenstruktur eines Dachfonds.

2) Ergebnis & relative Performance: Positiv, aber unter Benchmark

Wertentwicklung Fonds (01.11.2024–31.10.2025): +8,05 %

Wertentwicklung Benchmark: +10,73 %

Relative Abweichung: ca. –2,68 Prozentpunkte

Das Fondsvermögen stieg parallel um +10,7 % auf 60,38 Mio. EUR (zusätzlich getrieben durch Netto-Mittelzuflüsse von rund +2,21 Mio. EUR).

Interpretation aus Anlegersicht:

Absolut betrachtet liefert der Fonds ein ordentliches Plus für ein „ausgewogenes“ Profil.

Relativ betrachtet ist die Unterperformance signifikant – und sie ist groß genug, dass man als Investor nach den Treibern fragen sollte (Allokation, Zielfonds-Auswahl, Risikoabsicherung, Cash-Quote, Kosten).

3) Portfolio-Struktur: Stark ETF-/Index-lastig, deutlicher Europa-Fokus, Euro-Renten als Stabilitätsanker

Zum 31.10.2025:

Investmentanteile: 91,63 %

Bankguthaben: 5,37 %

Geldmarktfonds: 3,41 %
→ Gesamtliquiditätsnahe Quote ~ 8,78 %

Auffälligkeiten:

Die größten Positionen sind Europa-Aktienindexfonds/ETFs und Euro-Staatsanleihen-ETFs (jeweils rund um ~10–11 % in einzelnen Bausteinen).

Global ist vorhanden (z. B. MSCI World-Baustein/Global Balanced), wirkt aber weniger dominant als „ausgewogen international“ vermuten lässt.

Ein „Bear“-Baustein (global/ETF bear shares) ist mit ~3,72 % enthalten – das deutet auf defensivere Positionierung/Absicherung hin, die in steigenden Märkten Rendite kosten kann.

Was das für Sie bedeutet:

Der Fonds verhält sich voraussichtlich stärker wie „Europa-balanced“ als wie ein global neutraler Mischfonds.

Der Rententeil ist klar Euro-zentriert; damit sinkt Währungsrisiko, aber Sie tragen stark Euro-Zins- und Euro-Kreditmarkt-Risiken (je nach Zielfonds).

4) Ertragsqualität: Rendite kam vor allem aus Kursgewinnen – laufendes Ergebnis negativ

In der Ertrags- und Aufwandsrechnung zeigt sich:

Ordentliches Nettoergebnis: –139.690 EUR (negativ)

Positive Gesamtjahresleistung entsteht durch

realisierte Gewinne (~1,39 Mio. EUR) minus Verluste

starke unrealisierte Gewinne (~3,34 Mio. EUR)

Investor-Takeaway: Die Performance ist überwiegend marktgetrieben (Bewertungsgewinne), nicht durch laufende Ausschüttungs-/Zinserträge getragen. In Seitwärts- oder Schwächephasen kann das Profil dadurch schneller „dünn“ werden.

5) Ausschüttung & „Substanz“: 3,00 EUR je Anteil – aber großer Vortrag

Endausschüttung: 3,00 EUR je Anteil (insgesamt ~1,004 Mio. EUR)

Gleichzeitig bleibt ein hoher Vortrag auf neue Rechnung bestehen (über 7 Mio. EUR).

So sollten Sie das lesen: Die Ausschüttung wirkt moderat und planbar, aber ein großer Teil der ausschüttungsfähigen Beträge wird nicht ausgekehrt, sondern vorgetragen/wiederangelegt. Für einkommensorientierte Anleger ist das relevant (Ausschüttungsprofil), für langfristige Anleger kann es neutral/positiv sein.

6) Risiken & Risikomanagement: Klassische Markt-/Zinsrisiken, Derivate defensiv und klein

Der Bericht nennt die üblichen Risiken (Marktpreis, Zinsänderung, Kredit, Währung, Zielfonds, Derivate). Konkreter:

Derivate-Exposure: 0,00 % zum Stichtag; Hebel im Schnitt 0,98 (also nicht „gehebelt“).

Es gab im Zeitraum gekaufte DAX-Put-Optionen (Prämie/Volumen klein). Das passt zu defensiver Risikoreduktion.

VaR (99 %, 1 Tag): durchschnittlich 1,37 % (Spanne 0,70 % bis 1,83 %).

Interpretation: Für einen ausgewogenen Fonds wirkt das Risikoprofil kontrolliert. Gleichzeitig kann Absicherung (oder defensive Bausteine) in starken Marktphasen die Benchmark-Rendite kosten – was zur beobachteten Unterperformance passen könnte.

7) Kosten: Hauptkandidat zur Erklärung der Benchmark-Lücke

Gesamtkostenquote (TER, ohne Transaktionskosten): 1,23 % p.a.

Transaktionskosten: nur 2.711,66 EUR (sehr niedrig; Portfolio-Umschlag offenbar nicht exzessiv).

Zusätzlich fallen auf Zielfondsebene laufende Kosten an (ETF-/Fonds-TERs), die in der Dachfonds-TER nicht vollständig „weggezaubert“ werden.

Anleger-Fazit zu Kosten: Für einen stark ETF-lastigen Ansatz ist 1,23 % p.a. nicht niedrig. Wenn dann die Zielfondsselektion keinen Mehrwert liefert (oder Absicherungen Rendite kosten), wird es schwer, die Benchmark dauerhaft zu schlagen.

8) Governance/Prüfung & Nachhaltigkeit

Der Jahresbericht wurde mit uneingeschränktem Prüfungsurteil testiert (KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft).

Verwaltungsgesellschaft: Universal-Investment-Gesellschaft mbH.

Nachhaltigkeit: SFDR Artikel-6 („konventionell“)

keine Einstufung als Artikel-8/9

PAI werden auf Gesellschaftsebene berücksichtigt, nicht verbindlich auf Fondsebene

Implikation: Wer einen expliziten ESG-/Impact-Ansatz erwartet, bekommt ihn hier nicht.

Gesamturteil aus Anlegersicht

Stärken

Plausibles „Balanced“-Konzept mit breiter Streuung über Zielfonds/ETFs

Solide absolute Rendite im Berichtsjahr

Kontrolliertes Derivate-/Hebelprofil, nachvollziehbare Risikodarstellung

Gute Liquiditätshaltung (Cash + Geldmarkt) für Rebalancing

Schwächen / rote Flaggen

Deutliche Unterperformance gegenüber der Benchmark (–2,68 pp)

Kostenlevel (TER 1,23 %) wirkt hoch für einen ETF-geprägten Dachfonds

Portfolio wirkt Europa-lastig; „international“ ist da, aber nicht dominant

Laufendes Ergebnis negativ – Rendite stark von Marktbewegungen abhängig

Für wen passt der Fonds?

Für Anleger, die eine gemanagte, ausgewogene Ein-Fonds-Lösung mit Dachfonds-Streuung wollen und akzeptieren, dass aktives Management auch mal hinter der Benchmark bleibt.

Weniger passend für Anleger, die konsequent benchmarknah investieren oder sehr kostenfokussiert sind (dann sind einfache 60/40- oder Index-Mischlösungen oft schwer zu schlagen).

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