Bei einem schweren Gebäudeeinsturz in der nordlibanesischen Stadt Tripoli sind mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Zwei angrenzende Wohnhäuser brachen nahezu zeitgleich zusammen und rissen zahlreiche Bewohner in den Tod. Nach Angaben staatlicher Medien konnten acht weitere Personen lebend aus den Trümmern gerettet werden. Die libanesische Zivilschutzbehörde erklärte, dass zwar alle offiziell gemeldeten Bewohner erfasst seien, dennoch bestehe die Möglichkeit, dass weitere Menschen vermisst werden.
Augenzeugenberichte und in sozialen Medien verbreitete Videos zeigen den dramatischen Moment des Einsturzes: Zunächst gaben die unteren Stockwerke eines der Gebäude nach, kurz darauf kollabierten beide Häuser vollständig. Eine dichte Staub- und Trümmerwolke hüllte die Straße ein, während Anwohner und Rettungskräfte verzweifelt versuchten, Überlebende zu finden. Nach dem Unglück sammelten sich große Menschenmengen rund um den entstandenen Krater, wo zuvor die Wohnhäuser gestanden hatten.
Der Einsturz ist bereits der fünfte Vorfall dieser Art in Tripoli in diesem Winter und macht die prekäre Lage vieler alter und schlecht instand gehaltener Gebäude deutlich. Tripoli gilt als ärmste Großstadt des Libanon und leidet seit Jahren unter wirtschaftlicher Krise, mangelnder staatlicher Kontrolle und fehlenden finanziellen Mitteln für Sanierungen.
Bürgermeister Abdel Hamid Karimeh sprach von jahrzehntelanger Vernachlässigung und warnte, dass tausende Menschen in der Stadt gefährdet seien. Die Situation übersteige die Möglichkeiten der Stadtverwaltung, erklärte er und reichte wenig später seinen Rücktritt beim Innenminister ein. Tripoli bezeichnete er als „katastrophengebeutelte Stadt“.
Auch auf nationaler Ebene sorgte das Unglück für Reaktionen. Präsident Joseph Aoun erklärte, er verfolge die Entwicklungen genau und rief Rettungskräfte im ganzen Land zur Unterstützung auf. Ministerpräsident Nawaf Salam sprach von einer „humanitären Katastrophe“ und versprach staatliche Hilfe. Die Regierung sei bereit, Unterkünfte für Bewohner gefährdeter Gebäude bereitzustellen. Gleichzeitig räumte er ein, dass der Einsturz das Ergebnis jahrelanger struktureller Vernachlässigung sei.
Tripoli ist die zweitgrößte Stadt des Libanon und seit langem von wiederholten Gebäudeschäden betroffen. Viele Wohnhäuser wurden während des Bürgerkriegs zwischen 1975 und 1990 illegal oder ohne Genehmigung errichtet. Andere wurden später um zusätzliche Stockwerke erweitert, oft ohne bauliche Kontrolle. Laut Behörden müssen derzeit über 100 Gebäude dringend überprüft oder evakuiert werden, insbesondere in den kalten und regenreichen Wintermonaten.
Der nationale Verband der Immobilieneigentümer machte den Staat für das Unglück verantwortlich und sprach von eklatanter Fahrlässigkeit. Er forderte eine landesweite Untersuchung gefährdeter Gebäude, um weitere Tragödien zu verhindern.