Ein koordinierter Ausstand von Piloten und Flugbegleitern hat Deutschlands größte Fluggesellschaft am Donnerstag nahezu lahmgelegt. Die Lufthansa musste nach eigenen Angaben rund 800 Flüge streichen, betroffen sind etwa 100.000 Passagiere. Der Streik soll bis Mitternacht andauern.
Besonders massiv sind die Auswirkungen an den Drehkreuzen Frankfurt und München. In Frankfurt wurden 450 von 1117 geplanten Flügen gestrichen, in München 275 von 920. Auch an anderen Standorten kam es zu Ausfällen. In den Terminals bildeten sich lange Schlangen an den Serviceschaltern, viele Reisende suchten verzweifelt nach Umbuchungsmöglichkeiten.
Bestreikt wird die Lufthansa-Kerngesellschaft von den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo. Die Pilotengewerkschaft fordert für rund 4800 Pilotinnen und Piloten höhere Betriebsrenten. Die Kabinengewerkschaft Ufo drängt auf neue Verhandlungen und wehrt sich gegen die geplante Schließung der Regionaltochter Cityline, bei der rund 800 Arbeitsplätze gefährdet sind.
Die Lufthansa kritisierte den Ausstand als unverhältnismäßig. Ein Sprecher erklärte, der Streik treffe die Fluggäste extrem hart. Gleichzeitig verwies das Unternehmen darauf, dass bei nicht bestreikten Tochtergesellschaften wie Eurowings, Discover und City Airlines rund 400 Flüge stattfinden konnten. Eurowings setzte zudem zusätzliche Verbindungen ein, um die Lage etwas zu entspannen.
Die Gewerkschaften sehen hingegen eine hohe Beteiligung und sprechen von einem erfolgreichen Streiktag. Sollte es kein verbessertes Angebot geben, drohten weitere Arbeitskämpfe. Man verfüge als Gewerkschaft nur über wenige Mittel, um Druck aufzubauen. Ohne Bewegung der Arbeitgeberseite könne sich die Lage weiter zuspitzen.
Hintergrund ist die angespannte wirtschaftliche Situation der Lufthansa-Kerngesellschaft. Nach roten Zahlen im Jahr 2024 befindet sich das Unternehmen in einer umfassenden Sanierung. Die Führung betont, zusätzliche Rentenlasten seien derzeit nicht tragbar. Zugleich setzt der Konzern verstärkt auf neue, kostengünstigere Flugbetriebe, was beim Stammpersonal seit Jahren für Unmut sorgt.
Neben den Konflikten mit Cockpit und Ufo laufen zudem Verhandlungen mit Verdi über die Bedingungen von rund 20.000 Bodenbeschäftigten. Auch dort sind weitere Auseinandersetzungen nicht ausgeschlossen.
Für Reisende bedeutet der aktuelle Arbeitskampf vor allem Unsicherheit. Wer in den kommenden Tagen mit Lufthansa fliegen will, sollte sich frühzeitig über den Status seines Fluges informieren und gegebenenfalls Alternativen prüfen.