Spektakulärer und zugleich gefährlicher hätte der Auftakt der neuen WorldTour-Saison kaum sein können: Bei der Tour Down Under in Australien sorgten ausgerechnet zwei Kängurus für einen folgenschweren Zwischenfall, der den Rennverlauf entscheidend beeinflusste – und beinahe den Gesamtsieg kostete.
Auf der fünften und letzten Etappe mit Start und Ziel in Stirling sprang das australische Duo rund 96 Kilometer vor dem Ziel unvermittelt auf die Straße. Mit hohem Tempo näherte sich das Peloton, als die Tiere mitten in die Fahrergruppe sprangen. Mehrere Profis stürzten schwer, drei mussten das Rennen verletzungsbedingt aufgeben. Unter den Gestürzten befand sich auch der Gesamtführende Jay Vine.
Der australische Radprofi, Teamkollege von Tour-de-France-Sieger Tadej Pogačar im UAE-Team, lag nach dem Zusammenstoß am Boden – rappelte sich jedoch wieder auf, wechselte das Material und setzte seine Fahrt fort. Trotz sichtbarer Blessuren verteidigte Vine seine Gesamtführung und brachte den Sieg schließlich ins Ziel. Es war bereits sein zweiter Gesamterfolg bei seinem Heimrennen innerhalb von drei Jahren.
Nach dem Rennen zeigte sich Vine zwar erleichtert, aber auch ernüchtert: Kängurus seien für ihn die größte Gefahr auf australischen Straßen, erklärte er. Sie würden im Gebüsch lauern und genau im ungünstigsten Moment auf die Fahrbahn springen. Diesmal sei eines der Tiere unentschlossen hin- und hergelaufen – bis es zur Kollision kam, bei rund 50 km/h Renntempo.
Der ungewöhnliche Zwischenfall sorgte weltweit für Aufsehen und unterstrich einmal mehr die besonderen Herausforderungen des Rennsports in Australien, wo Natur und Hochleistungssport oft auf engem Raum zusammentreffen. Videos des Crashs verbreiteten sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken.
Sportlich blieb die Tour Down Under dennoch ein wichtiger Gradmesser zum Saisonbeginn. Bester Österreicher in der Gesamtwertung wurde Marco Schrettl (Astana) auf Rang 32. Für den U23-WM-Dritten war es das Debüt auf WorldTour-Niveau – ein solider Einstand. Die ganz großen Namen der Szene wie Pogačar, Jonas Vingegaard oder der deutsche Tour-Dritte Florian Lipowitz verzichteten allerdings auf einen Start.
So bleibt die Tour Down Under 2026 nicht nur als sportlicher Auftakt, sondern auch als Rennen in Erinnerung, bei dem die australische Tierwelt eindrucksvoll – und schmerzhaft – ihre Präsenz zeigte.