Die Bilanz der Windpark Rothenmeer GmbH & Co. KG zeigt 2024 auf den ersten Blick Stabilität bei der Bilanzsumme, aber darunter eine klare Verschiebung in der Finanzierungs- und Risikostruktur. Für Anleger ist vor allem der stark gestiegene „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil der Kommanditisten“ ein Warnsignal, auch wenn das Management die Fortführung wegen positivem Cashflow weiterhin für tragfähig hält.
Vermögenslage: hoher Anlagenanteil, planmäßiger Substanzverzehr
-
Das Anlagevermögen dominiert mit 12,49 Mio. € (rund 88 % der Bilanzsumme) und ist gegenüber dem Vorjahr um etwa 0,46 Mio. € gesunken. Das spricht für fortlaufende Abschreibungen ohne nennenswerte Reinvestitionen oder Erweiterungen.
-
Umlaufvermögen insgesamt nahezu unverändert (0,69 Mio. €), aber mit stark veränderter Zusammensetzung: Forderungen fallen deutlich, Bankguthaben steigt stark.
Liquidität und Working Capital: sichtbar besser, aber im Verhältnis zur Kurzfristigkeit der Schulden dünn
-
Bankguthaben steigt von 0,03 Mio. € auf 0,47 Mio. € (sprunghafte Verbesserung). Das wirkt wie eine bewusste Liquiditätsvorsorge oder ein Stichtagseffekt.
-
Forderungen sinken von 0,67 Mio. € auf 0,22 Mio. €. Das kann positiv sein (Einzug/Abrechnung erfolgt), kann aber auch geringere Abrechnungsstände oder Leistungs-/Erlösrückgänge spiegeln.
-
Kritisch bleibt die Relation zu kurzfristigen Verbindlichkeiten: Verbindlichkeiten unter einem Jahr werden mit 5,63 Mio. € angegeben. Dem stehen kurzfristig verfügbare Mittel (Cash plus Forderungen) von knapp 0,69 Mio. € gegenüber. Praktisch heißt das: Die Gesellschaft ist stark auf laufende Zahlungsströme (Stromerlöse) und/oder Gesellschafter- bzw. Konzernfinanzierung angewiesen.
Kapitalstruktur: faktisch Vollfremdfinanzierung und negatives Kapitalkonto
-
Auf der Passivseite stehen nahezu ausschließlich Verbindlichkeiten (14,13 Mio. €) und kleine Rückstellungen (0,04 Mio. €). Ein positives Eigenkapital wird nicht ausgewiesen.
-
Stattdessen erscheint auf der Aktivseite der „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil der Kommanditisten“ von 0,97 Mio. € (Vorjahr 0,30 Mio. €). Der Anstieg um rund 0,67 Mio. € ist zentral: Er bedeutet, dass die Kapitalkonten der Kommanditisten (bilanziell) weiter ins Negative gedreht sind. Aus Anlegersicht ist das ein deutlich erhöhtes Struktur- und Refinanzierungsrisiko, selbst wenn es bilanziell mit Abschreibungslogik erklärt wird.
Verschuldung und Abhängigkeiten: Sicherheiten und Gesellschafterkredite prägen das Risiko
-
Verbindlichkeiten steigen leicht um rund 0,19 Mio. €.
-
Besonders auffällig: Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern wachsen auf 4,86 Mio. € (Vorjahr 4,41 Mio. €). Das ist ein klares Indiz, dass ein wesentlicher Teil der Finanzierung über Verrechnungskonten/verbundene Unternehmen läuft. Das kann stabilisierend wirken (wenn der Gesellschafter dahintersteht), erhöht aber die Abhängigkeit von interner Finanzierungspolitik.
-
9,0 Mio. € der Verbindlichkeiten sind durch Verpfändung der Stromerlöse besichert. Das reduziert Spielräume im Stressfall, weil die wichtigsten Cashflows bereits als Sicherheit gebunden sind.
Fortführungsannahme: nachvollziehbar begründet, aber sensibel
Die Gesellschaft stellt trotz des negativen Kapitalkontos unter Fortführungsannahme auf. Begründung: Verluste seien in der Abschreibungsphase erwartbar, während der operative Cashflow positiv bleibe. Das ist bei windparktypischen Strukturen grundsätzlich plausibel (buchhalterischer Verlust bei gleichzeitigem Schuldendienst aus Cashflow). Für Anleger bleibt aber entscheidend, ob Stromerlöse nachhaltig stabil genug sind, um die hohe kurzfristige und insgesamt sehr hohe Fremdfinanzierung zu tragen.
Sonstige Verpflichtungen: langfristige Pacht bis 2047, variabel
Es bestehen variable Pachtverpflichtungen bis 2047; im Jahr 2024 betrugen sie rund 58,8 T€. Langlaufende, teils index- oder erlösabhängige Pachtmodelle können die Planbarkeit beeinflussen.
Fazit aus Anlegersicht
Positiv ist die deutlich verbesserte Liquiditätsposition und der Hinweis auf erwarteten positiven Cashflow. Gleichzeitig ist die Bilanz sehr stark fremdfinanziert, und der stark gestiegene negative Verlustanteil der Kommanditisten signalisiert eine spürbare Verschlechterung der Kapitalpuffer. Wer das wirtschaftlich bewertet, sollte besonders auf drei Punkte schauen: Stabilität der Stromerlöse (und daraus resultierender Cashflow), Konditionen/Fristen der Finanzierungen inklusive Sicherheitenstruktur, sowie die Bereitschaft der Gesellschafter, über Verrechnungskonten dauerhaft zu stützen.