Mit der Veröffentlichung der neuen Nationalen Verteidigungsstrategie hat das US-Verteidigungsministerium eine deutliche Kursänderung vollzogen. China gilt darin nicht länger als oberste sicherheitspolitische Priorität der Vereinigten Staaten. Stattdessen rückt der Schutz des eigenen Staatsgebiets sowie der westlichen Hemisphäre in den Mittelpunkt der US-Verteidigungspolitik. Das Strategiepapier erscheint turnusgemäß alle vier Jahre und spiegelt die sicherheitspolitischen Leitlinien der Trump-Regierung wider, die seit einem Jahr wieder im Amt ist.
Laut dem Dokument habe Washington in der Vergangenheit die „konkreten Interessen“ der amerikanischen Bevölkerung vernachlässigt. Künftig solle der Fokus stärker auf der unmittelbaren Sicherheit der USA liegen. In diesem Zusammenhang kündigt das Pentagon auch an, seine Unterstützung für Verbündete „begrenzter“ zu gestalten. Dies bedeute jedoch keinen Rückzug aus der internationalen Verantwortung, sondern eine strategisch fokussiertere Herangehensweise.
Im Vergleich dazu hatte die Nationale Verteidigungsstrategie von 2022 China noch als größte sicherheitspolitische Herausforderung bezeichnet. Auch frühere Dokumente stuften China und Russland als sogenannte „revisionistische Mächte“ ein, die eine zentrale Bedrohung für die globale Ordnung darstellten. Die neue Strategie grenzt sich bewusst von diesen Einschätzungen ab und spricht von einem Abschied von „utopischem Idealismus“ zugunsten eines nüchternen Realismus.
Die Beziehungen zu China sollen laut Pentagon auf Stärke basieren, jedoch nicht auf Konfrontation. Ziel sei es weder, China zu dominieren noch zu demütigen. Auffällig ist zudem, dass Taiwan – anders als in früheren Strategien – nicht explizit erwähnt wird. Dennoch betont das Dokument, dass die USA verhindern wollen, dass irgendein Staat, einschließlich China, eine dominante Position gegenüber den USA oder ihren Verbündeten einnimmt.
Auch gegenüber Europa und anderen Partnern schlägt die Strategie neue Töne an. Verbündete müssten künftig mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen. Besonders Europa solle bei Bedrohungen, die für die USA weniger gravierend seien, selbst die Führungsrolle übernehmen. Russland wird dabei als „anhaltende, aber beherrschbare Bedrohung“ für die östlichen NATO-Staaten beschrieben.
Nordkorea spielt ebenfalls eine geringere Rolle als zuvor. Südkorea sei nach Einschätzung des Pentagons in der Lage, die primäre Verantwortung für die Abschreckung zu tragen. Insgesamt macht die neue Verteidigungsstrategie deutlich, dass sich die USA stärker auf nationale Interessen konzentrieren und die bestehende Weltordnung als im Umbruch befindlich ansehen.
Internationale Stimmen, etwa aus Kanada und Frankreich, warnen parallel vor einer Welt ohne klare Regeln. Die neue US-Strategie fügt sich damit in ein globales Bild zunehmender Unsicherheit und geopolitischer Neuordnung ein.