Ein Espresso für 99 Cent, ein Latte für unter drei Euro – was nach Lockangebot klingt, ist Teil einer klar kalkulierten Strategie. Mit Cotti Coffee betritt ein chinesischer Branchenriese den deutschen Markt und stellt das Geschäftsmodell etablierter Billig-Ketten wie LAP auf die Probe. Der Wettbewerb um den schnellen Koffein-Kick in den Innenstädten dürfte damit deutlich härter werden.
Cotti wurde erst 2022 gegründet, steht aber in China bereits für massives Wachstum. Mit rund 18 Prozent Marktanteil liegt die Kette dort vor Starbucks. Weltweit betreibt das Unternehmen inzwischen mehr als 18.000 Filialen in 28 Ländern. Hinter dem rasanten Aufstieg stehen die früheren Köpfe von Luckin Coffee – jenem Konzern, der in China selbst Starbucks ernsthaft unter Druck gesetzt hat.
In Deutschland startet Cotti mit einer klaren Ansage: radikale Preise, starke App-Bindung und Social-Media-Marketing. Wer per App bestellt, bekommt den Espresso für 99 Cent. Wer sein Getränk postet und Freunde markiert, erhält Gratiskaffee. Das Ziel ist nicht Gemütlichkeit, sondern Frequenz. Die Filialen sind funktional, Sitzplätze rar, der Umsatz soll über Masse entstehen.
Damit trifft Cotti direkt auf LAP – jene deutsche Kette, die mit dauerhaft günstigen Preisen und minimalistischem Konzept bereits gezeigt hat, dass Kaffee auch ohne fünf-Euro-Preisschild funktioniert. LAP-Gründer Ralph Hage betont, man arbeite profitabel und ohne künstliche Kampfpreise. Der Cappuccino für 2,50 Euro sei kein Lockangebot, sondern Teil eines nachhaltigen Modells.
Experten rechnen dennoch mit Druck. Cotti gilt als aggressiver Wettbewerber mit finanzieller Schlagkraft. Die Strategie zielt auf schnelle Flächendominanz in urbanen Zentren. Wer expandiert, konkurriert nicht nur um Kunden, sondern auch um attraktive Standorte. Gerade im preisbewussten Segment könnte die Luft dünner werden.
Ob sich das chinesische Modell langfristig durchsetzt, ist offen. Markenexperten verweisen darauf, dass internationale Ketten oft mit großem Hype starten, sich später aber konsolidieren müssen. Zudem setzt Cotti stark auf eine junge, digital affine Zielgruppe. Bleibt der Hype aus oder flaut er ab, entscheidet die Markenbindung.
Klar ist: Der deutsche Kaffeemarkt ist groß – aber kein klassischer Gewinner-alles-Markt. Anders als bei Plattformdiensten spielen lokale Präferenzen, Geschmack und Markenimage eine große Rolle. Für die Kunden bedeutet der Einstieg von Cotti vor allem eines: günstigere Preise und mehr Auswahl.
Der Preiskampf in den Innenstädten hat begonnen. Ob Cotti zur dauerhaften Gefahr für LAP und andere Anbieter wird, hängt davon ab, ob das Modell der extremen Effizienz auch jenseits Chinas funktioniert – und ob die Kunden mehr wollen als nur den billigsten Espresso.