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Kim Jong Un entlässt Vizeministerpräsidenten – scharfe Worte vor Parteikongress in Nordkorea

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat erneut ein deutliches Zeichen gesetzt: Inmitten der Vorbereitungen auf den wichtigsten politischen Termin des Landes seit fünf Jahren entließ er Vizeministerpräsident Yang Sung Ho und machte ihn öffentlich für das Scheitern eines zentralen Industrieprojekts verantwortlich. Die ungewöhnlich harsche Kritik zeigt, wie sehr Kim den Druck auf seine Führungselite erhöht.

Konkret ging es um die Modernisierung des Ryongsong-Maschinenbaukomplexes im Nordosten des Landes. Das Projekt sollte als Vorzeigeinitiative für wirtschaftliche Erneuerung dienen, geriet jedoch offenbar ins Stocken. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA warf Kim Yang vor, „unnötige, menschengemachte Verwirrung“ verursacht und damit erhebliche wirtschaftliche Verluste herbeigeführt zu haben. Schon bei einer Parteisitzung im Dezember sei Yang scharf kritisiert worden, doch er habe keinerlei Verantwortungsbewusstsein gezeigt.

Besonders aufsehenerregend war Kims Wortwahl: Yang sei „wie eine Ziege, die vor einen Ochsenkarren gespannt ist“. Mit dieser bildhaften Metapher machte Kim deutlich, dass er Yang für völlig ungeeignet hielt. Zugleich bezeichnete er dessen Ernennung rückblickend als „zufälligen Fehler“ der Personalpolitik – eine ungewöhnlich offene Selbstkritik, die jedoch vor allem der Abschreckung anderer Funktionäre dienen dürfte.

Öffentliche Demütigungen und Entlassungen gehören längst zu Kims Führungsstil. Experten sehen darin den Versuch, Disziplin zu erzwingen und vor dem anstehenden Parteikongress maximale Leistungsbereitschaft zu erzeugen. Dieser Kongress soll nicht nur vergangene Projekte bewerten, sondern auch neue wirtschaftliche und politische Prioritäten festlegen sowie das Führungspersonal neu ordnen.

Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die Probleme tiefer liegen. Südkoreanische Analysten betonen, dass strukturelle Schwächen der nordkoreanischen Wirtschaft – etwa die starke Zentralisierung, internationale Sanktionen und die massive Ressourcenbindung durch das Atom- und Raketenprogramm – die eigentlichen Ursachen für das Scheitern vieler Industrieprojekte seien. Die Schuld auf einzelne Funktionäre abzuwälzen, lenke von Kims eigener Verantwortung ab.

Zwar meldete die südkoreanische Zentralbank für 2024 ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent, doch Beobachter bezweifeln, dass dieses Wachstum bei der breiten Bevölkerung ankommt. Vielmehr profitierten vor allem die politische Elite und der Rüstungssektor, was soziale Ungleichheiten weiter verschärfe.

Der Parteikongress, der voraussichtlich Ende Januar oder im Februar stattfinden wird, dürfte sich sowohl mit wirtschaftlichen Fragen als auch mit der weiteren Entwicklung der Nuklear- und Rüstungsprogramme befassen. Zudem wird erwartet, dass Kim die Zusammenarbeit mit Russland und China vertieft. Ob es darüber hinaus zu neuen diplomatischen Signalen Richtung USA kommt, bleibt offen – doch die Entlassung Yangs zeigt bereits jetzt, wie angespannt die innenpolitische Lage in Pjöngjang ist.

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