Auf der National Mall in Washington, D.C. ist am 19. Januar eine provokante Kunstinstallation aufgetaucht, die seitdem für Diskussionen sorgt. Eine rund drei Meter hohe Nachbildung einer angeblichen Geburtstagsbotschaft von Donald Trump an den inzwischen verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wurde dort über Nacht errichtet. Hinter der Aktion steht das Künstlerkollektiv „The Secret Handshake“, das bereits in der Vergangenheit mit politisch zugespitzten Installationen Aufmerksamkeit erregt hat.
Die Skulptur zeigt auf einer Seite eine vergrößerte Reproduktion eines Briefes, der Trumps Namen trägt und Teil eines sogenannten „Geburtstagsbuches“ gewesen sein soll, das Epstein Anfang der 2000er-Jahre geschenkt wurde. Der Text ist von einer Zeichnung einer nackten Frau umrahmt und endet mit dem Satz: „Happy Birthday – and may every day be another wonderful secret.“ Auf der Rückseite der überdimensionalen Karte ist die Aufschrift „Happy Birthday To A ‘Terrific Guy!’“ zu lesen. Epsteins Geburtstag fällt auf den 20. Januar.
Eine Tafel neben der Installation fordert Passantinnen und Passanten dazu auf, die Karte symbolisch mit eigenen Botschaften an die Trump-Regierung zu „unterzeichnen“. Laut Angaben des Kollektivs ist die Installation genehmigt und soll bis zum 23. Januar auf der National Mall zu sehen sein. Eine Stellungnahme des National Park Service stand zunächst noch aus.
Erstmals öffentlich bekannt wurde der umstrittene Brief im Juli des vergangenen Jahres durch einen Bericht des Wall Street Journal. Donald Trump bestreitet, den Brief verfasst oder unterzeichnet zu haben, und weist zudem eine enge Beziehung zu Epstein zurück. Er verklagte die Zeitung wegen der Berichterstattung und erklärte, jemand anderes könne den Brief geschrieben und seinen Namen verwendet haben. Rechtlich wird Trump im Zusammenhang mit Epstein nicht beschuldigt. Epstein selbst starb 2019 in Untersuchungshaft, während er auf seinen Prozess wegen Menschenhandels wartete.
Das sogenannte Geburtstagsbuch wurde von Epsteins langjähriger Vertrauter Ghislaine Maxwell zusammengestellt und enthält zahlreiche Briefe, Fotos und private Anekdoten aus Epsteins Umfeld. Teile dieser Sammlung wurden im September von einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses im Rahmen der Veröffentlichung von Epstein-Dokumenten bekannt gemacht.
Die aktuelle Installation fällt in eine Zeit zunehmenden politischen Drucks auf die US-Regierung, weitere Epstein-Akten offenzulegen. Zwar wurden bislang über 12.000 Dokumente veröffentlicht, doch der überwiegende Teil der mehr als zwei Millionen Seiten wird noch geprüft. Ein Gesetz verpflichtet die Behörden, bis Ende 2025 sämtliche relevanten Unterlagen freizugeben.
„The Secret Handshake“ hatte bereits zuvor mit Trump-bezogenen Kunstwerken polarisiert, darunter eine Statue von Trump und Epstein als vermeintlich „beste Freunde“ sowie weitere Installationen, die sich kritisch mit Trumps politischem Erbe auseinandersetzen. Auch das aktuelle Werk versteht sich als Kommentar zur Macht, Erinnerung und politischen Verantwortung.