Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass die Vereinigten Staaten auf einen Friedensabschluss zwischen der Ukraine und Russland bis zum Frühsommer drängen. Trotz zahlreicher Gesprächsrunden gebe es bislang jedoch keinen Durchbruch in den zentralen Streitfragen, insbesondere bei territorialen Forderungen und Sicherheitsgarantien. „Sie sagen, sie wollen alles bis Juni erledigen“, sagte Selenskyj in am Samstag veröffentlichten Stellungnahmen. Washington strebe einen klaren Zeitplan an und wolle alles unternehmen, um den Krieg zu beenden.
Nach Angaben Selenskyjs habe die US-Regierung vorgeschlagen, dass sich ukrainische und russische Delegationen bereits in der kommenden Woche in den Vereinigten Staaten treffen könnten, vermutlich in Miami. Die Ukraine habe ihre Teilnahme bestätigt. Eine offizielle Stellungnahme der US-Regierung zu diesen Aussagen steht bislang aus.
Der ukrainische Präsident bekräftigte, dass sein Land keine Gebietsabtretungen akzeptieren werde. Der Kreml fordert weiterhin, dass die Ukraine den gesamten Donbas aufgibt – eine Region, von der noch etwa ein Viertel unter ukrainischer Kontrolle steht. „Wir stehen dort, wo wir stehen“, sagte Selenskyj und betonte, dass die aktuelle Frontlinie Grundlage für einen möglichen Waffenstillstand sein müsse.
Zugleich hob Selenskyj die Bedeutung internationaler Sicherheitsgarantien hervor. Ein Kriegsende sei ohne diese nicht denkbar. Die USA hätten angeboten, die Einhaltung eines möglichen Waffenstillstands zu überwachen, unter anderem im Rahmen trilateraler Gespräche, die diese Woche in Abu Dhabi stattfanden. Besorgt zeigte sich Selenskyj über Anzeichen bilateraler Gespräche zwischen den USA und Russland, die die Ukraine betreffen könnten. „Die Ukraine wird keine Abkommen über uns akzeptieren, die ohne uns geschlossen werden“, stellte er klar.
Während diplomatische Initiativen laufen, setzte Russland seine massiven Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fort. In der Nacht wurden laut Selenskyj mehr als 400 Drohnen und rund 40 Raketen verschiedener Typen eingesetzt. Ziel waren vor allem Stromnetze, Kraftwerke und Umspannstationen. Die Angriffe trafen zahlreiche Regionen, darunter Lwiw, Riwne, Kyjiw und Charkiw, und führten zu landesweiten Stromausfällen – bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.
Der ukrainische Energieminister erklärte, dass zentrale Teile des Hochspannungsnetzes sowie mehrere Wärmekraftwerke beschädigt worden seien. Internationale Organisationen wie die Internationale Atomenergiebehörde warnten zudem vor Risiken für die nukleare Sicherheit. Selenskyj appellierte erneut an westliche Partner, die Luftabwehr der Ukraine zu stärken. „Jede Lieferung hilft uns, durch diesen Winter zu kommen“, sagte er.