Überschrift:
Risikogesteuerte Aktienstrategie mit defensivem Anspruch – aber negativer Jahresertrag und hohe Kostenbelastung
1. Strategische Einordnung aus Anlegersicht
Der GWP-Fonds ist ein quantitativ gesteuerter, trendfolgender Mischfonds mit klarer Aktienfokussierung. Ziel ist eine Partizipation an europäischen und US-Aktien bei reduzierten Drawdowns durch:
ETF-Investments (Europa & USA)
Futures zur Steuerung der Aktienquote
Währungs-Overlay (USD/EUR)
systematisches Umschichten in deutsche Staatsanleihen bei Marktschwäche
Die Aktienquote kann bis zu 80 % betragen. Das Risikomanagement basiert vollständig auf mathematischen Modellen (Trendfolgeansatz)
Anlegerprofil: geeignet für risikobewusste Investoren mit mittelfristigem Anlagehorizont, die Aktienexposure wünschen, aber systematische Verlustbegrenzung schätzen.
2. Performanceanalyse 2024/2025
Jahresergebnis
Fondsrendite: –2,06 %
Ergebnis des Geschäftsjahres: –185.235 EUR
Anteilwert: von 127,51 EUR auf 124,88 EUR gesunken
Einordnung
Der Fonds konnte zwar den maximalen Drawdown begrenzen:
S&P 500 Drawdown: ca. –30 % (in EUR)
Fondsdrawdown: ca. –14 % (zwischenzeitlich), zum Stichtag ca. –8 %
→ Das Risikomanagement funktionierte defensiv wie vorgesehen.
Problematisch:
Im anschließenden Markterholungsprozess (nach Aussetzung der US-Zölle) wirkte die Futures-Absicherung renditemindernd.
Das Veräußerungsergebnis war deutlich negativ (–610.083 EUR), insbesondere durch Futures-Positionen
➡ Klassisches Trendfolger-Dilemma: Gute Verlustbegrenzung, aber Verzögerung bei Trendwenden.
3. Ertragsstruktur & Kosten
Erträge vs. Aufwendungen
Gesamterträge: 33.064 EUR
Gesamtkosten: 121.026 EUR
Ordentliches Nettoergebnis: –87.962 EUR
Die Kosten übersteigen die laufenden Erträge deutlich.
Gesamtkostenquote (TER)
1,54 % p.a.
Für einen ETF-basierten Fonds ist das relativ hoch, da:
ETFs selbst sehr günstig sind (0,03–0,19 % p.a.)
Der Mehrwert ausschließlich durch aktives Overlay & Risikomodell entsteht
➡ Der Investor bezahlt für das quantitative Risikomanagement.
4. Portfolio-Struktur & Risiko
Vermögensaufteilung (30.09.2025)
95,79 % Investmentanteile (ETF)
1,89 % Bundesanleihen
–0,22 % Derivate (netto)
2,77 % Liquidität
Derivate & Leverage
Durchschnittlicher Leverage: 154,65 %
VaR (99 %, 10 Tage): durchschnittlich 6,54 %
Das zeigt:
Moderate Hebelwirkung
Kontrolliertes Marktrisiko
Professionelles Risikomodell
Aber: Trendfolgemodelle sind anfällig für Seitwärtsmärkte mit Fehlsignalen (im Bericht explizit genannt).
5. Langfristige Entwicklung
Geschäftsjahr Anteilwert
2021/22 105,59 EUR
2022/23 108,76 EUR
2023/24 127,51 EUR
2024/25 124,88 EUR
Der starke Anstieg 2023/24 wurde teilweise wieder abgegeben.
Langfristig zeigt sich eine volatile, aber grundsätzlich positive Entwicklung.
6. Stärken aus Anlegersicht
✔ Systematische Verlustbegrenzung
✔ Klare, transparente Regelmechanik
✔ Breite ETF-Diversifikation
✔ Professionelle Risikokontrolle (VaR, Futures, Währungs-Overlay)
✔ Keine übermäßige Bonitätsrisiken
7. Schwächen & kritische Punkte
✖ Negative Jahresperformance trotz starkem Aktienjahr in Teilen
✖ Hohe Kostenquote im Verhältnis zur ETF-Struktur
✖ Trendfolgemodell kann in Seitwärtsphasen wiederholt Verluste erzeugen
✖ Keine ESG-Klassifizierung nach Art. 8 oder 9 (für nachhaltigkeitsorientierte Anleger relevant)
✖ Keine Ausschüttung
8. Gesamturteil aus Investorensicht
Der Fonds erfüllt seinen Kernanspruch der Drawdown-Reduktion glaubwürdig.
Er ist jedoch kein Outperformance-Fonds, sondern ein risikogesteuertes Aktienvehikel.
Das Jahr 2024/25 zeigt:
In Crashphasen schützt das Modell.
In Erholungsphasen kostet es Performance.
Die Kostenstruktur ist ambitioniert für einen ETF-basierten Ansatz.
Geeignet für:
defensivere Aktieninvestoren
Anleger mit Fokus auf Kapitalerhalt
Investoren, die systematische Modelle bevorzugen
Weniger geeignet für:
Renditeorientierte Buy-and-Hold-Aktieninvestoren
Kostenbewusste ETF-Anleger
Anleger, die schnelle Markterholungen voll mitnehmen wollen
Fazit
Der GWP-Fonds ist ein sauber konstruiertes, quantitatives Risikosteuerungsprodukt mit klarer Philosophie.
2024/25 war ein schwieriges Umfeld für Trendfolger.
Ob der Fonds langfristig überzeugt, hängt entscheidend davon ab:
wie häufig starke Trendphasen auftreten
ob das Modell zukünftige Markteinbrüche ähnlich effektiv abfedern kann
ob die Kosten durch Risikoreduktion gerechtfertigt werden
Aus Anlegersicht lautet das Urteil daher:
Solides Risikomanagement – aber kein Selbstläufer in Seitwärts- oder Erholungsmärkten.