Nach dem schweren Zugunglück im Süden Spaniens wächst die Zahl der offenen Fragen. In Andalusien entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug und prallte mit einem weiteren Zug zusammen – ein Szenario, das selbst erfahrene Bahnexperten ratlos zurücklässt. Spaniens Verkehrsminister sprach von einem „äußerst seltsamen“ Unfall, dessen Ablauf sich bislang nicht schlüssig erklären lasse.
Auch Detlef Neuß, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn und langjähriger Kenner der europäischen Eisenbahnsicherheit, zeigt sich im Gespräch mit ntv überrascht. „Es ist im Augenblick nur sehr schwer erklärbar, wie es zu diesem Zusammenstoß kommen konnte“, sagte er. Moderne Hochgeschwindigkeitsstrecken seien mit mehrstufigen Sicherungssystemen ausgestattet, die Kollisionen eigentlich verhindern müssten. Dass dennoch zwei Züge aufeinanderprallen, weise auf eine außergewöhnliche Verkettung von Umständen hin.
Als mögliche Ursachen nennt Neuß neben technischen Defekten und menschlichem Versagen auch externe Einwirkungen. „Ein Anschlag ist derzeit nicht auszuschließen“, so der Experte. Denkbar seien Sabotage an der Strecke, Manipulation an der Signaltechnik oder gezielte Eingriffe in die Leit- und Sicherungssysteme. Ebenso könne extremes Wetter, etwa Starkregen oder Erdrutsche, eine Rolle gespielt haben – endgültige Antworten würden erst die laufenden Ermittlungen liefern.
Die spanischen Behörden haben unterdessen eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Spezialisten sichern Spuren an der Unfallstelle, werten Datenrekorder aus und prüfen die Kommunikation zwischen den beteiligten Zügen und der Leitstelle. Ziel ist es, die genaue Abfolge der Ereignisse zu rekonstruieren und mögliche Sicherheitslücken aufzudecken.
Für Spanien ist das Unglück ein Schock: Das Hochgeschwindigkeitsnetz gilt als eines der modernsten Europas. Umso größer ist die Sorge, dass ausgerechnet dort ein derart gravierender Unfall passieren konnte. Die kommenden Tage werden zeigen, ob es sich um tragisches Versagen der Technik, menschliche Fehler – oder tatsächlich um einen gezielten Angriff gehandelt hat.