1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der Fonds liefert im Berichtsjahr eine zweistellige Wertentwicklung (+14,32 % Anteilklasse I / +13,80 % Anteilklasse R) bei offensiver Ausrichtung, dynamischer Allokation und aktivem Derivateeinsatz. Positiv ist die Kombination aus Aktienrendite, kurzfristigen Bundesanleihen (als Stabilitätsanker) und einem taktischen Futures-Overlay. Kritisch aus Investorensicht sind (a) der starke Europa-Fokus im Aktienbuch, (b) die spürbaren laufenden Kosten inkl. Performance Fee und (c) das Leverage-Profil (Ø Hebel 2,01), das die Schwankungsanfälligkeit in Stressphasen erhöhen kann.
2) Performance & Ergebnistreiber: Rendite kommt maßgeblich aus dem Trading-/Futures-Block
Die ausgewiesene Wertentwicklung ist solide, aber wichtig ist der Rendite-Mix:
Ordentlicher Nettoertrag ist nur gering (I: +0,15 EUR je Anteil), d. h. Dividenden/Zinsen tragen wenig zum Gesamtergebnis bei.
Das Veräußerungsergebnis ist zentral (I: realisiert +4,99 EUR je Anteil), und im Tätigkeitsbericht steht explizit: wesentliche Quelle des positiven Veräußerungsergebnisses waren realisierte Gewinne aus gekauften Futures.
Zusätzlich kommen nicht realisierte Gewinne hinzu (I: +11,95 EUR je Anteil), was die Bilanzrendite stützt, aber im nächsten Jahr auch wieder drehen kann.
Implikation: Der Fonds ist weniger „Buy-and-Hold-Carry“, sondern stärker taktisch/derivategetrieben. Das kann Mehrwert liefern, macht die Strategie aber abhängiger von Modell-/Timing-Qualität.
3) Portfolioaufbau: Offensiv, aber mit Liquiditätspuffer und kurzer Zinsduration
Allokation zum 31.10.2025 (Fondsvermögen ~30,52 Mio. EUR):
Aktien ~51,35 %
Anleihen ~27,77 %
Gold-ETC (Zertifikat) ~3,27 %
Derivate (Marktwert) ~0,40 % (Exposure deutlich höher; siehe Risiko/Leverage)
Bankguthaben ~18,77 % (hoch)
Was daran investor-relevant ist:
Hohe Liquiditätsquote (~19 %): wirkt defensiv (Puffer für Margin/Volatilität, taktische Flexibilität), kostet aber in starken Aktienphasen potenziell Rendite, wenn sie strukturell hoch bleibt.
Rentenblock mit kurzer Laufzeitstruktur: Der größte Anteil liegt 10J zusammen ~11,6 %). Das reduziert klassisches Zinsänderungsrisiko gegenüber langlaufenden Portfolios.
Goldbaustein: Der gehaltene Gold-ETC ist ein diversifizierender Faktor, aber mit Rohstoff-/Sentimentrisiko.
4) Aktienportfolio: Stark Europa/Eurozone – weniger „global“, als der Name suggeriert
Obwohl „global“ im Konzept steht, zeigt die Länderaufteilung der Aktien eine klare Konzentration auf Europa, u. a. Deutschland (~14,24 %), Frankreich (~15,97 %), Niederlande (~10,83 %), plus Spanien/Italien etc. US-Aktien sind in der Aktienliste praktisch nicht sichtbar; US-Risiko kommt eher über Futures.
Charakter des Aktienbuchs:
Große, liquide Qualitäts-/Blue-Chip-Titel, deutlich Large-Cap-Bias (z. B. Industrie, Versicherungen, Luxus, Tech-Hardware).
Einzelpositionsrisiko wirkt moderat (größte Position ~5,34 %), aber Regionenrisiko Europa ist hoch.
Implikation: Wer den Fonds als „globales“ Aktienprodukt kauft, sollte wissen, dass die Aktienselektion stark europäisch ist; die Globalität entsteht eher über Derivate/Overlay als über echte globale Einzeltitelstreuung.
5) Derivate, Risiko-Overlay & Hebel: niedriger Marktwert, aber hohes Exposure
Durch Derivate erzieltes zugrundeliegendes Exposure: ~28,15 Mio. EUR – das ist fast in der Größenordnung des Fondsvermögens.
Durchschnittliche Hebelwirkung: 2,01 (Derivate-Leverage).
VaR-Band (historische Simulation, 99 %, 1 Tag): min 0,90 % / max 2,66 % / Ø 1,85 %.
Die gehaltenen Futures zeigen ein Multi-Asset-Overlay:
Aktienindex-Futures (u. a. S&P 500, Euro Stoxx 50, FTSE 100, TOPIX)
Volatilitätsbezug (VSTOXX / VSTOXX-Futures)
Zinsfutures (Euro-Bund, US-Treasury-Kontrakt)
Währungsterminkontrakt (EUR/USD)
Investor-Interpretation: Das Overlay kann Drawdowns steuern oder Renditequellen öffnen – aber es bedeutet auch:
Komplexitätsrisiko (Modell, Ausführung, Rollkosten, Basisrisiken)
Margin-/Liquiditätsmanagement (Variation Margin ist sichtbar und nicht trivial)
Potenziell schnellere Wertschwankungen bei Stress (Leverage wirkt in beide Richtungen)
6) Kosten & Anteilklassen: Rendite ja – aber Gebühren sind ein echter Faktor
Anteilklasse I: TER 1,15 % p. a. (ohne Transaktionskosten) + erfolgsabhängige Vergütung 1,11 % des durchschnittlichen NAV
Anteilklasse R: TER 1,65 % p. a. + erfolgsabhängige Vergütung 1,02 %
Zusätzlich: ausgewiesene Transaktionskosten 26.726,68 EUR (für das Fondsjahr). Das ist im Verhältnis zur Fondsgröße nicht riesig, aber die Kombination aus laufenden Gebühren + Performance Fee ist das zentrale Thema.
Implikation: Der Fonds muss seine aktive/derivative Mehrwert-These dauerhaft beweisen, weil die Gebührenhürde relativ hoch ist – insbesondere in der Retail-Klasse R.
7) Ausschüttung & Mittelbewegungen: Wachstum auch durch Zuflüsse
Ausschüttung (I): 2,18 EUR je Anteil (Gesamtausschüttung 463.250 EUR)
Fondsvolumen steigt von ~23,98 Mio. auf ~30,52 Mio. EUR – getrieben durch Ergebnis + Netto-Mittelzufluss (3,235 Mio. EUR).
Implikation: Das Produkt gewinnt Kapital; das kann positiv sein (Skalierung, Vertrauen), erhöht aber auch die Bedeutung von Kapazitäts-/Umsetzungsqualität, besonders bei Futures-Strategien.
8) Eignung: Für wen passt das – und wofür eher nicht?
Passt eher für Anleger, die …
eine aktive Multi-Asset-Strategie mit taktischem Derivate-Overlay suchen,
Aktienquote um ~50 % akzeptieren und Schwankungen aushalten,
verstehen, dass Rendite stark aus Handels-/Futures-Ergebnissen kommen kann.
Weniger passend für Anleger, die …
„global“ im Sinne von breiter Länder-/Währungsstreuung über Einzeltitel erwarten,
eine kostenarme Kernanlage suchen,
Derivate/Leverage in der Kernanlage vermeiden wollen.
9) Vertrauens-/Governance-Signale
Der Jahresbericht ist testiert; der Bestätigungsvermerk stammt von KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Verwahr-/Bankguthaben liegen u. a. bei Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG; Kapitalverwaltung ist Universal-Investment-Gesellschaft mbH.
Gesamtbewertung (Anlegersicht)
Ein renditestarkes, aktiv gemanagtes Multi-Asset-Produkt mit klarer Stärke in der taktischen Umsetzung über Futures und einem robusten Liquiditäts-/Kurzläufer-Puffer. Gleichzeitig sollten Anleger die Europa-Lastigkeit im Aktienbuch, die Komplexität des Derivate-Overlays und die Gebührenstruktur inkl. Performance Fee bewusst einpreisen. In einem Portfolio ist der Fonds eher ein satellitärer Renditebaustein als ein passiver „Welt-Basisfonds“.