Der Jahresbericht des 4L Capital Werte-Fonds zum 30. September 2025 zeichnet das Bild eines aktiv gemanagten Aktienfonds, der in einem außergewöhnlich anspruchsvollen Marktumfeld agieren musste. Aus Anlegersicht lassen sich dabei sowohl kritisch zu bewertende Aspekte als auch langfristig interessante Stärken identifizieren.
1. Marktumfeld: Gegenwind von mehreren Seiten
Das Berichtsjahr war geprägt von geopolitischen Spannungen, geldpolitischen Unsicherheiten und deutlichen Wechselkursbewegungen. Besonders belastend wirkten die erneuten handelspolitischen Maßnahmen der USA, steigende Staatsverschuldung sowie eine spürbare Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro. Für einen international investierten Fonds mit hohem US-Anteil stellte dies einen strukturellen Nachteil dar, der sich direkt auf die Wertentwicklung auswirkte.
2. Wertentwicklung: Unter den Erwartungen, aber erklärbar
Die Wertentwicklung von -4,27 % (Anteilklasse I) bzw. -4,66 % (Anteilklasse P) blieb hinter dem Anspruch eines langfristig ausgerichteten Wertefonds zurück. Für Anleger ist jedoch wichtig, den Kontext zu berücksichtigen:
Die Verluste resultierten primär aus realisierten Veräußerungsergebnissen.
Der ordentliche Nettoertrag war – insbesondere in der institutionellen Anteilklasse – positiv.
Es gab keine Ausschüttung, Verluste wurden vorgetragen, was steuerlich neutral, aber psychologisch belastend sein kann.
Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich eine volatile, aber nicht ungewöhnliche Entwicklung für einen aktiv gemanagten Aktienfonds in diesem Marktumfeld.
3. Portfolio & Strategie: Klarer Fokus, hohe Qualität
Positiv hervorzuheben ist die hohe Qualität des Portfolios. Der Fonds ist mit rund 75 % in Aktien investiert, ergänzt durch Zertifikate und thematische ETFs (u. a. KI, Cybersecurity). Die Einzeltitel stammen überwiegend aus etablierten, kapitalstarken Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen.
Aus Anlegersicht besonders relevant:
Aktives Management ohne Benchmark-Zwang
Value-orientierter Ansatz kombiniert mit strukturierten Produkten
Zusatzrenditen durch Optionsstrategien, die gleichzeitig der Volatilitätssteuerung dienen
Die Öffnung der Strategie (Einstufung nach Artikel 6 statt zuvor Artikel 8 SFDR) erhöht die Flexibilität, bedeutet aber auch einen Rückzug von expliziten Nachhaltigkeitszielen.
4. Risiken & Kosten: Transparent, aber nicht niedrig
Die ausgewiesenen Risiken (Markt-, Währungs-, Derivate- und Liquiditätsrisiken) sind für einen Fonds dieser Ausrichtung typisch. Der Einsatz von Derivaten erhöht die Komplexität, bleibt jedoch regulatorisch sauber eingehegt.
Die Gesamtkostenquote von 1,30 % (I) bzw. 1,69 % (P) ist marktüblich, aber aus Anlegersicht nur dann gerechtfertigt, wenn sich der aktive Ansatz mittelfristig in einer Überrendite niederschlägt.
5. Gesamtfazit aus Anlegersicht
Der 4L Capital Werte-Fonds hat im Berichtsjahr nicht überzeugt, ist aber auch kein struktureller Problemfall. Die negative Performance ist stark vom Marktumfeld geprägt und weniger Ausdruck mangelhafter Einzeltitelauswahl.
Für langfristig orientierte Anleger mit höherer Risikotoleranz bleibt der Fonds interessant – insbesondere wegen:
der konsequenten aktiven Steuerung,
der hohen Portfolioqualität,
und der strategischen Flexibilität.
Kurzfristig orientierte Investoren oder renditefokussierte Anleger könnten hingegen enttäuscht sein. Entscheidend wird sein, ob das Management die geöffnete Strategie in einem stabileren Marktumfeld in nachhaltige Wertzuwächse umsetzen kann.