Japans konservative Premierministerin Sanae Takaichi hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag einen überwältigenden Sieg errungen und damit ein politisches Erdbeben ausgelöst. Ihre Liberaldemokratische Partei (LDP) sicherte sich gemeinsam mit ihren Koalitionspartnern eine historische Zweidrittelmehrheit im Unterhaus – ein Erfolg, wie ihn seit dem Zweiten Weltkrieg keine einzelne Partei mehr erzielt hatte.
Takaichi, die erst vor gut vier Monaten zur Parteivorsitzenden und kurz darauf zur ersten Premierministerin in der Geschichte Japans gewählt wurde, gelang damit eine bemerkenswerte Trendwende. Die LDP hatte in den vergangenen Jahren stark an Rückhalt verloren, nicht zuletzt wegen eines Skandals um missbräuchlich verwendete Parteispenden. Mit ihrem Amtsantritt änderte sich das politische Klima jedoch spürbar.
Die Premierministerin überzeugte viele Wählerinnen und Wähler mit einem energischen Führungsstil, hoher Präsenz in sozialen Medien und einer nahbaren Art. Virale Auftritte – etwa ein spontanes Trommelduett mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung – sorgten für Aufmerksamkeit weit über politische Fachkreise hinaus. Ihre Zustimmungswerte erreichten zeitweise ein Niveau, das zuletzt während der Amtszeit von Shinzo Abe gemessen wurde, der auch als ihr politischer Mentor galt.
Die Entscheidung, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen, galt als riskant. Takaichi verband damit jedoch das Ziel, ihre persönliche Popularität in ein starkes politisches Mandat zu übersetzen. Der Plan ging auf: Die LDP gewann mehr als 310 der 465 Sitze im Unterhaus, das Regierungslager insgesamt über 340. Damit kann die Regierung nicht nur Gesetze auch gegen den Widerstand des Oberhauses durchsetzen, sondern sogar Verfassungsänderungen anstoßen.
In einer ersten Stellungnahme dankte Takaichi den Wählerinnen und Wählern für ihre Unterstützung und sprach von einem klaren Auftrag für eine „verantwortungsvolle und aktive Wirtschafts- und Finanzpolitik“. Auch international erhielt sie Glückwünsche, insbesondere vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der sie bereits im Wahlkampf offen unterstützt hatte und den Wahlausgang als „Erdrutschsieg“ bezeichnete.
Der Wahlerfolg verschafft Takaichi Rückenwind für große Herausforderungen: Japans alternde Gesellschaft, steigende Lebenshaltungskosten, ein schwacher Yen und die angespannten Beziehungen zu China stehen ganz oben auf der politischen Agenda. Die Finanzmärkte reagierten zunächst positiv, der Nikkei-Index legte deutlich zu.
Gleichzeitig bleibt ihre Amtszeit nicht ohne Kontroversen. Kritisiert werden ihr extrem hoher Arbeitseinsatz sowie klare Aussagen zur Taiwan-Frage, die das Verhältnis zu Peking weiter belastet haben. Dennoch gilt der Wahlsieg als historischer Moment – und als Beginn einer neuen politischen Ära in Japan.