Die Affäre um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nimmt eine neue, brisante Wendung. Im Zentrum steht erneut seine weitläufige „Zorro Ranch“ nahe Santa Fe im Bundesstaat New Mexico. E-Mails aus dem Jahr 2019 enthalten Hinweise auf mögliche Gewaltverbrechen – darunter den Vorwurf, zwei junge Mädchen könnten in der Nähe des Anwesens getötet und begraben worden sein.
Schwere Anschuldigungen in E-Mails
In einer E-Mail, die aus den sogenannten Epstein-Akten stammt, behauptet ein mutmaßlicher früherer Mitarbeiter der Ranch, zwei ausländische Mädchen seien „in den Hügeln außerhalb der Zorro Ranch“ auf Anweisung von Epstein und „Madam G.“ begraben worden. Mit „Madam G.“ soll laut Dokumenten Epsteins frühere Vertraute Ghislaine Maxwell gemeint sein, die 2021 wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch Minderjähriger verurteilt wurde.
Die Nachricht datiert vom 21. November 2019 – rund zweieinhalb Monate nach Epsteins Tod in einem New Yorker Gefängnis. In dem Schreiben ist zudem von „rauen Fetischpraktiken“ die Rede, bei denen die Mädchen mutmaßlich ums Leben gekommen seien. Teile des Dokuments sollen Berichten zufolge geschwärzt worden sein.
Die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich bestätigt. Ob es sich um glaubhafte Hinweise, Falschinformationen oder unbewiesene Behauptungen handelt, ist Gegenstand laufender Prüfungen.
Politischer Druck wächst
Angesichts der neuen Hinweise fordern Abgeordnete in New Mexico eine eigenständige Untersuchung – unabhängig von den Bundesbehörden. Eine parteiübergreifende „Truth Commission“ im Repräsentantenhaus des Bundesstaates soll mögliche Verbrechen aufklären und prüfen, ob die Ranch umfassend durchsucht wurde.
Die Abgeordnete Andrea Romero bezeichnete es als „kritisch“, die Wahrheit vollständig offenzulegen. Auch die Staatsanwaltschaft von New Mexico drängt das US-Justizministerium, relevante E-Mails ungeschwärzt bereitzustellen.
Fragen an das FBI
Im Mittelpunkt der Kritik steht das Vorgehen der Bundespolizei. Wurde das 7400 Hektar große Gelände ausreichend durchsucht? Wurden alle Spuren gesichert? Das FBI hat sich zu den aktuellen Forderungen bislang nicht öffentlich geäußert.
Die Zorro Ranch gilt neben Epsteins Anwesen in Palm Beach, New York sowie seiner Privatinsel Little Saint James als einer der zentralen Orte mutmaßlicher Straftaten. Im Prozess gegen Maxwell wurden bereits zahlreiche Fotos des Anwesens als Beweismittel präsentiert.
Suche möglich?
Sollten die Behörden zu dem Schluss kommen, dass die Hinweise substanzielle Anhaltspunkte liefern, könnte eine gezielte Suche nach möglichen Grabstätten folgen. Noch ist jedoch unklar, ob die vorliegenden Informationen für einen solchen Schritt ausreichen.
Die neuen Enthüllungen zeigen, dass die juristische und politische Aufarbeitung des Epstein-Komplexes auch Jahre nach seinem Tod nicht abgeschlossen ist. Für Opfer und deren Angehörige bleibt die Hoffnung, dass mögliche Verbrechen vollständig aufgeklärt werden – und offene Fragen nicht unbeantwortet bleiben.