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Milliarden-Deal im Secondhand-Boom: eBay kauft Depop für 1,2 Milliarden Dollar

Simon (CC0), Pixabay

Der Online-Handelsriese eBay verstärkt sein Engagement im boomenden Secondhand-Markt: Für 1,2 Milliarden US-Dollar übernimmt das US-Unternehmen die Modeplattform Depop. Verkäufer ist Etsy, das die ursprünglich in Großbritannien gegründete App erst vor fünf Jahren für 1,6 Milliarden Dollar gekauft hatte – nun also mit deutlichem Bewertungsabschlag weiterreicht.

Der Deal, der vollständig in bar abgewickelt werden soll, wird voraussichtlich bis zur Jahresmitte abgeschlossen. Depop soll seinen Namen und seine Marke behalten.

Kampf um die Generation Z

Für eBay ist der Zukauf strategisch bedeutsam. Das mehr als 30 Jahre alte Unternehmen möchte sich gezielt für jüngere Zielgruppen attraktiver machen. Depop gilt als eine der beliebtesten Secondhand-Apps bei der Generation Z: Rund 90 Prozent der sieben Millionen aktiven Käufer sind jünger als 34 Jahre. Mehr als drei Millionen Verkäufer nutzen die Plattform.

„Re-Commerce“, also der Wiederverkauf gebrauchter Waren, zählt zu den wachstumsstärksten Bereichen im Onlinehandel. Besonders im Modebereich greifen junge Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend zu gebrauchten oder „pre-loved“ Artikeln – aus Nachhaltigkeitsgründen, aus Kostengründen oder aus stilistischen Motiven.

eBay-CEO Jamie Iannone bezeichnete gebrauchte Kleidung als eine der am schnellsten wachsenden Kategorien auf der Plattform. Mit Depop will das Unternehmen seine Position in diesem Segment weiter ausbauen und von der starken Community-Bindung profitieren.

Etsy zieht sich zurück

Für Etsy ist der Verkauf ein strategischer Schritt zur Fokussierung. Das Unternehmen hatte Depop 2021 für 1,6 Milliarden Dollar übernommen, in einer Phase, in der Secondhand- und Nischenmarktplätze stark im Trend lagen. Nun erfolgt der Verkauf für 1,2 Milliarden Dollar – ein Minus von 400 Millionen Dollar gegenüber dem Kaufpreis.

Dennoch reagierten Anleger positiv: Die Etsy-Aktie stieg nachbörslich um mehr als 15 Prozent. Offenbar sehen Investoren in der Straffung des Portfolios und der Stärkung der Kernmarke Etsy ein klares Signal. Auch eBay konnte an der Börse zulegen – die Aktie gewann rund 6,5 Prozent.

Etsy-Chefin Kruti Patel Goyal erklärte, Depop habe sich zu einem der am schnellsten wachsenden Wiederverkaufsmarktplätze für Mode in den USA entwickelt. Unter dem Dach von eBay sei das Unternehmen gut für die nächste Wachstumsphase aufgestellt.

Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber

Der Deal ist auch Ausdruck eines strukturellen Wandels im Konsumverhalten. Secondhand-Mode ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern Teil eines wachsenden Nachhaltigkeitstrends. Junge Käuferinnen und Käufer setzen verstärkt auf Kreislaufwirtschaft, Individualität und Preisbewusstsein.

Plattformen wie Depop kombinieren E-Commerce mit Social-Media-Elementen: Nutzer präsentieren Outfits, folgen Verkäufern und bauen persönliche Marken auf. Damit unterscheidet sich Depop von klassischen Auktionsplattformen – und könnte eBay helfen, moderner und community-orientierter aufzutreten.

Strategischer Schulterschluss im „Re-Commerce“

eBay veröffentlichte die Übernahme zeitgleich mit seinen Geschäftszahlen für 2025. Der Konzern steigerte den Umsatz auf 11,1 Milliarden Dollar – ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Ausbau des Gebrauchtwaren-Segments dürfte ein wesentlicher Bestandteil der Wachstumsstrategie bleiben.

Mit dem Kauf von Depop sichert sich eBay nicht nur eine etablierte Marke, sondern vor allem Zugang zu einer jungen, digital-affinen Zielgruppe. In einem zunehmend wettbewerbsintensiven Onlinehandel könnte dies ein entscheidender Faktor sein.

Fazit

Der Verkauf von Depop markiert einen weiteren Schritt in der Konsolidierung des Onlinehandels. Während Etsy sich neu ausrichtet, setzt eBay auf frisches Wachstum im Secondhand-Markt – einem Segment, das von Nachhaltigkeitsbewusstsein und Sparsamkeit gleichermaßen angetrieben wird.

Ob der Milliarden-Deal eBay langfristig verjüngt und im Wettbewerb stärkt, wird sich zeigen. Fest steht: Der Handel mit gebrauchter Mode ist längst ein Milliardenmarkt – und sein Wachstum scheint noch lange nicht abgeschlossen.

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