Formal gesehen kontrollieren die Republikaner unter Präsident Donald Trump weiterhin den US-Kongress. In der politischen Realität jedoch wird diese Kontrolle zunehmend brüchig. Vor allem im Repräsentantenhaus zeigt sich, wie gefährlich eine hauchdünne Mehrheit für ambitionierte Gesetzesvorhaben werden kann.
Durch mehrere unerwartete Vakanzfälle ist der republikanische Vorsprung im Repräsentantenhaus auf nur noch zwei Stimmen geschrumpft. Damit kann sich die Parteiführung faktisch keinen einzigen Abweichler leisten. Schon kleine interne Konflikte oder persönliche Abwesenheiten reichen aus, um wichtige Abstimmungen scheitern zu lassen. Trump selbst räumte bei einem internen Parteitreffen ein, dass man mit einer so knappen Mehrheit kaum entschlossen regieren könne.
Zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit wirkte die republikanische Fraktion noch geschlossen. Mit großen Gesetzespaketen wie dem „One Big Beautiful Bill Act“ konnte die Partei zentrale Vorhaben umsetzen. Doch inzwischen treten die innerparteilichen Spannungen offen zutage. Moderate Republikaner und konservative Hardliner blockieren sich gegenseitig, während einzelne Abgeordnete gemeinsam mit den Demokraten abstimmen – etwa bei Transparenzfragen, Arbeitnehmerrechten oder Gesundheitszuschüssen.
Besonders deutlich wurde die Schwäche der Parteiführung bei kurzfristigen Abstimmungen im Januar, als mehrere republikanische Abgeordnete gegen die eigene Linie stimmten und ein wirtschaftspolitisches Gesetz zu Fall brachten. Für Speaker Mike Johnson bedeutet das einen massiven Autoritätsverlust: Seine zentrale Macht, zu entscheiden, welche Gesetze überhaupt zur Abstimmung kommen, wird durch die fragile Mehrheitslage stark eingeschränkt.
Im Senat ist die Lage etwas stabiler. Mit 53 von 100 Sitzen verfügen die Republikaner dort über einen etwas komfortableren Vorsprung. Dennoch stößt auch Trump hier zunehmend auf Widerstand. Vor allem bei Themen wie Gesundheitskosten und Außenpolitik zeigen einzelne Senatorinnen und Senatoren Unabhängigkeit vom Weißen Haus. Mehrere Republikaner unterstützten zuletzt Initiativen, die Trumps militärische Handlungsspielräume einschränken sollten.
Ein besonders sensibler Streitpunkt ist Trumps Interesse an Grönland. Führende Republikaner im Senat signalisierten klar, dass militärischer Druck auf einen NATO-Partner für sie nicht infrage kommt. Diese Haltung zeigt, dass selbst parteiinterne Loyalität klare Grenzen hat, wenn außenpolitische Grundsätze berührt werden.
Für die Demokraten eröffnen diese Risse strategische Chancen. Sie setzen gezielt auf parteiübergreifende Allianzen, um republikanische Uneinigkeit sichtbar zu machen. Ob Trump seine Agenda dennoch durchsetzen kann, hängt nun weniger von seiner eigenen Macht ab als von seiner Fähigkeit, eine zerstrittene Partei zusammenzuhalten. Mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen könnte genau das zur größten Herausforderung seiner Präsidentschaft werden.