1) Was der Fonds Anlegern verspricht – und wie das umgesetzt wird
Der Fonds verfolgt eine Wertsicherungsstrategie mit einer kalenderjährlichen Wertuntergrenze von 94% (angestrebte Begrenzung des Jahresverlusts auf max. ca. 6%). Dazu wird die Portfoliostruktur laufend an konservative Risikokennziffern angepasst und Derivate (v. a. Index- und Zinsfutures) können zur Absicherung und auch zu Investitionszwecken eingesetzt werden.
Aus Anlegersicht ist das eine klare Positionierung: Kapitalerhalt/Drawdown-Kontrolle vor maximaler Rendite. Wichtig: Es ist eine Strategie-Zielsetzung, keine Garantie. In Stressphasen kann das Modell trotzdem an Grenzen stoßen (z. B. sprunghafte Zins-/Spread-Schocks, Liquiditätsverwerfungen, Modellrisiken).
2) Ergebnis & Renditequalität: solider Zuwachs, defensiv „erkauft“
Wertentwicklung im Berichtszeitraum: +3,80% (Anteilklasse I) und +3,39% (Anteilklasse R).
Das positive Veräußerungsergebnis kam laut Bericht wesentlich aus realisierten Gewinnen aus gekauften Futures – die Rendite stammt also nicht nur aus „Carry“ (Zinsen), sondern sichtbar auch aus aktiver Steuerung/Absicherung.
Einordnung: Für einen Wertsicherungsfonds ist das ordentlich, aber typisch: In starken Aktienjahren wird man tendenziell weniger mitlaufen; in schwachen Phasen soll der Fonds dafür „stehen bleiben“ bzw. Verluste begrenzen.
3) Portfolioaufbau: sehr rentenlastig, Aktien nur Beimischung
Zum 31.10.2025:
Anleihen: 72,05%
Aktien: 3,10%
Investmentanteile: 9,84% (ein Eurozonen-ESG-Aktien-ETF)
Bankguthaben: 14,13%
Derivate (netto): -0,18% (Bilanzwert der Futures/Marginsituation)
Das ist klar defensiv. Die Aktienquote wirkt auf den ersten Blick niedrig, wird aber durch den ETF-Anteil (Aktienexposure) und den Derivateeinsatz funktional ergänzt/gedrosselt.
Aktienseite (Auszug): u. a. SAP SE, ASML Holding N.V., Allianz SE, Siemens AG, Sanofi S.A..
Das sind überwiegend große, liquide Blue Chips – passend zur Stabilitätslogik.
4) Zins- und Laufzeitenprofil: spürbares Durationsrisiko bleibt
Bei den Anleihen fällt auf:
= 10 Jahre: 10,68%
Damit steckt trotz Wertsicherungsanspruch relevantes Zinsänderungsrisiko im Buch (v. a. in den längeren Laufzeiten). In einem Umfeld steigender Renditen können diese Segmente belasten – hier sind die Zinsfutures (Bund/Bobl) als Gegensteuerung zentral.
Qualitativ dominieren Staats-/Quasi-Staats-Emittenten (Deutschland, Österreich, EU), was das Adressenausfallrisiko begrenzt, dafür aber das Portfolio stark an Zinsniveau & Kurvenbewegungen koppelt.
5) Risikosteuerung über Derivate: niedriger VaR, moderater Hebel
Der Fonds nutzt den qualifizierten Ansatz (VaR-Vergleichsvermögen).
Potenzieller Risikobetrag (Marktrisiko): Ø 0,36% (min 0,23% / max 0,54%).
Durchschnittliche Hebelwirkung: 1,15.
Interpretation: Das spricht für eine insgesamt niedrige Volatilität und eine eher kontrollierte Derivatenutzung. Aber: Derivaterisiken bleiben (Modell-, Timing-, Basisrisiko, „Gap“-Risiken). Positiv ist, dass Derivate im Bericht klar als Rendite-/Absicherungsquelle sichtbar werden – das passt zur Strategie.
6) Kosten: fair in I, deutlich höher in R – Renditeunterschied erklärbar
Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten):
I: 0,59% (Verwaltungsvergütung 0,40% p. a.)
R: 0,99% (Verwaltungsvergütung 0,80% p. a.)
Der Performanceabstand (3,80% vs. 3,39%) ist damit plausibel: R trägt fast ~0,4 Prozentpunkte mehr laufende Kosten. Für kostenbewusste Anleger ist die Institutionelle Anteilklasse I (bei Zugang/Mindestanlage) strukturell im Vorteil.
Transaktionskosten waren im Jahr gering (6.323,59 EUR) im Verhältnis zum Fondsvolumen – ein Hinweis auf niedrige Umschlagkosten, was zu einem defensiven Ansatz passt.
7) Ausschüttung & „Ertragsbild“
Es gab eine Endausschüttung von rund 1,83 EUR je Anteil (I) bzw. 1,80 EUR je Anteil (R). Gleichzeitig wird ein großer Teil als Vortrag auf neue Rechnung weitergeführt (nicht ausgeschüttet).
Aus Anlegersicht bedeutet das: Der Fonds liefert laufende Erträge, aber die Ausschüttungspolitik wirkt glättend und nicht rein „Yield-getrieben“.
8) ESG-Einordnung: Artikel 8 – „Light Green“, nicht Artikel 9
Der Fonds bewirbt ökologische/soziale Merkmale nach Artikel 8 der Offenlegungsverordnung (SFDR). Das ist kein Impact-/Artikel-9-Produkt. Außerdem wird erwähnt, dass EU-Taxonomie-Kriterien nur für einen Teil der zugrunde liegenden Investitionen Anwendung finden.
Für Anleger heißt das:
ESG ist integraler Filter/Prozessbestandteil, aber
die „Strenge“ hängt stark von den konkreten ESG-Methoden (Daten, Ausschlüsse, Engagement) ab, die im Bericht nur begrenzt quantitativ belegt sind.
9) Was ich als Anleger daraus ableite – Stärken, Schwächen, passende Zielgruppe
Stärken
Klare defensive Zielsetzung (Wertsicherung 94) mit nachvollziehbarer Instrumentierung (Liquidität, Staatsanleihen, Futures).
Niedrige ausgewiesene Marktrisikokennzahlen (VaR) und moderater Hebel.
Kosten in Anteilklasse I attraktiv für diese Fondskategorie.
Hohe Liquidität der Kernbausteine (Staatsanleihen, Blue Chips, ETF).
Schwächen / Punkte zum Hinterfragen
Wertsicherung ist strategieabhängig, nicht garantiert; in extremen Marktphasen können Schutzmechanismen zu spät greifen.
Durations-/Zinsrisiko bleibt trotz Kurzläufer-Anteil relevant.
Renditetreiber teilweise Futures: funktioniert gut bei richtiger Positionierung – ist aber stärker manager-/modellabhängig als ein reiner Buy-and-hold-Anleihefonds.
ESG-Transparenz: Artikel 8 ist okay, aber wer „striktes“ Nachhaltigkeitsprofil sucht, sollte tiefer in den ESG-Anhang/Methodik schauen.
Geeignet eher für
sicherheitsorientierte Anleger, die moderate Rendite bei begrenztem Drawdown suchen,
Portfolios, in denen ein „Stabilisator“ gewünscht ist (statt hoher Aktienquote).
Weniger geeignet für
Anleger mit hohem Renditeziel, die volle Aktienmarkt-Teilnahme erwarten,
Anleger, die eine harte Garantie oder sehr striktes Impact-Nachhaltigkeitsprofil verlangen.
10) Formale Verlässlichkeit
Der Jahresbericht wurde geprüft; der Bestätigungsvermerk kommt von Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das erhöht das Vertrauen in die ordnungsgemäße Berichterstattung (ersetzt aber natürlich keine Aussage über zukünftige Marktrisiken).