Bioerdgas Hallertau GmbH mit Sitz in Wolnzach steht für die industrielle Erzeugung und Vermarktung von Bioerdgas in Bayern. Das Unternehmen plant, errichtet und betreibt Bioerdgasanlagen und vermarktet das aufbereitete Gas. Gesellschafter ist die E.ON Bioerdgas GmbH, mittelbar eingebunden in den Konzern der E.ON SE.
Ein Blick auf die aktuellen Geschäftszahlen zeigt jedoch ein angespanntes Bild: Trotz stabiler Umsätze schreibt die Gesellschaft seit Jahren Verluste – und das Eigenkapital ist deutlich negativ.
Umsätze stabil, Verluste hoch
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Bioerdgas Hallertau Umsatzerlöse von rund 7,45 Millionen Euro. Damit liegt das Niveau leicht über dem Vorjahr und bewegt sich seit Jahren in einer Spanne zwischen 6,8 und 7,5 Millionen Euro. Wachstum ist kaum erkennbar – die durchschnittliche Umsatzentwicklung über vier Jahre liegt nahe Null.
Dem Umsatz stehen jedoch weiterhin erhebliche Aufwendungen gegenüber:
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Materialaufwand: 6,25 Millionen Euro
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Abschreibungen: rund 1,23 Millionen Euro
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Finanzergebnis: minus 530.000 Euro
Unterm Strich verbleibt 2024 ein Jahresfehlbetrag von rund 706.000 Euro. Zwar ist das Defizit geringer als in den Vorjahren – 2022 lag der Verlust noch bei über 2,4 Millionen Euro –, doch profitabel arbeitet das Unternehmen weiterhin nicht.
Die Umsatzrendite bleibt mit minus 9,5 Prozent klar negativ.
Negatives Eigenkapital wächst weiter
Besonders kritisch ist die Eigenkapitalsituation. Zum Jahresende 2024 weist die Gesellschaft ein negatives Eigenkapital von rund 14,5 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalquote liegt bei minus 49,4 Prozent.
In der Bilanz erscheint dieser Betrag als „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ auf der Aktivseite – ein deutliches Signal für eine bilanziell angespannte Lage.
Gleichzeitig belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 29,3 Millionen Euro. Die Bilanzsumme beträgt 29,4 Millionen Euro – das Unternehmen ist somit fast vollständig fremdfinanziert.
Hohe Verschuldung bei sinkendem Anlagevermögen
Das Anlagevermögen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken – von rund 16,5 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 11,7 Millionen Euro Ende 2024. Das deutet auf Abschreibungen und fehlende größere Investitionen hin.
Die Abschreibungen auf Sachanlagen liegen konstant bei rund 1,2 Millionen Euro jährlich. Zusammen mit dem negativen Finanzergebnis zeigt sich eine strukturelle Belastung durch Kapitaldienst und Anlagenkosten.
Positiv fällt lediglich der deutlich gestiegene Kassenbestand auf: Mit rund 1,12 Millionen Euro verfügt das Unternehmen 2024 über mehr Liquidität als in den Vorjahren. Das könnte auf konzerninterne Stützungsmaßnahmen oder operative Verbesserungen hindeuten.
Konzernstütze als Sicherheitsnetz
Die langfristige Existenz des Unternehmens scheint maßgeblich von der Einbindung in den E.ON-Konzern abhängig. Seit der Gründung im Jahr 2008 wechselten Gesellschafter innerhalb der E.ON-Struktur mehrfach, zuletzt firmiert die Gesellschaft unter dem Dach der E.ON Bioerdgas GmbH.
Diese Konzernanbindung dürfte für die Finanzierung und den Fortbestand entscheidend sein. Ohne konzerninterne Unterstützung wäre eine Fortführung bei dauerhaft negativem Eigenkapital und hohen Verbindlichkeiten deutlich schwieriger.
Strukturproblem oder Transformationsphase?
Die anhaltenden Verluste werfen grundsätzliche Fragen auf:
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Sind die aktuellen Gaspreise ausreichend, um wirtschaftlich zu arbeiten?
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Reichen die Einspeisevergütungen oder Fördermechanismen aus?
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Ist die Kostenstruktur der Anlagen langfristig tragfähig?
Bioerdgas gilt als wichtiger Baustein der Energiewende, insbesondere zur Dekarbonisierung des Wärmesektors. Doch das Beispiel Hallertau zeigt, dass ökologische Relevanz nicht automatisch wirtschaftliche Stabilität bedeutet.
Fazit
Bioerdgas Hallertau erwirtschaftet stabile Umsätze, bleibt aber strukturell defizitär. Das negative Eigenkapital wächst seit Jahren, die Verschuldung ist hoch, die Profitabilität schwach.
Solange der Mutterkonzern hinter dem Unternehmen steht, dürfte der Betrieb gesichert sein. Aus rein bilanzieller Sicht jedoch bleibt die Lage angespannt. Für Branchenbeobachter ist das Unternehmen ein Beispiel dafür, wie herausfordernd die wirtschaftliche Umsetzung erneuerbarer Energiekonzepte trotz politischer Unterstützung sein kann.